Die 11FREUNDE-Blogschau
Ein skandalöses Gemetzel
Text: Max-Jacob Ost Bild: Imago
Wir geben zu: Diese Blogschau ist nichts für schwache Nerven. Artur Wichniarek. Michael Skibbe. Louis van Gaal. Aber wer das Titelbild überstanden hat, ist schon über den Berg. Genießt also dieses Hohelied des Journalismus!
VfB Stuttgart - Hertha BSC Berlin 1:1 (0:0)
Angedacht schreibt: »Einmal mehr spielte man 25 Minuten lang gefällig und kam zu einigen Chancen, von denen zwei oder gar drei als wirklich gut gelten dürfen. Danach war es, wie so oft, vorbei mit der Herrlichkeit Stuttgarter Spielkultur. Man ließ die Berliner, die zuvor wirklich nicht den Eindruck gemacht hatten, noch auf den Klassenerhalt hoffen zu dürfen, geschweige denn es zu tun, langsam ins Spiel finden, gab das in Ansätzen gezeigte Kurzpassspiel auf und zeigte eine Leistung, die denen der bisherigen Saison gerecht wurde. Und Markus Babbel sah diesem uninspirierten Kick bis zur 65. Minute zu, ehe er endlich wechselte.«
Herthabsc schreibt: »Das Ergebnis ist für beide Teams schlecht: Stuttgart steht jetzt auf dem Relegationsplatz, Hertha ist mit 5 Punkten weiterhin ganz unten. [...] Die Aufgabe ist nach dem 13. Spiel wieder ein bisschen schwieriger geworden, im Prinzip ist die Mannschaft konkurrenzfähig, de facto spielt sie inzwischen aber natürlich auch gegen die eigene Leistung des ersten Saisondrittels, also irgendwie immer auch gegen sich selbst, und das merkt man leider.«
11FREUNDE meint: Wir haben es wirklich lange ausgehalten, in dieser Blogschau nicht über Artur Wichniarek zu schreiben. Sehr lange. Gründe gab es viele, Pietät trifft es wohl am besten. Aber inzwischen kämpft der wackere Artur so emsig für seinen Platz in der Wall of shame, dass wir ihn einfach nicht mehr ignorieren können. Wobei wir ihm damit irgendwie auch Respekt zollen können. Denn, ganz ehrlich: Wer es schafft sich vom spielerischen Niveau her sogar unter der Saisonleistung der Hertha einzuordnen, der hat wirklich seine Berufung gefunden. Und irgendwie ist es ja auch putzig wie Artur beim 1:0 seines Sturmkollegen Ramos erst gefühlt um die Länge der Potsdamer Allee im Abseits steht und dann nicht einmal die Kraft hat, energisch den Querpass zu fordern. »Hier!... ich wäre... vielleicht... ach, nicht so wichtig.« Armer Artur.
