Wie das Fernsehen den Spielplan diktiert
Eine Buddel voll Ruhm
Text: Maike Schulz Bild: Imago
Der auf Druck der Fernsehanstalten zersplitterte Bundesliga-Spieltag hat für einige Kontroversen gesorgt. Längst hat dieses Phänomen auch den Frauenfußball erreicht. Scheinbar nach Lust und Laune werden Partien verlegt und getauscht.
Für alle, die es noch nicht wussten: Dieses Wochenende findet eines der Topspiele der Frauen-Bundesliga statt. Der Tabellenerste trifft auf den Ligadritten, Deutscher Meister gegen Pokalsieger, Turbine Potsdam gegen den FCR Duisburg. Besonders ist an dieser Paarung aber etwas ganz anderes: Weil es das Fernsehen so wollte, wurde die Anstoßzeit kurzfristig geändert.
Bleibt die Frage nach dem »Warum«? Die Vorgeschichte: Die Redaktion der Sendung »WDR Sport aktuell« hatte sich vor Saisonbeginn an den DFB und den FCR Duisburg gewandt. Da die Regionalliga der Herren nicht genug Stoff für ihre Sendung bot, besann sich der Sender auf Frauenfußball und beschloss, Zusammenschnitte einiger Spiele der kickenden Frauen zu senden. Natürlich war der DFB hellauf begeistert, die Sponsoren jubelten.
Fans und Vereine bleiben größtenteils skeptisch. Denn »WDR Sport aktuell« läuft samstags um 17.20 Uhr. Die Spiele der Frauen-Bundesliga finden hingegen am Sonntag um 11 Uhr beziehungsweise um 14 Uhr statt. Die Lösung des Problems war, ausgewählte Heimspiele des FCR Duisburgs auf Samstag, 14 Uhr vorzuziehen.
Es ist traurig, dass die Entscheidung, dem sehr erfolgreich spielenden FCR nur mehr Aufmerksamkeit zu schenken, nur weil viertklassige Partien im Herrenbereich plötzlich als für zu uninteressant befunden wurden. In zwei Jahren ist die WM in Deutschland. Der Verband träumt von einer Wiederholung des Sommermärchens 2006, aber sollte es da nicht langsam selbstverständlich sein, in einer Regionalsport-Sendung einige wenige Minuten Sendezeit für die deutsche Eliteklasse der Frauen »zu opfern«?
Werbung und überregionales Interesse sind unbezahlbar
Sei es drum. Der Spielplan wird an den Sendetermin des WDR angepasst. So wurde das Derby zwischen dem FCR Duisburg und SG Essen-Schönebeck am dritten Spieltag bereits an einem Samstag ausgetragen. Am Zuschauerschnitt änderte das: Nichts. Trotzdem bleibt Pressesprecher Rainer Zimmermann skeptisch: »Der Samstag war ein Feiertag, wir werden erst nach den nächsten Samstagspartien sehen können, ob sich die Terminverlegungen positiv oder negativ auf die Zuschauerzahlen auswirken.« Schließlich hat sich die Fangemeinde an den Sonntag gewöhnt, einige gehen samstags zum MSV, für wiederum andere ist die Arbeitswoche noch nicht beendet. »Auf der anderen Seite ist es natürlich immer gut für den Verein, überregional Publikum zu bekommen. Gerade die Sponsoren freuen sich.«
Die Zuschauer stehen der Spielplanänderung zwiespältig gegenüber. Gerade Dauerkartenbesitzer, die sich auf Sonntagsspiele eingestellt haben kritisieren diese äußerst kurzfristig Entscheidung. Andere verstehen nicht, wie für Beiträge von wenigen Minuten ganze Spielpläne umgeschrieben werden können. Was nicht heißen soll, dass auch Pro-Stimmen in der Szene vorhanden sind. Manch ein Fan ist froh nicht am Sonntagmorgen um elf ins Stadion tingeln zu müssen. Gerade Auswärtsfans kommt die neue Ansetzung gelegen. Am meisten freuen sich aber die Leute, die zwar gerne hochkarätigen Frauenfußball schauen, aber keine Bundesligamannschaft in der Umgebung haben. Sie können die Liga nun neben den Beiträgen des DFB-TVs auch beim WDR verfolgen, zumindest in Ansätzen.
Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing
Frauenfußball-Vereine profitieren von den TV-Geldern, die der DFB an sie zahlt. Durch diese Gelder können dringend benötigt Festangestellte finanziert werden, auch bei Klubs ohne potente Großsponsoren. Es ist also nicht verwunderlich, dass der Verband und die Medienanstalten im Gegenzug etwas Flexibilität von den Vereinen erwarten. Duisburg hat sich erst einmal gerne darauf eingelassen, so Zimmermann, weil Frauenfußball das Fernsehen braucht. »Fernsehen ist Werbung«, nicht nur für die Nationalmannschaft. »Wir werden jetzt sehen, was es uns wirklich bringt.« Am Ende wird es eine Kosten-Nutzen-Rechnung der Funktionäre, sowohl beim WDR als auch beim FCR Duisburg und dem DFB.
Vielleicht macht das Modell aber auch Schule. Viel wird dabei vom Verlauf der Saison abhängen.
Ergänzung zu 11 FREUNDINNEN #1







