Die Geschichte der Fußballfans

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25.12.2009

Der homosexuelle Mainz 05-Fanclub

»Fußball ist alles, auch schwul«

Interview: Marwin Plän  Bild: Imago

Markus Delnef ist Präsident des homosexuellen Mainz 05-Fanclubs »Meenzelmänner«. Wir sprachen mit ihm über Homophobie in den Kurven, sein Engagement dagegen und erste Schritte auf einem langen Weg.

Der homosexuelle Mainz 05-Fanclub  - »Fußball ist alles, auch schwul«


Markus, grenzen sich homosexuelle Fußballfans mit der Gründung schwul-lesbischer Fanclubs nicht von anderen Fans ab?

Generell gibt es durchaus viele schwule Fans, die in anderen Fanclubs aktiv sind. Die haben aber oft nicht die Möglichkeit, auf Homophobie in Stadien so zu reagieren, wie das z.B. uns Meenzelmännern möglich ist. Homophobe Sprüche wie »schwule Sau« werden in vielen Stadien einfach hingenommen. Da ist es dann wichtig, dass in Fankreisen bekannte Fanclubs wie wir öffentlich auftreten und zum Nachdenken anregen. Solche Sprüche hört man dadurch viel seltener.


 
Kann man das wirklich so feststellen?

Auf jeden Fall. In den 13 deutschen Profivereinen mit anerkannten schwul-lesbischen Fanclubs spielt Homophobie tatsächlich nur eine untergeordnete Rolle. Das heißt nicht, dass entsprechende Aussagen gar nicht vorkommen, aber sie sind deutlich seltener und wenn sie auftreten, dann wird auch eingegriffen. Im Osten zum Beispiel hat sich dagegen bis heute außer bei Hertha BSC bei keinem Profiverein ein solcher Fanclub gegründet. Entsprechend gibt es dort in der Tendenz sehr viel häufiger Beschwerden an den DFB und die DFL wegen homophober Gesänge. Es fehlt dann einfach eine Gruppe, die aktiv eingreift und die Leute zum Nachdenken bringt.

Sind denn die schwul-lesbischen Fanclubs dort, wo es sie gibt, eng genug in die Fanszene eingebunden, um effektiv zu agieren?

Da stellt Mainz schon eine Besonderheit dar. Nirgendwo sonst ist die Zusammenarbeit zwischen Homosexuellen, Fanbeauftragten, Supporters und Ultras so eng wie hier. Zum Beispiel haben die Mainzer Ultras unser Fanclub-Banner gebastelt oder einen großen Artikel über uns und Homophobie in Stadien in ihrem Magazin veröffentlicht. Und auch sonst haben wir regelmäßig Kontakt. Das ist bei den meisten anderen Vereinen nicht so der Fall. Zumindest noch nicht.  

Hat das bei Euch von Anfang an so reibungslos geklappt?

Dank einer Freundin – eines von fünf heterosexuellen Mitgliedern der Meenzelmänner – hatten wir schon vor unserer Gründung guten Kontakt zum Fanbeauftragten Christian Viering und zu Christian Gomolzig von den Supporters. Noch am Abend unserer offiziellen Gründung im Juni 2007 sind wir Mitglied bei den Supporters geworden. Den eigentlichen Durchbruch in der Fanszene hatten wir aber mit der Veranstaltungsreihe im Februar dieses Jahres. Gemeinsam mit den Supporters, dem AStA-Schwulenreferat und der Bar jeder Sicht haben wir die Vorführung des Films von Aljoscha Pause »Das große Tabu - Homosexualität im Fußball« und eine Podiumsdiskussion zum Thema »Das Versteckspiel - Schwule im Profifußball« organisiert.  

Wie kam es dazu?

Die Initiative für die Podiumsdiskussion kam von der »Bar jeder Sicht«. Die wollten, dass wir was gegen Vorurteile wie »Fußball und schwul - das geht doch nicht« machen. Gleichzeitig plante unabhängig von uns das AStA-Schwulenreferat die Filmvorführung. Beides kam dann über 25 Ecken zusammen und hat ganz schnell eine Eigendynamik entwickelt. Die Supporters und die Ultras waren bei der ganzen Sache ebenso sofort dabei wie der Verein. Die 05er sind dann mit dem Vorschlag an uns herangetreten, schon im Rahmen des Heimspiels vor dem Diskussionstermin – das war die Partie gegen Rostock - was zu dem Thema zu machen. Letztlich erschien in der Stadionzeitung ein doppelseitiger Bericht über uns, Stadionsprecher Hafner stellte uns vor, und die Ultras hängten das Banner »Fußball ist alles - auch schwul« unter ihrem am Zaun hinter dem Tor auf. Im Endeffekt hat uns das fast überrannt. Die Bar jeder Sicht platzte bei der Podiumsdiskussion aus allen Nähten. Es waren übrigens viel mehr Heteros dabei als Schwule.  

Wie haben die Rostockfans bei dem Spiel reagiert?

