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Frank Rohde über die Wende

»Die Leute ließen sich gehen«

Interview: Tim Jürgens, Protokoll: Dirk Gieselmann  Bild: Imago

Frank Rohde war Fußballer ins Ost und West, enger Freund, ehrenamtlicher Berater für junge Mitspieler. Wie der ehemalige BFC Dynamo-Akteur im Wust der Wende-Zeit einen kühlen Kopf bewahrt, erzählt er hier im Interview.

Frank Rohde über die Wende - »Die Leute ließen sich gehen«


Frank Rohde, vor fast genau 20 Jahren fiel in Berlin die Mauer. Sie spielten damals beim BFC Dynamo. Wo waren Sie bei diesem historischen Moment?

Wir hatten frei und ich hatte mit der Familie geplant nach Potsdam zu fahren. Ich kann mich erinnern, dass wir dort im Hotel saßen und die Bilder im Fernsehen sahen. Meine Frau wurde ganz hektisch, sie wollte unbedingt mal rüber machen, weil sie den Westen noch nie erlebt hatte. Ich war ja durch unsere Auswärtsfahrten im Europapokal schon häufiger drüben gewesen. An der Oberbaumbrücke in Friedrichshain war eine riesige Schlange an Autos, es war die Hölle los. Da wollte ich nicht ewig warten, so bin ich auf die Gegenspur und wurde für kurze Zeit zum Geisterfahrer. In West-Berlin haben die Leute dann unseren Kindern Bonbons und Schokoriegel ins Auto gereicht.

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Was haben Sie in West-Berlin gemacht?


Meine Frau ist gleich losgerannt mit meinem Sohn Ronny, der war damals sieben Jahre alt, und hat sich alles angeguckt. Ich habe meiner kleinen Tochter erstmal ein Eis gekauft. Dann hatte ich meine Kleine auf dem Arm und wir haben zusammen die Menschen beobachtet. Ich fand es erstaunlich, wie sich die Leute haben gehen lassen.

Wann haben Sie das letzte Mal Erich Mielke gesehen?


Als wir 1988 Meister wurden. Da kam er nach dem Spiel in die Kabine, hat mit uns Sekt getrunken und uns gratuliert. Später kam er dann auch auf unsere Meisterfeier. Jeder Spieler stieg durch den Erfolg eine Stufe in seinem Dienstgrad auf. Ich wurde von Mielke am Ende zum Oberleutnant befördert. Das war das höchste, was ich als Fußballer erreichen konnte. Das Einzige, was sich dadurch änderte, war, dass ich mehr Geld bekam. Mehr nicht. Ich hatte ja nicht mal eine Uniform. Einmal sind wir zum Schießstand gefahren und machten Schießübungen. Ich traf nicht mal die Scheibe und meine Mannschaftskameraden lachten sich schlapp. Wir waren eben Fußballer und nur auf dem Papier Polizisten.

Der BFC galt als der »Stasiklub«. Wurde der Hass auf die Mannschaft nach dem  Mauerfall noch intensiver?

Klar, wir waren der böse Stasiverein. Es gab ein Hallenturnier in Berlin zu Weihnachten, da wurden wir bespuckt und angepöbelt. Das war schon hart. Wir waren wie Freiwild. Man durfte sich natürlich nicht provozieren lassen. Auch bei Auswärtsspielen in Aue, Rostock oder Bischofswerda brandete immer Hass auf. Wir hatten die meisten Titel, wir hatten die besten Spieler. Wir waren einfach die Gejagten.

Setzten Sie sich mit der Politik des SED-Regimes auseinander?

Ich war Nationalspieler und hatte wöchentlich fast immer drei Spiele. Ich hatte gar keine Zeit mich damit auseinander zu setzen. Trainingslager, Lehrgänge, Länderspiele – ich war ja auch kaum zu Hause. Mein ganzer Rhythmus war zu 100 Prozent auf Fußball fixiert. Es ging auch gar nicht anders. Für andere Sachen hatte ich keinen Kopf.

Sie waren nicht als »IM« tätig?


Die Stasi hatte es oft versucht, nicht nur einmal. In irgendwelchen Hinterhöfen wollten die mich überreden. Ich lehnte aber ab. Natürlich war das nicht leicht. Anschließend durfte ich niemandem erzählen, dass diese Gespräche stattgefunden hatten.

