Uli Hoeneß zum Geburtstag
Das Familienüberhaupt
Text: Helmut Schümann Bild: Imago
30 Jahre verkörperte er der FC Bayern. Heute feiert er seinen 58. Geburtstag. Wir berichteten einst über das Vermächtnis des Ex-Managers und Neu-Präsidenten des FC Bayern München. Ulrich »Uli« Hoeneß und sein Erbe.
Vor ein paar Tagen hatte Uli Hoeneß den gesamten Trainerstab des FC Bayern München zu sich nach Hause eingeladen, dem Vernehmen nach ging es hoch und gut gelaunt her. »Sogar der Louis war locker und hat gelacht«, erzählt Hoeneß und schaut, als glaube er selber nicht, was er gesehen habe.
Das war noch vor dem gewonnenen Spiel gegen Haifa, das sie in München jetzt zu gerne als den Beginn der Wende zum Besseren betrachten würden. Das waren Tage, in denen die von Trainer Louis van Gaal gezählt schienen, unter anderem auch, weil Lockerheit und Lachen eher nicht zu dessen charakterlichen Eigenschaften zu zählen sind. Und es herrschte eine Stimmung, aus der heraus der Manager Hoeneß den Trainer am liebsten eher gestern als heute rausgeworfen hätte, er hat das nur sehr mangelhaft in seinen offiziellen Äußerungen kaschieren können.
Aber geht das so einfach, wäre das nicht als Regelfall des Misserfolges durchgegangen? Sieben Monate nach dem Rauswurf des Trainers Klinsmann schon das nächste Eingeständnis, bei der Personalwahl daneben gegriffen zu haben? Und das als letzte Amtshandlung, als Finale des Managers Uli Hoeneß? Er hätte auch gleich sagen können, dass er nach 30 Jahren sein Amt nicht deshalb aufgibt, weil es genug ist und er rechtzeitig seinem Nachfolger Platz machen wolle, sondern weil er sein Gespür verloren habe und einen Fehler an den anderen reiht. Dergleichen wurde ihm das ein oder andere Mal vorgehalten, zuletzt sehr böse in der Süddeutschen Zeitung von einem Michael Lerchenberg, der ansonsten beim Starkbieranstich auf dem Münchner Nockherberg den »Bruder Barnabas« gibt.
Am Freitag hat sich das Problem verschoben. Der Manager Uli Hoeneß ist nicht mehr der Manager, die Mitglieder sind aufgestanden für ihn, Gemütsmensch Hoeneß hat tief durchatmen müssen, und dann haben sie ihn mit 99 Prozent ihrer Stimmen zum Vereinspräsidenten gewählt. Als solcher wird er wohl maßgeblich an der immer noch drohenden und immer noch wahrscheinlichen Demission des Trainers mitwirken, aber er muss sie nicht selbst ausführen. Als übler Treppenwitz seiner eigenen Geschichte aber wird dieses letzte Jahr seiner Tätigkeit bestehen bleiben.
»Wie es mir geht«, sagte er vor den vermeintlichen Endspielen des FC Bayern gegen Bayer Leverkusen und eben Maccabi Haifa, »wissen Sie was, ich werde krank, ich bin krank.« Er sagt das in dem Büro, das er seit 30 Jahren bewohnt und das er auch weiter bewohnen wird, nur mit einem anderen Schild an der Tür. Und er sagt das mit Blick aus dem Fenster, aus dem er seit 30 Jahren schaut mit der Aussicht auf sein Werk. Man glaubt ihm sofort, dass der Genesungsprozess auch nach den beiden Spielen noch nicht in Gang gekommen ist.
Wie auch? Im Zieleinlauf ist der Manager ins Stolpern geraten. Am Freitag hat Uli Hoeneß dem Verein seine Schuldigkeit gegeben, oder wollte es. Der Kaufmann in Hoeneß hat das mit dem besten Geschäftsergebnis aller Zeiten getan. Mit dem zusätzlichen Deal mit Audi, das sich mit 90 Millionen Euro für 2,5 Millionen Aktien an der FC Bayern AG beteiligt und den rund 100 Millionen Euro der Telekom bis 2013 steht der Verein wirtschaftlich weltweit an der Spitze.
Ist die Seele verankert?
Aber der andere Hoeneß, der leidenschaftliche, für den Fußball immer noch das Spiel der großen Jungs ist, der er selber noch ist mit 57 Jahren, der trat am Freitag unbefriedigt vor die Versammlung – und ab. Weil das frühzeitige Ausscheiden aus der Champions League noch nicht abgewendet ist, weil die Tabellensituation, so sie sich nicht bessert, für den FC Bayern einer Katastrophe gleichkommt, weil das gesamte Gefüge erschüttert ist und weiterhin unklar ist, ob Hoeneß seine Seele im Verein so tief verankert hat, dass er beruhigt von Bord gehen kann.
Vor zwei Jahren hatten der FC Bayern und Uli Hoeneß vor allem uralte Prinzipien über den Haufen geworfen und sich dem globalisierten Markt mit dessen Mitteln entgegengestemmt. Hatten Weltstars verpflichtet und bezahlt wie Franck Ribéry und Luca Toni und haben vor dieser Saison noch einmal nachgelegt und eingekauft in den Volumina, in denen sonst nur der FC Chelsea, Real Madrid oder der FC Barcelona zu investieren pflegen. Ob da eine Art metaphysischer Zusammenhang besteht, dass der FC Bayern in Gänze aus der Spur gerät, in dem Moment, in dem er sein Innerstes aufgibt und das Spiel der Mächtigen mitzuspielen versucht?