Als der Hafner seine Ansprache hielt, haben die laut gepfiffen. Die Rostocker sind leider dafür bekannt und haben schon St. Pauli als »schwule Hamburger« bzw. die Lauterer als »schwule Säue« beschimpft.

Aber Sanktionen gab‘s keine?

Das ist ein schwieriges Thema, bei dem wir uns auch nicht so einig sind. Ich bin der Meinung, dass es besser ist, die Leute, die sowas rufen, davon zu überzeugen, dass das falsch ist und nicht gleich Strafen auszupacken. Das funktioniert auch. Wenn einer »schwuler Schiri« oder »Du Homo« ruft und man dem dann sagt, man sei selbst schwul, dann zucken die erst mal zusammen und sagen »Sorry, da habe ich nicht nachgedacht«. Da muss man eben Zivilcourage zeigen. Aber das ist ja ein Grund, warum es uns Meenzelmänner gibt.  


weiterlesen [1] [2]



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News, Interviews, Blogs, Statistiken und Service zu: FSV Mainz 05






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Kommentare

  • User
  • 01.10.2009 14:55:36 nevyn

    Sehr gutes und interessantes Interview. Außerdem ein wirklich tolles Angagement. Ich hoffe das setzt sich auch in anderen Vereinen so durch!

  • User
  • 01.10.2009 15:24:09 MAEXo

    Die ersten schwarzen Spieler hattens auch nciht leicht
    und haben sich trotzdem durchgesetzt

    Mit einem schwulen Aussenminister und Bürgermeister der
    Hauptstadt
    sollte man eigentlich keine Angst mehr haben müssen

    Ein Manager oder Trainer der einen Spieler aufgrund seiner Homosexualität nicht aufstellen oder verplichten würde,
    würde sich glaube ich gesellschaftlich unmöglich machen

  • User
  • 01.10.2009 18:57:46 Nidintu Bel

    Hat zwar nichts mit dem Artikel an sich zu tun aber Hertha ist kein Ostclub.

  • User
  • 05.10.2009 14:57:58 Ursoph

    test

  • User
  • 05.10.2009 15:03:19 Ursoph

    wundert mich dass das Thema hier keine größeren Wellen schlägt. Sind hier alle wirklich so tolerant? Schön wärs ja.
    @MAEXo: ich glaube der Vergleich hinkt. Der Fußball ist nach wie vor ein sehr konservatives Metier.
    Im Fußball gehts nun mal viel mehr körperlich zur Sache als in der Politik.
    Kann mir durchaus auch vorstellen, das ein Trainer, der einen schwulen Spieler kauft bzw. aufstellt durchaus auch in einigen Fanschichten arge Probleme im Standing kriegt.

  • User
  • 05.10.2009 15:10:22 kallulliranz

    Mannomann. Schwule Fußballfans. Was kommt als nächstes: Lesbische Fleischfachverkäuferinnen? Pädophile Briefmarkensammler? Exibitionistische Feuerwehrmänner?

    Sowas von daneben, dieses Thema.

    Iss doch so - wie schon in anderem Zusammenhang geschrieben: Ob irgendwelche Weiber auf die Höhen gemischtgeschlechtlichen Lustgewinns verzichten wollen, oder sich ein schwuchteliger Mittelstürmer am liebsten vom Vorstopper einen blasen läßt, interessiert keine Sau.

    Einfach Klappe halten, gut kicken und der Fan ists zufrieden. Auf homoerotisches Rum-Outen oder tuntige Selbstbezichtigungen kann ich gut verzichten. Und wenn die Schwulen in der Kurve poppen wollen, bitte: Zu Hause.

  • User
  • 05.10.2009 18:32:06 Eisgold

    @kallulliranz: Hast Du Dich mit dem Thema Homosexualität im Fußball schonmal beschäftigt? Mit der Angst vor Entdeckung, die auf schwulen Fußballern (und auch Fans) lastet? Mit den teilweise dramatischen Folgen? Soziale Isolation? Doppelleben? Was meinst Du, warum das so ist? Was meinst Du, warum schwule Profis sich bislang diese Existenz antun? Im Fußball, im Handball, im Eishockey usw.? Nur krankhafte Paranoia oder pathologischer Realitätsverlust? Dann solltest Du Dir mal den Film zum Thema von Aljoscha Pause anschauen und besonders darauf achten, was Fans auf die Frage: "Was würden Sie davon halten, wenn bekannt werden würde, dass ein Spieler Ihres Vereins schwul ist?" antworten.

    Mit "Egal" hat das in den seltensten Fällen was zu tun...

