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03.10.2011

Wynton Rufer über Fußballer aus der ehemaligen DDR

»Sie waren wie Metzger«

Text: Wynton Rufer, Protokoll: Christian Piarowski  Bild: Imago

Als sich Deutschland vor 21 Jahren wiedervereinigte war unser Kolumnist Wynton Rufer gerade erst seit wenigen Monaten in Deutschland. Hier berichtet Ex-Bremer »Kiwi«, wie er damals die Wendezeit und die Ostdeutschen erlebte.

Wynton Rufer über Fußballer aus der ehemaligen DDR - »Sie waren wie Metzger«


Der Mauerfall war für mich eine unglaubliche Erfahrung. Ich kam im Sommer 1989 nach Bremen und war erst seit wenigen Monaten in Deutschland. Wir hatten dann im November ein Freundschaftsspiel in Ostdeutschland, leider weiß ich nicht mehr genau gegen wen. Auf dem Weg dorthin trafen wir an der Grenze auf eine riesige Menschenmenge, alle haben gejubelt und uns zugewunken.



Da wir mit unserem Mannschaftsbus unterwegs waren, dachte ich das wären alles Werder-Fans. Ich wunderte mich, dass der Verein überall so viele Fans hatte. Als wir dann am Spielort ankamen, waren auch dort überall Menschen unterwegs, obwohl es so kalt war. Soviele Menschen auf der Straße hatte ich noch nie gesehen. Niemand wusste was los war. Willy Lemke meinte lakonisch, dass Ost und West wohl nun zusammen kommen. Erst da erfuhren wir vom Mauerfall. Im Stadion herrschte eine unglaubliche Euphorie. Die Menschen war so glücklich. Das vergesse ich nie mehr, das war einmalig.

Meiner Meinung nach kamen damals die besten Fußballer Deutschlands aus dem Osten. Ulf Kirsten, Matthias Sammer, Andreas Thom, das waren alles klasse Leute mit einer sehr guten Technik. Anfangs war ich überrascht. Als später Kai Wenschlag zu Werder kam, erzählte er mir dann von den Sportschulen im Osten. Dort spielten die Jugendlichen neben dem Unterricht in der Schule jeden Tag Fußball. Ich wurde immer gefragt, warum ich technisch so stark sei, dabei war die Antwort einfach: Ich habe jeden Tag mit dem Ball trainiert. Und so war das im Osten auch. Jeden Tag Schule und Fußballtraining. Heute ist das normal, überall gibt es Fußballschulen, auch ich leite ja eine Soccer-Academy. Aber damals war das was ganz besonderes.

Genauso wie die Spiele im Osten. Man merkte immer sofort, wann man nach Ostdeutschland kam. Dort sah alles nicht so nett und schön aus wie in Westdeutschland, sondern war ein wenig veraltet. Das war wie eine kleine Reise zurück in der Zeit. Vor allem an die Fahrten nach Dresden kann ich mich erinnern. Da ging immer die Post ab. Die Stimmung im Stadion war stets aufgeheizt und auch die Spieler waren richtig giftig. Schößler und Maucksch, die fackelten nicht lange. Die waren wie Metzger. Bei diesen Spielen stachelte man sich mehr als sonst mit Sprüchen an.

Auch wenn es stets schwer war in Dresden, hatten wir doch die klar bessere Mannschaft. Im Osten war das Problem, dass die besten Spieler alle woanders spielten. Ich bin sicher, Dresden mit den ehemaligen Spielern hätte um die Meisterschaft mitspielen können. Für mich waren die Spieler aus Ostdeutschland ganz klar die besseren Fußballer.



