Wenn Fans das Ergebnis egal ist
Was soll der Zirkus?
Text: Jens Kirschneck Bild: Imago
Das Pokalspiel der Frankfurter Eintracht gegen Bayern München war ein Beispiel dafür, dass »Atmosphäre« auch zum Zirkus werden kann. Hier regt sich Jens Kirschneck über Fans auf, denen der Spielstand egal ist.
Am Mittwoch gab es in Frankfurt am Main wieder ein im deutschen Fußball immer häufiger zu beobachtendes Phänomen: Den Zuschauern war der Spielstand egal. Während auf dem Rasen die Eintracht gegen die Bayern von einer Kalamität in die nächste geriet, sang das Publikum, als hätte es nicht begriffen, dass diesmal nicht die Frankfurter die Roten waren. Deshalb sei hier mit voller Absicht ein fieser Altherrensatz platziert: Früher hätte es so etwas nicht gegeben.
In den bleiernen Oberligajahren meines Lieblingsvereins Arminia Bielefeld zwischen 1988 und 1994 kommentierten die Fans die Darbietungen des grausam limitierten Teams derart rabiat, dass »14 Tage Wasser und trocken’ Brot für alle!« noch zu den harmloseren Einwürfen gehörte. Ich erinnere mich, dass mein Freund KL – eigentlich ein Mann von ausgeglichenem Charakter – sich oft seinen Weg zum Zaun bahnte, am Gitter rüttelte und den ohnehin schon völlig verunsicherten Außenverteidiger anbrüllte: »Du musst doch zu Hause den Müll runterbringen!« Was immer er damit sagen wollte.
Heuer in Frankfurt hingegen: nichts als „Eintracht olé“. In solch einem Fall kann die Mannschaft ja nur noch denken: Jetzt ist es auch egal. Nun soll hier gar nicht zügelloser Wut oder der sogenannten Busblockade das Wort geredet werden, die ist doof, weil alle zu spät nach Hause kommen und das Essen kalt wird. Aber ein gewisses Verhältnis von Aktion und Reaktion wäre schon schön, man nennt das Atmosphäre. Alles andere ist Zirkus.