Die Nationalspieler um Andreas Thom kamen erst Tage nach dem Mauerfall zurück vom EM-Qualifikationsspiel gegen Österreich. Wie erlebten Sie deren Rückkehr?


Andy erzählte, dass ihn sehr viele Spielerberater im Hotel-Foyer in Wien angesprochen hätten. Das muss für die Verantwortliche der DDR-Mannschaft eine sehr schwierige Situation gewesen sein, denn diese Berater quatschten ja alle an. Später stand dann Reiner Calmund bei Andreas auf der Matte mit einem Koffer voll Geld. Da rief er mich an...

...weil ihm etwas mulmig wurde?

Er war sehr unsicher und wusste nicht was er tun sollte. Und ich war damals Kapitän beim BFC. Ich sagte zu ihm, dass er das Geld nicht annehmen solle. ´Lass dich nicht über den Tisch ziehen und unterschreib keinen Vorvertrag’, habe ich ihm gesagt. Calmund ist dann wieder abgedampft...

...ließ aber nicht locker.

Ende November bin ich dann als seelischer Beistand mit Andreas zu den Vorverhandlungen nach Leverkusen. Wir fahren also zum Flughafen Tegel. Und wer sitzt im Flugzeug nach Köln? Calli. Der Dicke überließ wirklich nichts dem Zufall, der hatte Andy quasi in Manndeckung genommen. Der Bayer-Manager wusste: Billiger wird er einen solchen Topmann nie wieder kriegen.

Was passierte vor Ort in Leverkusen?


Calli hatte natürlich alles arrangiert. Zunächst sind wir in einen Sportshop gefahren und er hat Taschen voll gemacht für meine Kinder. Da nahm ich ihn zur Seite und sagte zu ihm: ´Ich mach hier nicht den Hampelmann. Ich lasse mich nicht bestechen. Die Entscheidung liegt nur beim Andy.’ Später besichtigten wir das Trainingsgelände und Andy setzte sich mit dem damaligen Bayer-Trainer Jürgen Gelsdorf zusammen. Calmund sagte Jahre später zu mir: ´Wenn ich gewusste hätte, wie du beim HSV einschlägst, dann hätte ich dich damals gleich mit verpflichtet.´

Wie kam Ihr Wechsel nach Hamburg zustande?


HSV-Abwehrchef Ditmar Jacobs hatte sich bei einem Derby gegen Bremen einen Karabinerhaken ins Kreuz gejagt, seine Karriere war beendet. Die Hanseaten suchten einen erfahrenen Spieler als Ersatz. Wir trafen uns in einem Westberliner Hotel und regelten dort die Formalitäten. Danach rief mich Thomas Doll an, der gerade in Verhandlungen mit Dortmund stand. Dort gefiel es ihm aber nicht. Ich erzählte ihm von meinem Wechsel zum HSV und er war als Norddeutscher sofort Feuer und Flamme. Uwe Seeler war ohnehin ein Fan von Thomas. Ich erzählte das meinen Kontaktmännern vom HSV und vier Tage später unterschrieb Dolli in Hamburg.

Hatten Sie bei den Verhandlungen einen Berater dabei?


Auf solche Krawattenträger hatte ich keinen Bock. Kurz nach der Wende kamen reihenweise windige Spielerberater aus Westberlin zum BFC und machten den Jungs Angebote. Für mich waren das alles Sonnenanbeter und Heißluftballons. Die hatten keinerlei Position, wollten aber die schnelle Mark machen. Ich hatte meine Vorstellungen, die teilte ich dem HSV mit, dann wurde verhandelt und später einigten wir uns auf einen Dreijahresvertrag. Ich bekam eine Wohnung, einen Mercedes. Was Besseres konnte mir als 30-jähriger Fußballer gar nicht passieren.

Wie fällt rückblickend Ihr Fazit über die Zeit in Hamburg aus?