  • User
  • 06.10.2009 15:06:33 markanter

    Einfach mal ‚ne kleine Fleißarbeit zwischendurch:

    Und mit Fußball hat das alles nichts zu tun. Wie so vieles heutzutage rund um unsern Sport. (Schnelli, 03.05.; 00.57:46)

    doof nur, dass es überhaupt jemanden interessiert, ob ein spieler schwul ist. (Herginito, 03.05.2009 15:39:44,)

    Herginito hat sich zu Recht gewundert, warum dieses Thema eigentlich so viel Aufmerksam-keit bekommt. Ist es wirklich sooo interessant, zu wissen, in welche Körperöffnung wer was steckt??! (Anti-Möller, 03.05.2009 19:32:55)

    Meinetwegen können die in ihrer Freizeit rummachen mit wem sie wollen..."nur in der Halb-zeit, da geht nichts" hat mal jemand sehr treffend gesagt. (Der Botschafter, 03.05.2009 23:12:00)

    Also ich lese fast buchstäblich jeden Sch... zu meinem Verein, aber wer welche Freundin hat, in irgendwelchen Discos auf den Putz oder sonst wohin haut, sind immer die Artikel, die ich größtenteils überspringe. Mich interessiert das Privatleben von fremden Menschen (seien es nur "entfernte" Kollegen oder Profisportler) einen feuchten Kehrricht (Bernd B., 05.05.2009 10:03:09)

    Wer mit Wem oder Was poppt ist genauso egal wie Wer Welche Drogen nimmt, entscheidend ist aufm Platz. (bobby171, 05.05.2009 15:03:19)

    schwul is schwul, da gibts nichts zu erkären. (calimero, 06.05.2009 11:20:18)
    l
    ol wiese ;-)) naja dazu sag ich nix ^^ wiese is mir egal, wie eigl alle anderen privaten hobbys der profis...(man_u, 06.05.2009 11:49:35)

    Was will man denn mit dem Outen bezwecken??????
    Ich oute mich ja auch nicht als Hetero.Deshalb:
    Einfach Klappe halten(so wie jeder Durchschnittskicker,nur wenige haben prominente freun-dinnen),und Männer poppen.. (Big Chrome, 01.10.2009 16:49:16)

    loch ist loch (calimero, 02.10.2009 12:23:32)

    Iss doch so: Ob irgendwelche Weiber auf die Höhen gemischtgeschlechtlichen Lustgewinns verzichten wollen, oder sich ein schwuchteliger Mittelstürmer am liebsten vom Vorstopper ei-nen blasen läßt, interessiert - sportlich gesehen - keine Sau.

    Einfach Klappe halten, gut kicken und der Fan ists zufrieden. Auf homoerotisches Rum-Outen oder tuntige Selbstbezichtigungen kann ich gut verzichten. (kallullifranz, 02.10.2009 17:58:30)

    Und wenn die Schwulen in der Kurve poppen wollen, bitte: Zu Hause. (kallullifranz, Gestern 15:07:53)


    Viele verschiedene Begründungsansätze, gepflegte bis derbe Wortwahl, aber ein Tenor. Kein Grund, irgendjemand von denen in die Sonderschule schicken zu wollen.

    (Zitate aus dem Nachbar-Thread)

  • User
  • 06.10.2009 17:54:33 markanter

    In der ganzen Diskussion beinahe untergegangen: Ob schwul oder nich, is mir egal, wie eigentlich alle anderen privaten Hobbys der profis

    - also auf "Hobby" wär ich nicht gekommen ...

  • User
  • 07.10.2009 15:25:41 L3v3l0rd

    "So habe ich nichts gegen Homosexuelle, aber privat finde ich das widerlich." Horst Schlämmer aka kallulliranz

  • User
  • 07.10.2009 17:04:35 GTEvo

    Macht Euch nicht verrückt Sportsfreunde..

    Schwule Fußballer sind doch schon in 2.Generation fest in unserer Fußballlandschaft verwurzelt.
    Kuck doch Samstag mal genau hin.
    Wir sind schon längst wieder ne Evolutionssstufe weiter.."wir" reden heute über Hermaphroditen, von Geschlechterumwandlungen, wir reden heute von Genmanipulation, Epo ist schon lange out.

    In 25-30 Jahren sind der Damen und Herrenfußball verschmolzen und Zwitter tragen das Trikot mit der Bundesheuschrecke.
    Schwul ist nicht mehr das Thema Sportsfreunde..Ladyboys sind der Stoff aus dem Helden gemacht sind !
    Link
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    GlückAuf
    LadyGaga

  • User
  • 07.10.2009 17:22:02 wojcicki

    Ohne Worte ..!

  • User
  • 09.10.2009 12:18:12 markanter

    Meine Lieblins-Bibi wirkt neben dem ollen Roth noch lieblicher ... und GTEvo, Du hast echt einen an der Klatsche.

  • User
  • 25.12.2009 12:36:18 flying_lama

    und warum nochmal wird dieser artikel zu weihnachten wieder rausgekramt?

  • User
  • 25.12.2009 13:30:20 der_typ

    ^^das hab' ich mich auch gefragt?! der is doch älter der artikel, oder?

  • User
  • 25.12.2009 13:52:25 flitzer on tour

    Mag sein, aber interessant ist er dennoch! Empfehlenswert zum Thema Homophobie im und beim Fußball ist auch dieses Buch
    Link...

  • User
  • 25.12.2009 14:08:08 flying_lama

    wer ist Marcus Urban?

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