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28.11.2009

Christian Fiedler über Hertha BSC

»Das Herz schmerzt«

Text: Alex Raack  Bild: Imago

234 Spiele stand Christian Fiedler für Hertha BSC im Tor. Mittlerweile Torwarttrainer, hat Fiedler in der laufenden Saison keinen einfachen Job. Ein Gespräch über Dialoge auf der Straße, Hans Meyer und Einlagen von Gabor Kiraly

Christian Fiedler über Hertha BSC - »Das Herz schmerzt«


Christian Fiedler, wie sehr schmerzt Ihr Berliner Herz beim Blick auf die Tabelle?

Schon sehr. Die ganze Situation ist sehr belastend für den Verein und für die ganze Stadt. Mich sprechen die Menschen auf der Straße an und fragen, wann es wieder besser wird.



Was antworten Sie den Leuten?

Dass das zum Fußball dazu gehört. Außerdem ist unsere Lage ja nicht aussichtslos, wir müssen uns erstmal vernünftig in die Winterpause retten.

Sie haben Ähnliches in der Saison 2003/04 erlebt, als Sie mit der Hertha auf Platz 17 überwintern mussten...

13 Punkte hatten wir damals in der gesamten Hinrunde zusammen bekommen. Dann ging Huub Stevens und Hans Meyer kam. Die Vorbereitung war gut, wir fühlten uns stark und stabil. Und dann kommt am ersten Spieltag der Rückrunde Bremen und schenkt uns vier Dinger ein...

Frustrierend.

Allerdings. Wir saßen in der Kabine, völlig niedergeschlagen. Als Hans Meyer uns da so sitzen sah, fragte er in die Runde: »Sind wir schon abgestiegen?« »Nein, Trainer.« »Na also, wo ist das Problem?« Anschließend haben wir noch 26 Punkte geholt und sind Zwölfter geworden.

Also ist die aktuelle Misere der Hertha eine Kopfsache?

Ja, natürlich. Nach der Pleite gegen Bremen 2004 haben wir eine Woche später gegen Stuttgart gewonnen, kurz vor dem Ende hat Fredi Bobic mit dem Kopf das 1:0 geschossen. Anschließend ging´s bergauf.

Am Samstag spielen Sie gegen Eintracht Frankfurt, man spricht schon vom großen Kellerduell. Wie bereiten Sie sich auf das Spiel vor?


Niemand dürfte den Gegner besser kennen, als unser Trainer Friedhelm Funkel. Das ist schon mal ein Vorteil. Im letzten Spiel gegen Stuttgart haben wir zwar einen Punkt gewonnen, aber auch zwei verloren, weil alle Konkurrenten fleißig gepunktet haben. Trotzdem, der Wille ist da und gegen Frankfurt wollen wir wieder punkten.

Sie haben als Torwarttrainer in dieser Saison einen besonders schwierigen Job. Ihre Schützlinge Jaroslav Drobny und Sascha Burchert haben bereits 27 Gegentreffer kassiert. Wie können Sie die denn wieder aufbauen?


Das mache ich gemeinsam mit dem erfahrenen Kollegen Enver Maric. Ich habe mit Jaro und Sascha ja noch zusammen gespielt und daher ein ganz spezielles Verhältnis. Im Training versuchen wir den Jungs mit einfachen Übungen Sicherheit zu vermitteln.

Wie muss man sich das vorstellen, schießen Sie nur mit halber Kraft aufs Tor?

Nein. Torwarttraining ist ja wie Tennistraining. Man beginnt mit einfachen, simplen Übungen, die man kennt und einstudiert hat. Das schult die Automatismen, die du als Keeper benötigst.

Sascha Burchert hat gegen Hamburg mit zwei spektakulären Torvorlagen per Kopf für den Gegner für Schlagzeilen gesorgt...

Das tat mir besonders leid, dass ein 19-Jähriger so brachial ins Feuer geworfen wurde. Die Zeitung mit den großen Buchstaben hat versucht Sascha lächerlich zu machen. (»Bild« hatte nach der Niederlage gegen den HSV getitelt: »Der Kopfball-Torwart-Trottel«) Aber ich denke, der Junge ist ganz gut aus der Situation herausgekommen. Auch durch die Unterstützung innerhalb des Vereins.

Burcherts Ausflüge waren schon außergewöhnlich. Sie dürften sich ja bestens auskennen mit exzentrischen Torwartkollegen...


Sie meinen Gabor Kiraly.

Der zu seiner Berliner Zeit in regelmäßigen Abständen ankündigte, den Ball gegen die Latte zu werfen und so ins Spiel zurück zu bringen.

Die Vereinsführung war damals nicht sonderlich davon begeistert. Es hieß immer: Wenn er das macht, kracht es gewaltig. Er hat sich ja dann auch nicht getraut es im Spiel zu versuchen. Aber es klappt tatsächlich! Im Training habe ich es mit meinen eigenen Augen gesehen.    


Christian Fiedler ist Teil des Traditionsturniers »Legenden des deutschen Fußballs« in der Max-Schmeling-Halle. Beim prominent besetzten Budenzauber sind am 2. Januar 2010 die Altstars von Bayer Leverkusen, Werder Bremen, Hertha BSC, Union Berlin, Borussia Mönchengladbach und 1. FC Köln am Start. Alle Infos findet Ihr hier.

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Kommentare

  • User
  • 28.11.2009 12:27:55 Donaldo

    Ey, jetzt mal im Ernst: Hertha in Liga 1 braucht doch kein Mensch, oder?

  • User
  • 28.11.2009 13:14:08 flow_loehne

    Also ist die aktuelle Misere der Hertha eine Kopfsache?

    Ja, natürlich.
    ------------------

    Gut, da er immer noch bei der Hertha angestellt ist, vergaß er wohl dass die aktuelle Mannschaft keine Qualität für Liga 1 besitzt!

  • User
  • 28.11.2009 18:38:25 AntiMöller

    Als zugezogener Berliner sage ich: ich klage!. Das stand so in meinem Anmeldeformular: "1.-Ligist!"...

  • User
  • 28.11.2009 23:26:06 Gruni

    total irre, wie man in so kurzer Zeit abstürzen kann!

    Seis drum, spielt halt Eisern Union nächstes Jahr in Liga 1

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