Lehrreich und intensiv. Wir spielten eine gute Saison, kamen überraschend in den UEFA-Cup. Aber die Presse schoß trotzdem gegen mich. Für die war ich der Stasi-Offizier vom BFC. Die »Bild« hat mir sogar eine Woche lang eine Kolumne gewidmet. Daraufhin wurde mein Sohn in der Schule als »Stasi-Schwein« beschimpft. Ich bin dann in die Schule gefahren und habe zu dem Direktor gesagt, dass ich mit den Jungs ein Training machen will. Die »Bild« schickte einen Fotografen. Von da an hörten die Diffamierungen langsam auf.  



Ergänzung zu Heft#96 11/2009

Die große Freiheit Wende und Fußball


Kommentare

  • User
  • 03.11.2009 19:19:26 AbteilungAttacke

    Dieses Interview liest sich in Teilen ähnlich wie das Willmann-Interview. Und wieder kapier' ich nicht: Wenn all' diese windigen, schmierigen, krawattentragenden und geldgeilen Beratertypen so gierig, schmierig und windig waren - warum liessen sich Leute wie Thom und Rhode, die doch so "unsicher" wie ein scheues Reh waren, auf solche zwielichtigen Gestalten ein ? Für mich gibts da nur eine Antwort: Die Gier, die Dollarzeichen in den Augen.

    Mangelnde Reflektion und fehlende Selbstverantwortung sind weiß Gott keine Phänomene, die exklusiv der ostdeutschen Fussballlandschaft vorbehalten zu sein scheint. Immun dagegen sind sie aber auch nicht.

  • User
  • 03.11.2009 22:24:28 Schwatte

    Na wenn ich das Interview richtig lese, war Rhode nun gerade nicht so ein "scheues Reh" und der neuen Situation gewachsen - und hat sich eben nicht einwickeln lassen. Und Thom hat ihn sich als Beistand mit dazugeholt. Von daher denke ich lief es dort recht vernünftig ab.

    Und wenn Du Dich in deren Situation versetzt: Mauer offen, die Chance in einer besseren Liga zu spielen ist da, du hast von Tuten und Blasen keine Ahnung und es wird mit Scheinen gewedelt. Wer weiß, ob Du da auch so geistesgegenwärtig gewesen wärst, nicht sofort anzuspringen. Gutes Gegenbeispiel für jemanden, der nicht auf die windigen Leute hereingefallen ist: Rico Steinmann.

  • User
  • 03.11.2009 22:25:57 Schwatte

    Ich glaube auch nicht, daß dieses Interview eine Anklage dafür sein soll, wie "böse" der Westen war. Rhode gibt nur wieder, wie er die Zeit damals erlebt hat.

  • User
  • 04.11.2009 12:03:54 AbteilungAttacke

    Das Problem, dass ich mit dem Interview habe, ist die passive Opferdarstellung seitens Rhode einer- und die Überbetonung und negative Darstellung der Berater und Abwerber andererseits. Gerne räume ich ein, dass es einen Spielraum in der Deutung dieses Interviews gibt. Daher folgt eine Darstellung meiner Intepretatio..

    Rhode ist zuzugestehen, dass er sich nicht konkret eines Ost-West-Schemas bedient. Wertungen enthalten seine Aussagen aber natürlich. Er benennt konkret Rainer Calmund als Einzelbeispiel. Damit erzeugt er aber nolens volens wieder ein gewisses Bild. Rainer Calmunds Abwerbungsbemühungen sieht Rhode als Versuche, Spieler (wie Thom) "über den Tisch zu ziehen" (negativ), jemand der versucht, Leute zu "bestechen" (negativ). Selbst Sätze wie "in Manndeckung" nehmen, interpretiere ich negativ.

    Garniert wird das Ganze mit der Erwähnung, dass Berater bereits im Hotel der DDR-N11 herumwieselten, mit der Folge einer "schwierigen Situation" für die N11-Funktionäre. Negativ.

    Gegen Ende werden Berater schließlich als "windig" und "Krawattenträger" bezeichnet. Kurz, Vertreter werden als aktiv, negativ gekennzeichnet.

    Thom und Rhode werden als passive (man spricht sie an), aber redliche (unbestechlich, unsicher ob materieller Angebote) Menschen beschrieben.

