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Warum der DFB der Wettmafia unterliegt

Dieser Gegner ist zu stark

Text: Friedhard Teuffel  Bild: Imago

Wenn die Funktionäre derzeit überhaupt etwas zum Wettskandal erklären, dann allenfalls, dass ihre Verbände gegen organisierte und weltweit operierende Kriminalität keine Chance hat. Ein Lagebericht aus dem Auge des Skandals.

Warum der DFB der Wettmafia unterliegt - Dieser Gegner ist zu stark


»Ein Sportverband ist absolut überfordert, organisierte Kriminalität mit internationalem Charakter aufzuklären«, sagte Theo Zwanziger, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am Montag in Frankfurt am Main, und Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL), wurde noch deutlicher: »Kein Verband, keine Liga, kein Frühwarnsystem der Welt ist in der Lage, Spielmanipulationen zu 100 Prozent auszuschließen.«

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Die Bochumer Staatsanwaltschaft hat DFB und DFL bisher gar nicht in ihre Ermittlungen eingebunden. Die beiden Fußball-Organisationen haben daher Einsicht in die Akten beantragt. Und sie haben einen Schritt unternommen, der in Krisensituationen unausweichlich scheint: die Gründung einer Task Force. DFB-Justiziar Jörg Englisch soll sie leiten, ihr gehören leitende Angestellte von DFB und DFL an. 

»Es gibt einen illegalen Markt, den wir nicht kontrollieren können«

Wie begrenzt die Möglichkeiten des Fußballs sind, darauf hat auch Carsten Koerl hingewiesen, er ist Geschäftsführer der Sportradar AG, die das Frühwarnsystem für Wettbetrug im Auftrag des Fußballs betreibt. DFB und DFL zahlen dafür jährlich 200 000 Euro. »Wir kooperieren mit 300 Wettanbietern in 70 Ländern weltweit, aber es gibt einen illegalen Markt, den wir nicht kontrollieren können«, sagte Koerl. Betrüger könnten außerdem mit geringeren Beträgen wetten, das erschwere es dem Frühwarnsystem ebenfalls, ihnen auf die Spur zu kommen. 

Sportradar untersuche Fußballspiele in 53 europäischen Ländern und überwache dort jeweils die erste und zweite Liga. Zuletzt hätten sie dem europäischen Fußball-Verband Uefa einige auffällige Spiele gemeldet, deutsche Spiele seien nicht darunter gewesen, sagte Koerl.

Die nationalen Verbände wissen noch nicht, welche Spiele betroffen sind. Die Uefa dagegen ist von der Staatsanwaltschaft eingebunden worden und hat neun betroffene Verbände für Mittwoch an ihren Sitz nach Nyon eingeladen. Es handelt sich um Belgien, die Schweiz, Kroatien, Slowenien, Bosnien, die Türkei, Österreich, Ungarn und Deutschland. Der DFB glaubt jedoch nicht, von anderen Organisationen noch etwas in Sachen Betrugsprävention lernen zu können. »Der DFB ist von der Uefa als Musterverband dargestellt worden«, sagte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach. Er habe die Lehren aus dem Skandal von 2005 gezogen. »Deutschland ist so ziemlich das einzige Land, in dem dieses Delikt nicht als Kavaliersdelikt behandelt wird, sondern als organisierte Kriminalität«, sagte Niersbach. 

Eins hat der Verband offenbar schon durchgesetzt: Laut Präsident Zwanziger konnte der DFB Mario Basler überzeugen, nicht mehr auf Spiele des von ihm trainierten Regionalligaklubs Eintracht Trier zu wetten.

Tagesspiegel@11Freunde


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Kommentare

  • User
  • 24.11.2009 11:04:27 flow_loehne

    Der Sumpf lässt sich erst trocken legen, wenn ein globales Politiknetzwerk aus staatlichen, wirtschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Kräften das Problem angeht. Der Nationalstaat alleine ist bei der Problemlösung absolut hilflos. Wir können in Deutschland Wetten verbieten oder erschweren, doch dann flüchten die Wetter - mit Hilfe von globalen Kommunikationsmittel - einfach nach Asien.

  • User
  • 24.11.2009 11:08:31 saloth sar

    Der Sumpf lässt sich erst trocken legen, wenn ein globales Politiknetzwerk aus staatlichen, wirtschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Kräften das Problem angeht.

    bin ich dafuer, hat ja beim bekaempfen von hunger, erderwaermung und erlangen des weltweiten frieden schon gut geklappt. jetzt kann sich dieses netzwerk endlich den wettbetruegern widmen.

