Wynton Rufer über Fußballer aus der ehemaligen DDR
»Sie waren wie Metzger«
Text: Wynton Rufer, Protokoll: Christian Piarowski Bild: Imago
Als sich Deutschland vor 21 Jahren wiedervereinigte war unser Kolumnist Wynton Rufer gerade erst seit wenigen Monaten in Deutschland. Hier berichtet Ex-Bremer »Kiwi«, wie er damals die Wendezeit und die Ostdeutschen erlebte.
Der Mauerfall war für mich eine unglaubliche Erfahrung. Ich kam im Sommer 1989 nach Bremen und war erst seit wenigen Monaten in Deutschland. Wir hatten dann im November ein Freundschaftsspiel in Ostdeutschland, leider weiß ich nicht mehr genau gegen wen. Auf dem Weg dorthin trafen wir an der Grenze auf eine riesige Menschenmenge, alle haben gejubelt und uns zugewunken.
Da wir mit unserem Mannschaftsbus unterwegs waren, dachte ich das wären alles Werder-Fans. Ich wunderte mich, dass der Verein überall so viele Fans hatte. Als wir dann am Spielort ankamen, waren auch dort überall Menschen unterwegs, obwohl es so kalt war. Soviele Menschen auf der Straße hatte ich noch nie gesehen. Niemand wusste was los war. Willy Lemke meinte lakonisch, dass Ost und West wohl nun zusammen kommen. Erst da erfuhren wir vom Mauerfall. Im Stadion herrschte eine unglaubliche Euphorie. Die Menschen war so glücklich. Das vergesse ich nie mehr, das war einmalig.
Meiner Meinung nach kamen damals die besten Fußballer Deutschlands aus dem Osten. Ulf Kirsten, Matthias Sammer, Andreas Thom, das waren alles klasse Leute mit einer sehr guten Technik. Anfangs war ich überrascht. Als später Kai Wenschlag zu Werder kam, erzählte er mir dann von den Sportschulen im Osten. Dort spielten die Jugendlichen neben dem Unterricht in der Schule jeden Tag Fußball. Ich wurde immer gefragt, warum ich technisch so stark sei, dabei war die Antwort einfach: Ich habe jeden Tag mit dem Ball trainiert. Und so war das im Osten auch. Jeden Tag Schule und Fußballtraining. Heute ist das normal, überall gibt es Fußballschulen, auch ich leite ja eine Soccer-Academy. Aber damals war das was ganz besonderes.
Genauso wie die Spiele im Osten. Man merkte immer sofort, wann man nach Ostdeutschland kam. Dort sah alles nicht so nett und schön aus wie in Westdeutschland, sondern war ein wenig veraltet. Das war wie eine kleine Reise zurück in der Zeit. Vor allem an die Fahrten nach Dresden kann ich mich erinnern. Da ging immer die Post ab. Die Stimmung im Stadion war stets aufgeheizt und auch die Spieler waren richtig giftig. Schößler und Maucksch, die fackelten nicht lange. Die waren wie Metzger. Bei diesen Spielen stachelte man sich mehr als sonst mit Sprüchen an.
Auch wenn es stets schwer war in Dresden, hatten wir doch die klar bessere Mannschaft. Im Osten war das Problem, dass die besten Spieler alle woanders spielten. Ich bin sicher, Dresden mit den ehemaligen Spielern hätte um die Meisterschaft mitspielen können. Für mich waren die Spieler aus Ostdeutschland ganz klar die besseren Fußballer.
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