    Diese Darstellung greife ich in ihrer Einseitigkeit an. Selbst du, Schwatte, erwähntest den Begriff "mit den Scheinen wedeln". Die eigene, materiell-motivierte Reaktion darauf (Stichwort Gier) bei Thom lässt Rhode völlig ausser Acht. Er beschreibt ein Szenario, wie Listig-Calli-Hagen den redlichen-Thom-Siegfried an die Quelle lockt. Und das scheint mir einfach nicht glaubwürdig.

    Dein Argument "Tuten und Blasen"ist jedenfalls nach der Rode-Darstellung fürs Interview irrelevant. Rhode beschreibt sich selbst das "über den Tisch ziehen"-Durchschauender und Thom zumindest als Zweifelnden. Naivität war es damit nicht, was Thom ins Flugzeug nach Leverkusen stiegen ließ. Die Frage ist - was war es dann ?

  • User
  • 04.11.2009 13:09:00 Schwatte

    Ok, das macht die Sache etwas deutlicher.

    Bei allem richtigen, was du über das "über den Tisch ziehen" geschrieben hast, möchte ich dich nochmals bitten, dich in die Situation Rhodes/Thoms zu versetzen: du kommst aus einem völlig anderen Gesellschaftssystem, plötzlich steht dir die Welt offen (im Fall der Fußballer: du kannst für Vereine spielen, von denen du vorher nicht mal zu träumen wagtest), kannst/mußt dich um alles selber kümmern, was dir der Verein vorher abgenommen hat (soll eine Erklärung, keine Entschuldigung sein) und stehst jemandem gegenüber, der mit allen Wassern gewaschen ist. Mein "mit den Scheinen wedeln" war auch nicht negativ gemeint; ich wollte damit nur zum Ausdruck bringen, daß den Ostspielern ganz andere finanzielle Dimensionen geboten wurden als in der DDR.

    Zum "über den Tisch ziehen": ich denke was Rhode hier anspricht, ist, daß den Managern sicher bewußt war, mit was für relativ kleinen Kniffen oder Aufmerksamkeiten sie sich die Spieler zugängig machen konnten. Daß Calmund sich hier so sehr ins Zeug geworfen hat, dürfte sicher auch damit zusammenhängen, daß Leverkusen damals nicht den großen Ruf von München, Hamburg, Bremen, Köln, Frankfurt oder Stuttgart hatte und er dementsprechend schneller sein mußte, um gute Spieler zu verpflichten. Und ich gebe auch gerne zu: Calmund wäre ja blöd gewesen, wenn er das nicht gemacht hätte. Insofern sehe ich auch die "Manndeckung" nicht so negativ – Calmund wollte das Geschäft höchstpersönlich über die Bühne bringen und nichts dem Zufall überlassen. Ich denke Rhode wählt den Begriff, weil er ja aus dem Fußball kommt – warum sollte er eine solche leicht verständliche Metapher nicht nutzen?

    Garniert wird das Ganze mit der Erwähnung, dass Berater bereits im Hotel der DDR-N11 herumwieselten, mit der Folge einer "schwierigen Situation" für die N11-Funktionäre. Negativ.

    Da kann ich ihn gut verstehen: weder er noch die Funktionäre wissen, wie es weitergeht – sportlich wie gesellschaftlich. Daß einem dann die vielen Berater irgendwann auf den Sack gehen, läßt sich mit "herumwieseln" gut wiedergeben.

    Gegen Ende werden Berater schließlich als "windig" und "Krawattenträger" bezeichnet. Kurz, Vertreter werden als aktiv, negativ gekennzeichnet.

    Ok, da gebe ich dir recht, das ist nicht in Ordnung.

    Thom und Rhode werden als passive (man spricht sie an), aber redliche (unbestechlich, unsicher ob materieller Angebote) Menschen beschrieben.

    …und?!

    Dein Argument "Tuten und Blasen"ist jedenfalls nach der Rode-Darstellung fürs Interview irrelevant. Rhode beschreibt sich selbst das "über den Tisch ziehen"-Durchschauender und Thom zumindest als Zweifelnden. Naivität war es damit nicht, was Thom ins Flugzeug nach Leverkusen stiegen ließ. Die Frage ist - was war es dann?

