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Hansa Rostock gegen St. Pauli

Logbuch eines Problemspiels

Text: Marco Weber und Christian Piarowski  Bild: Christian Piarowski

Rostock gegen St.Pauli: Das hieß auch am Montag wieder Randale. Unsere Reporter Christian Piarowski und Marco Weber waren vor Ort. Hier ihr Bericht über einen Abend zwischen grauem Zweitliga-Alltag und gewollter Eskalation.

Hansa Rostock gegen St. Pauli - Logbuch eines Problemspiels


27 Polizisten wurden leicht verletzt, 23 Randalierer mussten in Gewahrsam genommen werden, Feuerwerkskörper wurden im Stadion abgebrannt, das Spiel musste unterbrochen und Wasserwerfer eingesetzt werden. Drei Tage später spricht niemand über das Ergebnis des Topspiels der zweiten Liga, es geht lediglich um die Begleiterscheinungen der Partie.

Wie wir das Ganze erlebt haben, lest Ihr im Protokoll unserer Auswärtsfahrt.

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16:15 Uhr: Redaktion Berlin

Gemeinsam und vor allem friedlich starten Rostock-Fan Piarowski und St.Pauli-Anhänger Weber ihre Fahrt zum so genannten »Hassderby«. Weber hat böse Erinnerungen an das Vorjahr, als er sich im Gästeblock und in den Straßen Rostocks bei Angriffen fußballferner Neonazis um seine Gesundheit fürchten musste.

19:00 Uhr: Waren

Panik macht sich breit im 11FREUNDE-Mobil. 19:00Uhr zeigt die Uhr an. »Wir brauchen noch mindestens eine Stunde bis zum Stadion«, so der Ur-Mecklenburger Piarowski zu Weber, der bei Nebel und regennasser Fahrbahn auch nicht mehr als Vollgas geben kann. Plötzlich stellt Piarowski fest: »Auf meiner Uhr ist es erst um sechs«. Zeitumstellung verpasst! Das Schöne: Für unsere Dummheit schenkt uns der Fußballgott eine Stunde mehr Zeit.


18:45 Uhr: Rostock

Absolut pünktlich erreichen wir die Hansestadt. Das vom Flutlicht hell erleuchtete Stadion macht Lust auf ein richtig schönes Fußballspiel, die zahllosen Polizeiwagen in der Stadt weniger. Aber sie vermitteln ein Sicherheitsgefühl, das im Vorjahr gefehlt hat. In den Straßen von Rostock ist alles friedlich, und man fühlt sich wie vor einem Fußballspiel, nicht wie vor einem Jahrestreffen der norddeutschen Kameradschaften. 


19:30 Uhr: Presseeingang

Kalt ist es in Rostock. Während im Stadioninneren Karl-Heinz »Struppi« Strupp die Fans begrüßt, warten die beiden Action-Reporter fröstelnd auf den vom Verein gestellten Geleitschutz.  


19:50 Uhr: Block 8/9

Endlich können wir los. Kurzer Abschied von Weber, der Richtung Gästeblock verschwindet. Der mir zugeteilte Ordner heißt Lars. Lars ist pflichtbewusst und wortkarg. Bisher sei alles ruhig, das Ganze werde ohnehin nur von den Medien aufgebauscht. Und in der Tat spüre ich vor und im Stadion nichts von einem hasserfüllten Stimmung. Bei Bier und Bratwurst unterhalten sich die Fans über allerlei Alltagssorgen. Alles wie bei einem ganz normalen Fußballspiel. Vor Block 8/9, dem Eckplatz auf der Nordtribüne, wo die eine Gruppe Hansafans sich versammelt, meldet mich Lars bei seinem Vorgesetzten. »Der Reporter ist da.« Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen. Endlich darf ich mich frei bewegen und tauche ein ins Getümmel.


19:55 Uhr: Eingang Gästeblock

Von meinem Ordner werde ich durch etliche Sicherheitssperren hindurch Richtung Gästeblock gebracht. Dreimal muss jemand angerufen werden, um sicher zu gehen, dass ich auch wirklich rein darf. Dann geht es mir wie allen anderen Gästefans: Ich muss den kompletten Inhalt meiner Jacken- und Hosentaschen vor dem Sicherheitspersonal auf den Boden legen und werde von Kopf bis Fuß in gründlichster Form durchsucht. Diejenigen, die mit dem Sonderzug angereist sind, müssen teilweise mehr als eine Stunde warten, bis sie ins Stadion kommen. Anstrengend, aber wenigstens kann so niemand illegale Gegenstände ins Stadion schmuggeln, denke ich mir. Im Stadion angekommen, bin ich ein wenig verwundert: Rechts neben dem Gästeblock bleibt ein ganzer Block frei, links dagegen, wo es letztes Jahr zu den schlimmsten Ausschreitungen kam, nur ein halber.


20:10 Uhr: Hansa-Block

Die Rostocker Zuschauer begrüßen ihre Mannschaft wie üblich mit einer Schalparade. Von einer hasserfüllten Stimmung ist hier noch immer nichts zu spüren.


