Die ewige Trainerdiskussion
Köpfe für den Volkszorn
Text: Alexander Endl / www.clubfans-united.de Bild: Imago
Es ist einer der ganz großen Kurvenklassiker in der Liga: den Kopf des Trainers fordern. Auch im Frankenland steht der Übungsleiter in der Kritik. Unser Nürnberg-Experte Alexander Endl von www.clubfans-united.de hat was dagegen.
Es werden schon wieder die ersten Banner ausgerollt, die die Köpfe für den Volkszorn fordern, ist ja auch populär in diesen Tagen, den Kopf des Trainerstabs zu feuern, wenn man Gegenwind verspürt. Und weil das dem Aktionismus-Clubberer aus vorderster Reihe nicht genug ist, soll der Manager gleich mit – Haupstache später sagen können: »Ich hobb glei gsochd, der muss wech!«
Jörn Andersen, Dieter Hecking und Lucien Favre gingen schon über die Klippe der Bundesliga, kein schlechter Schnitt für gerade mal sieben Spieltage, ginge es nach dem üblichen Mob, müssten folgende Protagonisten (je nach verfügbarerem Kredit an Sympathiewerten oder Lorbeeren) bald sich wieder dem Golfen zuwenden:
Soldo, 1. FC Köln, 17. Platz – trotz Millionentransfers von Podolski und Maniche
Klopp, Borussia Dortmund, 15. Platz – nach hoffnungsvollen Start zweimal von echten Spitzenteams vorgeführt und selbst gegen Gegner wie Frankfurt und Hannover nur mit Remis
Frontzeck, Borussia Mönchengladbach, 12. Platz – Gut gestartet und jetzt im freien Fall, da kommen die, die eben schon immer die Personalie Frontzeck nicht verstanden, wieder aus den Löchern
Babbel, VfB Stuttgart, 11. Platz – Da fernab von den eigenen Erwartungen und man ihm vorwirft, wegen des Trainerscheins zu selten bei der Mannschaft zu sein
Van Gal, Bayern München, 7. Platz – Weil die Bayern einen 7. Platz nach 7 Spieltagen bei 6 Punkten Rückstand und mit einer Niederlage gegen Hamburg im Gepäck nur unter schwerem Einsatz von Beruhigungs-Tabletten an das gesamte Management und Umfeld ertragen kann, und so etwas ja nicht lange gesund ist…
Herr Oenning in bester Gesellschaft
Dazu könnten ganz realistisch in Kürze sich gesellen, die Kollegen aus Freiburg, Mainz und Frankfurt, wenn die ersten (zu erwartenden) schweren Rückschläge kommen oder sich der Trend weiter bestätigt (Frankfurt).
In dem Sinne, Herr Oenning, sind Sie ja in bester Gesellschaft! Warum diese (zumindest so empfunden) zunehmende Trainer-Hysterie grassiert, ist sicher eine Spiegel unserer Gesellschaft. Es werden Hoffnungen geschürt (oder doch Aufrechterhalten), die einem die Jubler unter den Anhängern willfährig zutreibt, die Stimmung bei den Sponsoring-Verhandlungen verbessert und neue Spieler zum Wechsen begeistern lässt – und das trotz faktisch schlechter Aussichten. Illusionen lassen an das Gute im Verein glauben, wie an das Fehlurteil der Fachwelt, die all die unentdeckten Perlen aus dem zweiten Glied (wie einst mal Rainer Wirsching) und der Jugend gar nicht kennen, oder daran, dass der Chancentod und Ersatzbank-Globetrotter aus dem Transfermarkt-Schnäppchen-Korb gerade bei deinem Verein nun endlich verstanden wird und hier nun aufblüht.
Für alle Theorien finden sich im Übrigen Vertreter in der Liga. Jüngst im Frankenstadion angetreten der VfL Bochum zu nennen, der mit Azaouagh, Freier, Hashemian oder Klimowicz all die im Kader hat, die sich so mancher Clubfan genau so vorstellt, wenn er nach erfahrenen Bundesliga-Spielern lautstark ruft. Dumm nur: Gerade zwei Punkte mehr auf dem Konto hat man in Bochum, einen Trainer schon verschlissen und der Sieg in Nürnberg war, bei allem Respekt, eher eine Niederlage des Clubs als ein Sieg für Bochum. Doch das nur am Rande.
Die Enttäuschung als Ende einer Täuschung
Dabei isses so einfach: Wir können gar keine Krise haben, weil die Krise bereits zum Konzept gehörte! Wenn man der Führung des 1. FC Nürnberg nämlich eben eines nicht vorwerfen kann, dann übertriebene Erwartungen geschürt zu haben. Das berühmte Wortspiel, dass eine Enttäuschung doch nur »das Ende einer Täuschung« sei, kann nur auf Hirngespinsten der Fans selbst fußen. Denn man hatte immer nur eine Marschroute ausgegeben: Den Abstiegskampf wie auch immer zu bestehen. Aber das wurde nicht erhört vor lauter blühender Phantasie, die den Club schon wieder fast im einstelligen Bereich gesehen hatten.
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