    Tja, Profi-Fußballer verdienen nun mal ihr Geld mit Fußball, insofern wird es eine Mischung aus sportlicher und wirtschaftlicher Perspektive gewesen sein. Die große Schwierigkeit wird einfach gewesen sein, die seriösen Spielervermittler/Manager von den windigen zu unterscheiden – und darin werden sich sowohl Rhode als auch Thom bei Calmund nicht von Beginn an sicher gewesen sein. Woher sollten sie dieses Prozedere auch kennen? In der DDR wurden Spieler nicht transferiert, sondern "delegiert".

    Nochmal: du darfst nicht unterschätzen, wie dich alles verunsichern/reizen/umhauen kann, wenn dir nach Jahren der Abschottung plötzlich der "goldene Westen" zwar offensteht, du aber eben nur die goldene Seite kennst.

  • User
  • 04.11.2009 15:00:55 AbteilungAttacke

    Vor diesem "Hineinversetzen" in die damalige Zeit scheue ich immer ein wenig, da alle Vorstellungskraft nur ein schwaches Abbild herbeizaubern kann. Auch sehe ich den Generalisierungsgedanken, der dahinter steht, eher kritisch.

    Aber natürlich sind die Zeitumstände ein zu berücksichtigender Faktor und natürlich ist Rainer Calmund ein mit allen Wassern gewaschener Geschäftsmann (obgleich Rhode und z.T. jedenfalls nach der schilderung ja durchaus gesunden Zweifel an den Tag legten).

    Doch oft werden Umstände eben nicht als Erklärung sondern als Entschuldigung genommen - ein Unterschied, auf den du ja schon hingewiesen hast.

    Dass mit der "Redlichkeit" hätte ich wohl in Anfangszeichen setzen müssen. Es ist halt die Frage, ob diese in der von Rhode so geschilderten Fassung existierte. M.E.gibt es zumindest versteckte Hinweise, dass man dies in Zweifel ziehen kann.

    Was einfach fehlt, gerade im Bezug zur wirtschaftlichen Perspektive, ist, dass man auch selbst Fehler gemacht hat, dass man sich eingestehen muss, übervorteilt worden zu sein. Diese - kritische - Selbstreflektion sehe ich bei Rhodes Darstellung einfach nicht.

    Schlussendlich bleiben zwar Vorbehalte, ich gebe aber zu, dass Interview sehr unter dem Eindruck des Willmann-Artikels gelesen zu haben. Vielleicht lese ich daher in Rhodes Aussagen Spitzen, die er so nicht gemeint hat oder die gar nicht existieren. Möglicherweise wollte Rhode im Kern wirklich einfach nur erzählen "wie es damals so gewesen ist".

  • User
  • 04.11.2009 15:10:27 Schwatte

    Willmann ist da um einiges undiplomatischer und polemischer, keine Frage.

    Was einfach fehlt, gerade im Bezug zur wirtschaftlichen Perspektive, ist, dass man auch selbst Fehler gemacht hat, dass man sich eingestehen muss, übervorteilt worden zu sein. Diese - kritische - Selbstreflektion sehe ich bei Rhodes Darstellung einfach nicht.

    Also er scheint mir dabei recht gut weggekommen zu sein, hat sich zumindest darüber nicht beschwert. Warum soll er sich dann darüber ärgern, übervorteilt worden zu sein?

    Dass mit der "Redlichkeit" hätte ich wohl in Anfangszeichen setzen müssen. Es ist halt die Frage, ob diese in der von Rhode so geschilderten Fassung existierte. M.E.gibt es zumindest versteckte Hinweise, dass man dies in Zweifel ziehen kann.

    Also die würden mich jetzt wirklich mal interessieren. Nix für ungut, aber nicht daß du da etwas liest, was vielleicht nicht drin steht...?

  • User
  • 04.11.2009 16:19:54 AbteilungAttacke

    Also, es ist sicher nicht meine Sache, die Redlichkeit von jemanden zu bewerten. Und das mit dem Hineinlesen, das attestiere ich mir ja selber.