20:15 Uhr: Gästeblock

»Rivalität ja, Gewalt nein«, so lautet die absolut passende Botschaft der Rostocker Fans beim Einlaufen der Mannschaften. Währenddessen wird heftig provoziert zwischen den Blöcken, aber es bleibt alles im Rahmen. Auf »Scheiß St.Pauli« reagiert die St.Pauli-Kurve zunächst mit Applaus und anschließend mit »Who the fuck is Hansa Rostock?«. Einige Fans haben sich »We hate Hansa«-Schilder gebastelt. Das mag noch verständlich sein, was mich aber ankotzt, sind einige Chaoten, die sich noch nie im Stadion haben blicken lassen und jetzt die ganze Zeit auf dem seitlichen Zaun stehen. Sie sind ausschließlich damit beschäftigt, die Rostocker mit unschönen Gesten zu provozieren. Das hinter ihnen das Spiel beginnt, ist ihnen egal.


weiterlesen [1] [2]



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News, Interviews, Blogs, Statistiken und Service zu: FC Hansa Rostock, FC St.Pauli


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Kommentare

  • User
  • 05.11.2009 18:26:12 EuroNoise

    Gibt es eigentlich auch Zahlen über von PolizistInnen verletzte Fußballfans - soll ja bei Einätzen dieser Größenordnung auch manchmal vorkommen. Und warum wird ausgerechnet dass schwulenhassende Spruchband gegen Littmann nicht erwähnt? Oder fällt das unter die Kategorie "halb scherzhafte, halb provozierende Banner"?
    "Wieder mal waren es vornehmlich Trittbrettfahrer, die den Fußball für Ihre Zwecke missbrauchten und in den Hintergrund rückten." Und von den "wahren Fans" hat niemals irgendjemand eingegriffen, als all das passiert ist - Duckmäuserpack und stillschweigende SympathisanInnen.

  • User
  • 05.11.2009 19:18:43 norden

    "Gibt es eigentlich auch Zahlen über von PolizistInnen verletzte Fußballfans"

    Sicherlich wird sowas vorkommen, aber diese Frage ist doch eigentlich Quatsch, oder will irgendwer behaupten, dass sich gewaltbereite PolizistInnen zu einem Fussballspiel treffen, um da wahllos auf Leute einzuprügeln?
    Es ist doch vielmehr so, dass die Polizei dort auftritt, weil es schlichtweg zu viele Vollpfosten gibt die sich in der Menge stark fühlen um dort ihren Frust und/oder Aggressionen auszuleben, egal ob nun politisch motiviert oder nicht.
    Dieses Pack trägt die eigentliche Verantwortung, dass auch normale Fans mit zwischen die Fronten geraten können und nicht die Polizei. Ohne sie bräuchte die Polizei da gar nicht aufschlagen (zumindest theoretisch, zugegeben).
    Es gibt mit Sicherheit auch Vorfälle bei denen Polizisten überreagieren und Idioten gibt es sicher auch bei der Rennleitung, aber ich möchte nicht in deren Haut stecken wenn da die Spacken anfangen zu randalieren. Immer richtig zwischen Depp und Fan zu unterscheiden ist nicht so einfach, besonders nicht wenn man vllt. schon selbst angegriffen wird/wurde.

    Und nein, ich bein nicht bei der Rennleitung, sondern einfach jemand der solche Sachen nicht nachvollziehen kann.

    bis denne

  • User
  • 05.11.2009 21:12:54 HS181

    "...oder will irgendwer behaupten, dass sich gewaltbereite PolizistInnen zu einem Fussballspiel treffen, um da wahllos auf Leute einzuprügeln?"


    Gaz klares JA!!! Oft genug selbst erlebt!

  • User
  • 05.11.2009 21:28:56 Bulettenkönig

    Echt? Ich hab sowas noch nicht erlebt... und ich kenn auch niemand persönlich, der sowas schon mal erlebt hätte.

    Könnte es also sein, dass das dann auch ein ganz klein bisschen an dir und deinen Kumpels liegt?

  • User
  • 05.11.2009 22:28:01 norden

    "Gaz klares JA!!! Oft genug selbst erlebt!"

    Ich stell mir das dann in etwa so vor: Es spielen TuS Wattebausch gg. VfB Glückseligkeit, die Sonne scheint, Vögel zwitschern und viele Fußballfreunde pilgern friedlich vor sich hinsummend ins Stadion.
    Irgendwann halten die Ampelmännchen diese Idylle naturlich nicht mehr aus und fangen an, rasend vor Wut, aufgrund dieser widernatürlichen Harmonie, um sich zu prügeln. Unter den Opfern auch die lieben Jungens die siche gerade an einem Gänsblümchen erfreuen...