Wynton Rufer@11Freunde


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  • Jubel, Trubel, Einigkeit? Walter Ulbricht (über er von Sportler) beim Spiel Empor Rostock gegen Dynamo Berlin.
  • Der Volksheld heiratet: 1968 gibt Jürgen Sparwasser seiner Christa in Halberstadt das Ja-Wort. 1974 schießt Sparwasser das einzige Tor beim historischen Sieg der DDR gegen die BRD bei der Weltmeisterschaft.
  • Wind Nordost, Startbahn Nulldrei: Mannschaftsfoto von Vorwärts Berlin anno 1968.
  • Galt als einer der besten Torhüter Europas: Jürgen Croy von Sachsenring Zwickau.
  • Wird gleich beim privaten Fotoshooting auf den Kopf geschissen und ahnt es schon: Lothar Kurbjuweit aus Jena steht 1972 vor der Kamera.
  • Von wegen in der DDR war alles grau: Buntes Tribünenvolk schwenkt, was es zu schwenken gibt.


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Kommentare

  • User
  • 31.10.2009 10:45:45 trivelig

    11 Freunde im Web und 11 Freunde im Magazin. Leider eklatante Unterschiede.

    Anscheinend gewöhnt man sich an, eine Artikel-Hadline mit einem Zitat zu versehen, das einen völligen anderen VOR-Eindruck des Artikelinhalts ergibt.

    Wynton Rufer über den Ostfußball

    "Sie waren wie Metzger"

    Der Leser hat nun die Erwartungshaltung, dass Wynton den damaligen Ostfußball im ALLGEMEINEN und ALLE deren Spieler als eher negative, ungehobelte, untalentierte, rohe, plumpe und mopsige "Metzger" beschreibt.

    Doch wieder mal liest man den Artikel und ahnte schon das die Headline völlig irreführend war. Wynton benutzt dieses Zitat im Zusammenhang mit BESTIMMTEN robusten Gegenspielern von Dynamo Dresden. Im Großteil des Artikels lobt er die damalige Qualität der Spieler und äusserst sich meistens eher angetan, humorvoll(jedoch nicht zu abschätzig) und positiv über den Ostfußball.

    WIEDER mal eine provokante, aber irreführende Headline......

  • User
  • 31.10.2009 17:19:04 misterkite

    ich kann mich nur anschliessen, ich habe das auch schon sehr bemängelt. substance over style!

  • User
  • 02.11.2009 17:28:19 Soriba

    Da ging immer die Post ab

  • User
  • 02.11.2009 17:57:36 lebowski

    Is mir auch ein bisschen zu viel BILD-Stil für die 11 Luschen. Keine Frage, es funktioniert, man liest es ja. Aber irgendwie passt das hier nich. Sollte es nicht passen...

  • User
  • 03.11.2009 19:26:04 Süüdkurvä

    ich persönlich hätte jedenfalls "Jeden Tag Fussball" viel netter gefunden... aber "das Blut muss spritzen!", wie das Filmzitat besagt.

  • User
  • 17.11.2009 23:11:30 Catilina

    Meiner Meinung nach kamen damals die besten Fußballer Deutschlands aus dem Osten.

    Sehr richtig, Mr. Rufer ! Irgendwann gegen Ende seiner Amtszeit mußte selbst Berti Vogts eingestehen, daß die aus der früheren DDR stammenden Spieler technisch und taktisch besser ausgebildet waren - ein Offenbarungseid für die Bundesliga, die doch immerhin bis in die frühen 80er Jahre hinein als stärkste Liga Europas gegolten hatte.

    Hätte man den DDR-Fußball, anstatt ihn auszuplündern und abzuwickeln, erhalten und behutsam marktwirtschaftlich modernisiert; das technische Niveau im deutschen Fußball wäre enorm verbessert worden, und technisch beschlagene Fußballer wären nicht immer wieder im Mittelmaß versumpft.

    Seit Ende der 70er ist bei der Förderung und Ausbildung des deutschen Fußballnachwuchses eine Menge schiefgelaufen.
    In Holland hätten sie aus einem wie Wigerl Kögl einen Nationalspieler gemacht; aus Spielern wie Maximilian Heidenreich, Olaf Thon, Hansi Dorfner und Sebastian Deisler hätten unter günstigeren Bedingungen Fußballer von internationaler Klasse werden können.

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