    Aber man stolpert einfach über gewisse Dinge. Wenn Rhode sich selbst als "seelischen Beistand", der zu einer Vertragsvorverhandlung mitfährt, verniedlicht er doch den Tatbestand, dass er quasi als Thoms Berater bei einer wirtschaftlichen Verhandlung teilgenommen hat. Er spielt seine Rolle damit herunter. Aber anscheinend war dann doch so wichtig, dass Callmund ihm auch "die Taschen vollmachen" wollte. Rhode ist natürlich unbestechlich, nimmt sich Calli "zur Seite". Ein strahlender Held. Klar spielt hier auch meine persönliche Erfahrung mit dem Menschenbild eine Rolle.

    Auch finde ich die Dinge interessant, die Rhode nicht sagt, bzw. durch einen Spiegeleffekt erzeugt.
    Callmund wird mit Geld aggressiv in Bezug gebracht, er "headhunted" Thom geradezu. Dieser jedoch wird unsicher, passiv dargestellt. Warum unsicher ? In Bezug worauf unsicher ? Dass er zu wenig bekommt ? Dass der neue Vereine nicht so schön ist ? Dass es in Leverkusen nur Pillendreher gibt ?

    Zu allem Überfluß wird damit der Eindruck erzeugt (jedenfalls bei mir), dass Thom wie die Jungfrau zum Kinde nach Leverkusen kam, Callmund eine Mischung aus Räuber Hotzenplotz und Reineke Fuchs ist und Rhode als Kassandra daherkommt. Ein paar zuviele Märchenfiguren nach meinem Geschmack. Aber wei gesagt, ist halt nur meine Lese :)

  • User
  • 04.11.2009 16:44:53 Schwatte

    Zunächst mal freue ich mich, daß wir über so ein Thema diskutieren können, ohne uns zu beleidigen oder die Kopfe einzuschlagen. Sehr gut!

    Wenn Rhode sich selbst als "seelischen Beistand", der zu einer Vertragsvorverhandlung mitfährt, verniedlicht er doch den Tatbestand, dass er quasi als Thoms Berater bei einer wirtschaftlichen Verhandlung teilgenommen hat. Er spielt seine Rolle damit herunter. Aber anscheinend war dann doch so wichtig, dass Callmund ihm auch "die Taschen vollmachen" wollte. Rhode ist natürlich unbestechlich, nimmt sich Calli "zur Seite". Ein strahlender Held.

    Soweit ich das sehe, hat sah Thom Rhode damals als Vertrauensperson an. Wenn man also nun etwas völlig Neues macht, warum soll man da keine Vertrauensperson mit hinzuziehen? Rhode hatte ja ein paar Jahre mehr auf dem Buckel, damit sicher auch mehr Lebenserfahrung, die ihn vielleicht eher erkennen ließ, wo Thom aufpassen muß. Daß er schließlich selber mit Calmund über Thoms Gehalt oder Prämien verhandelt hätte, lese ich nicht heraus.

    Callmund wird mit Geld aggressiv in Bezug gebracht, er "headhunted" Thom geradezu. Dieser jedoch wird unsicher, passiv dargestellt. Warum unsicher ? In Bezug worauf unsicher ? Dass er zu wenig bekommt? Dass der neue Vereine nicht so schön ist? Dass es in Leverkusen nur Pillendreher gibt?

    Calmund macht seinen Job, mehr nicht. Und der Grund, warum er so rangeht, hatte ich ja weiter oben schonmal genannt: Leverkusen war/ist eben "nur" Leverkusen. Daß Thom zurückhaltend ist… naja, das versuche ich dir ja schon die ganze Zeit klarzumachen: es ist plötzlich ALLES anders alles bisher – außer daß der Ball nach wie vor rund ist ;-)

    Zu allem Überfluß wird damit der Eindruck erzeugt (jedenfalls bei mir), dass Thom wie die Jungfrau zum Kinde nach Leverkusen kam, Callmund eine Mischung aus Räuber Hotzenplotz und Reineke Fuchs ist und Rhode als Kassandra daherkommt. Ein paar zuviele Märchenfiguren nach meinem Geschmack. Aber wei gesagt, ist halt nur meine Lese :)

    Stimmt, deine Lese ;-) Calmund kam weder mit ner Pfefferpistole und sieben Messern daher, noch mit einem Sack für die Gans Thom ^^. Und Kassandra Rhode hat Thom ja nicht seinen Untergang im Westen vorhergesagt, sondern ist später selber in die Bundesliga zum HSV gewechselt.

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