    Ja, solche Meldungen liest man ja häufiger

    Neenee, da kannst du mir erzählen was du willst, aber so einfach ohne Provokation o.ä. (von wem auch immer), hauen Polizisten dann doch auf Aussenstehende ein. Man sollte solche Situationen schon ein wenig differenziert betrachen.

    bis denne

  • User
  • 06.11.2009 10:26:34 Taylomat

    Mein Vorschlag gegen prügelnde Polizisten.

    Reiseverbot für Polizisten am Spieltag, Stadionverbot auf Lebenszeit und 1000m Sicherheitsabstand zum Stadion.

    Sollen doch die Vereine selber für die Sicherheit der Fans sorgen.
    Im Profifussball werden Millionen umgesetzt, aber die Allgemeinheit wird bei der Sicherheit der Fans zur Kasse gebeten.
    Der Einsatz hat alleine der Polizei aus Schleswig-Holstein schon 50.000,-€ gekostet, nur weil sie mit ein paar Hundertschaften vor Ort waren.

  • User
  • 06.11.2009 10:39:14 haibi

    Ich möchte mal kurz auf diese vermaledeite Kostengeschichte eingehen, weil mich das seit Jahr und Tag nervt,........
    Übrigens nicht nur bei Thema Fussball!
    Nehmen wir mal an die Herrschaften hätten nicht ausrücken dürfen (müssen), wen hätten sie denn dann Geld gekostet?

  • User
  • 06.11.2009 11:07:42 AbteilungAttacke

    @ Taylomat, dass "die Allgemeinheit wird zur Kasse gebeten"-Argument, welches ja auch die Polizeigewerkschaften kolportieren, stimmt zumindest aus rechtlichen und moralischen Gründen einfach nicht. Zudem würd mich mal interessieren, ob Polizisten nach Stunden oder nach Einsatz bezahlt werden.
    Hab dazu aber oft genug schon was geschrieben.

    Zum Thema Polizeigewalt: Klar, die gibt es, keine Frage. Auch ausserhalb des Fussballs. Stichwort Auschreitungen in Berlin, wo man das hübsch auf youtube sehen kann. Oder bei dieser Kneipeneinkesselung beim einem Spiel von Düsseldorf.

    Doch beim Spiel von Rostock gg. Pauli scheint es nicht dazu gekommen zu sein. Spricht imho dafür, dass a) das Konzept der Polizei aufgegangen ist b) die richtigen Fans, die nicht Gewaltbereiten, schlau genug waren, sich rauszuhalten und daher c) gegen die agressiven Idioten geschlossen vorgegangen werden konnte.

    Das mit der Zivilcourage, die ja im Artikel und auch den Beiträgen erwähnt wird, halte ich für eine knifflige Angelegenheit. Mal abgesehen von der Sorge um die eigene Sicherheit - aber wo Polizei bereits vor Ort ist, sollte man sich raushalten, zu groß ist die Gefahr, zwischen die Fronten zu geraten. Gut gemeinte Aktionen können da in die Hose gehen. Was anderes ist es natürlich, dor einzugreifen, wo die Polizei nicht präsent ist (wie etwa mit den Bengalos im Stadion) dort kommt es wiederum aber auch auf die Machbarkeit an.

  • User
  • 06.11.2009 11:13:18 Taylomat

    Sie hätten Ihre Zeit zumindest sinnvoller nutzen können.
    Klar sind ein Teil laufende Kosten, aber ein großes Problem bleibt bei diesen Einsätzen die Anhäufung von Überstunden, welche extra vergütet werden.

  • User
  • 06.11.2009 11:23:45 haibi

    Indem sie was getan hätten?
    Und hätten sie diese alternative Tätigkeit dann einer Höheren Sache gespendet?

  • User
  • 06.11.2009 13:13:58 EuroNoise

    Ab Foto 35, Pfefferspray gegen die ersten fünf Reihen, weil von ganz hinten geschubst wurde und die Menschen nicht aus dem Kessel rauskamen (vgl Foto 7)

    http://www.wh96.com/templates/galerie/fotopop.php? id=426&img=35

  • User
  • 06.11.2009 15:55:30 MAEXo

    Zum Thema gewaltbereite Polizisten
    sollte man sich vielleicht mal den Film Heat ansehen

    Es gibt auf jeden Fall personen die nur zur Polizei wollen
    um Autorität ausüben zu können siehe cartman

    Ist die Rivalität Pauli-hansa nicht vorwiegend
    politischer Natur?
    Oder gibt es auch sportliche gründe?

  • User
  • 07.11.2009 19:52:33 AbteilungAttacke

    Es ist zu begrüßen, dass das gesamte Medienspektrum benutzt wird, um eine Gegenkontrolle zum polizeilichen Handeln zu etablieren.

    Pflicht müsste auch das deutliche Anbringen eines Erkennungsmerkmals, wie etwa der Dienstnummern, bei den Polizisten sein (so wie es gerüchteweise in Berlin geplant ist).

  • User
  • 09.11.2009 10:02:53 EuroNoise

    @ AbteilungAttacke:

    Die Jungs und Mädels hier machen ganz gute Arbeit:
    www.kopfstoss.fm/

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