Eintracht Frankfurt - Borussia Mönchengladbach 1:2 (0:0)
Blog-G schreibt: »Spiele von Mannschaften auf diesem Niveau werden dann halt durch Zufälle entschieden. Gestern war es die Slapstick-Einlage der Frankfurter Verteidigung, die die Gladbacher, wahrscheinlich zu deren eigener Überraschung, auf die Siegestrasse brachte. Hinzu kommt das Selbstbewusstsein auf Seiten der Gäste, mit einigen schönen Erfolgen im Rücken und dem Trend nach oben, im Gegensatz zur umgekehrten Entwicklung auf Seiten der Frankfurter. Dies alles ist so vorhersehbar, das es in seiner Normalität völlig langweilig ist. Hand aufs Herz - hat sich gestern irgendwer gewundert?«
Entscheidend is auf'm Platz schreibt: »Es ist schon erstaunlich, mit welcher Souveränität die Borussia dem zweiten Auswärtssieg in Folge entgegen schwebt. Vielleicht liegt es in diesem Moment an den Null Tropfen Alkohol in meinem Blut, dass ich das Geschehen auf dem Platz so viel ruhiger verfolge als noch in Hamburg. Jetzt schon von Routine zu sprechen, was das Siegen auf fremdem Platz angeht, dürfte wohl zu viel des Guten sein. Erst die Schlussminuten reißen die mitgereisten Borussen aus einer Art positiven Selbstzufriedenheit. Rob Friend fürchtet bei einem Frankfurter Freistoß um seine Frisur und überbietet Thierry Henrys Auftritt vom Mittwoch im wahrsten Sinne im Handumdrehen. Schiri Sippel hat jedoch keine Lust auf eine Frankreich-Persiflage und zeigt auf den Punkt. Den Elfer setzt Schwegler genau in die Mitte, nur noch 1:2.«
11FREUNDE meint: Es ist durchaus zu begrüßen, dass sich in dieser Saison wenigstens ein Blick an die Seitenlinie lohnt, wenn schon das Geschehen auf dem Platz nicht gerade pulsanregend ist. Denn da steht er. Michael Skibbe. In einem Traum aus Ballonseide (trug er damals bei Dortmund nicht öfter mal Anzug?). Mit Tennissocken (im Sommer vermutlich über die Hose gezogen um Mückenstiche zu vermeiden). Auf der Stirn: Furchen von der Tiefe des Mariannengrabens. Im Gesicht: Zwei Finger permanent an die Backe getackert, während der dritte die Unterlippe halten muss. Gott nahm einst eine Rippe des Jupp Heynckes von 1994 und schuf daraus die Mensch gewordene Ratlosigkeit. Setzte sie auf die Eintracht-Bank. Und sah: Es war gut so. Humor hat er, der alte Knabe. Muss man ihm lassen.
SC Freiburg - Werder Bremen 0:6 (0:1)
Meine Saison mit dem SVW schreibt: »Gegen Freiburg hat Werder schon oft gespielt, wie ein kommender Meister. Zuletzt vor fünf Jahren, da hat man auch mit 6:0 gewonnen. Damals wurde zwar man nicht Meister, doch am Ende stand immerhin ein Champions League Platz. Mehr habe ich Werder bislang auch nicht zugetraut. Bis gestern. Freiburg ist kein Gegner, der sich als Maßstab für die Meisterwürdigkeit einer Mannschaft eignet. Es wäre also durchaus angebracht, vor übertriebener Euphorie zu warnen, doch danach ist mir heute nicht.«
Werderblog schreibt: »So macht das als Grün-Weißer richtig Spaß. Auch die Tatsache, dass man sich schnell auf die Freiburger Angriffe zu Beginn der Partie einstellte und die Außenverteidiger ein bißchen weiter zurückgezogen agierten, um keine Räume mehr zuzulassen, fand ich sehr gut. Man merkt, dass die Mannschaft in der Lage ist, Schwachstellen zu erkennen und zu beheben. Das war bspw. in der letzten Saison nicht so, wo zu viele Gegentore nach ›Schema F‹ fielen. Nun heißt es: Mund abputzen und sich auf das nächste Wochenende einstellen, wo der VfL Wolfsburg in Bremen zu Gast sein wird. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir mit solch einer Leistung auch gegen den deutschen Meister einen Dreier einfahren werden.«
11FREUNDE meint: Den Freiburgern beim Spiel gegen Werder zuzusehen erinnerte irgendwie an einen Familienausflug zur Schlachtung von Babbyrobben. Hat denen denn keiner gesagt, dass man gegen Bremen wenigstens versuchen sollte, eine rechte Abwehrseite aufzubauen? Unser Appell an die Sportschau: Solche Spiele bitte nur noch nach 22 Uhr senden. Am besten mit Zensurbalken über die Spielfeldseite, auf der Özil gerade steht. Plus vielleicht noch einen über Tim Wieses Frisur. Ein solches Gemetzel von hilflosen Minderjährigen zur besten Sendezeit darf sich nicht wiederholen. Pfui.