    Wir können in Deutschland Wetten verbieten oder erschweren, doch dann flüchten die Wetter - mit Hilfe von globalen Kommunikationsmittel - einfach nach Asien.

    wenn sie da nicht schon sind

  • User
  • 24.11.2009 12:04:37 pandrodor

    Das gibts ja in genug anderen Bereichen auch, dass man aus anderen Ländern offensichtliche Verbrechen begehen kann und dort nicht zur Rechenschaft gezogen wird.

    Einzige Möglichkeit wäre mit diesen Ländern komplett die Handelsbeziehungen und Versorgung einzustellen, dass wird sich aber kein Politiker trauen.

  • User
  • 24.11.2009 12:11:14 saloth sar

    eben, weil dann muesste man ein vielfaches fuer die produkte des taeglichen gebrauches zahlen, wenn man die nicht mehr aus asiatischen billiglohnlaendern importieren koennte. den aufschrei moechte ich hoeren.

    und mal so nebenbei gesagt, ich glaube die internationale politik hat marginal groessere probleme zu bewaeltigen als sich um eine wfussballwettmafia zu kuemmern.

  • User
  • 24.11.2009 18:49:43 AbteilungAttacke

    Wo der Saloth mal Recht hat, hat der Saloth mal Recht.

  • User
  • 24.11.2009 21:43:58 Gruni

    Ein Verhaltensökonom würde die Sache wie folgt erklären:

    Jeder Spieler trifft für sich genommen rationale Entscheidungen, in dem er den Nutzen (Geld) gegen die Kosten (Risiko der Aufdeckung und die zu erwartende Strafe) abwägt. Wenn also schon wenige tausend Euro reichen, um ein Spiel zu manipulieren, dann hat das individuelle Gründe.
    In unteren Ligen spielen nicht selten Leute, die weiter oben gescheitert sind oder die Chance verpasst haben ganz nach oben zu kommen; Anspruch und Wirklichkeit, sowohl sportlich als auch finanziell, klaffen weit auseinander. Es gibt kaum Identifikation mit dem Verein. Spieler kommen und gehen, eben modernes Söldnertum. Wir wissen nicht, ob die betroffenen Vereine die vertraglich zugesicherten Gehälter regulär auszahlen. Wir wissen auch nicht, ob diese Spieler vielleicht ein Blondchen mit überzogenen Ansprüchen zu Hause sitzen haben.

    Unterm Strich sind diese Spieler und Schiedsrichter genauso anfällig für Betrug (Korruption) wie andere Menschen bzw. Berufsgruppen auch.

    Abstrakt gesehen gibt es nur eine effiziente Möglichkeit, diesen Betrug einzudämmen - nämlich die Kosten für diesen zu erhöhen. Das kann ein enormes Bußgeld sein, oder eine lange Haftstrafe, lebenslanges Berufsverbot. Es muss nur richtig wehtun!!

  • User
  • 24.11.2009 23:59:22 Marco Polo

    Gruni bringts auf den Punkt.

    Ich bin für sofortiges Berufsverbot. Ist bei den Schiedsrichtern nciht anders. Wenn ich als Schiri in irgendeiner Liga Geld nehme, dann bin ich für immer weg vom Fenster. Warum sollte es bei den Spielern anders sein?

  • User
  • 25.11.2009 01:18:49 AbteilungAttacke

    Naja, weil die Schiedsrichter in Deutschland keine Berufsschiedsrichter sind - bei denen läuft es also nicht auf ein "Berufsverbot" im rechtlichen Sinne hinaus. So ein Verbot des "Hobbys" ist leicht aussprechbar. Bei Fussballprofis, also Leuten, die de facto ihren Lebensunterhalt mit dem Fussballspielen bestreiten, sieht die Sache schon kniffliger aus. Ich jedenfalls wollte nicht abwägen müssen zwischen der Belastung eines betroffenen Spielers mit einem Berufsverbot (welches dann ja Europaweit gelten müsste, da sonst Verstoß gegen EU-Recht denkbar!) und den zu schützenden Rechtsgütern für die Allgemeinheit, die bei einem nicht sauberen Sport betroffen sind.

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