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22.07.2011

Gerry Ehrmann über Angsthasen

»Erschossen wird keiner!«

Interview: Johannes Ehrmann  Bild: Imago

Für das neue 11FREUNDE Bundesliga-Sonderheft traf unser Autor Johannes Ehrmann seinen Namensvetter Gerry aus Kaiserslautern. Nicht das erste Treffen zwischen den Ehrmanns – wir erinnern an ein legendäres Torwart-Interview...

Gerry Ehrmann über Angsthasen - »Erschossen wird keiner!«


Herr Ehrmann, finden Sie eigentlich noch genug Zeit, sich alle Spiele »Ihrer« Jungs anzuschauen?

Ja, das wird langsam eng, das stimmt. (lacht) Aber wir telefonieren regelmäßig. Ich fiebere immer noch mit den Jungs mit.



Florian Fromlowitz bezeichnet Sie als »Mischung aus Vaterfigur und Freund«...

Das kann ich nur unterstreichen. Die meisten kenne ich ja wie den Flo seit der D-Jugend, so wie zum Beispiel auch Roman Weidenfeller, Tobi Sippel und Kevin Trapp. Das ist natürlich dann ein ganz besonderes Verhältnis. Wir haben immer hart gearbeitet, aber die Jungs wussten auch: Selbst wenn sie mich mitten in der Nacht anrufen, bin ich für sie da.

Kam das mal vor?

Nein. (lacht) Das sind alles anständige Jungs.

Bei der U-21-EM 2009 kamen mit Fromlowitz und Tobias Sippel zwei von drei DFB-Torhütern aus »Gerrys Flugschule«. Mit Kevin Trapp steht ein weiteres Riesentalent aus der Ehrmann-Schule in den Startlöchern. Macht Sie das auch persönlich stolz?

Es ist schon ein schönes Gefühl, den Jungs was für die Zukunft mitgegeben zu haben.

Auch charakterlich?

Fast noch wichtiger als das Training ist die Verhaltensweise auf dem Platz und die Frage: Wie verhalte ich mich in der jeweiligen Situation? Die fundamentalen Sachen wie Schnellkraft und Sprungkraft sind natürlich wichtig, aber die Wahrnehmung auf dem Platz ist viel wichtiger.

Was wollen Sie Ihren Keepern konkret vermitteln?

Das sind natürlich vor allem Erfahrungswerte. Ich habe ja fast dreißig Jahre lang selbst im Tor gestanden. Da gibt es nichts, was man nicht selbst schon erlebt hat. Wir sprechen oft über Fehler und Verhaltensweisen, auch von anderen Torhütern.

Kann man sich während des Spiels überhaupt an die besprochenen Szenen erinnern, wenn man statt auf dem Trainingsplatz vor 40.000 Zuschauern im Tor steht?

Wir besprechen die Dinge ja immer wieder, bis sie zum Automatismus werden. Man darf im Spiel nicht erst groß überlegen, das würde viel zu lange dauern. Wenn man aber immer wieder gewisse Dinge anspricht, ist das irgendwann programmiert und man ruft es automatisch ab. Dann ist man auch eine Idee schneller als der Gegner.

Wie wichtig ist genügend Selbstbewusstsein?

Selbstbewusstsein ist für einen Torhüter unerlässlich. Ein Grundsatz von mir lautet: »Sieger zweifeln nicht und Zweifler siegen nicht«. Ob 50.000 oder 10 Zuschauer ist dann völlig egal: Am Ende geht es in beiden Fällen einfach darum, Bälle zu halten.



Mauertaktik@11Freunde



Ergänzung zu Heft#117 08/2011

Das Bundesliga-Sonderheft 2011/12!


weiterlesen [1] [2] [3]



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Kommentare

  • User
  • 25.12.2009 21:42:44 wawerka

    Respekt vor Gerry Ehrmann...wer 3 Bundesligatorhüter ausgebildet hat, muss schon einiges richtig gemacht haben. Allerdings sieht man bei Sippel, Fromlowitz und Wiese genau die gleichen Stärken und Schwächen, die auch Ehrmann schon hatte: Großartige Reflexe auf der Linie, bärenstark in 1:1-Situationen, massive Probleme bei der Strafraumbeherrschung.

    Das reicht, wie bei Wiese, um ein sehr guter Bundesligatorwart zu werden, aber nicht um ein Weltklassetorwart zu sein.

    Bei den deutschen Anwärten genügt nach dem Tod von Robert Enke eigentlich nur Manuel Neuer den Ansprüchen eines "kompletten" Torwartes. Reflexe, 1:1, Strafraumbeherrschung, fussballerische Fähigkeiten und die grandiosen Abwürfe...wenn Neuer jetzt noch seine gelegentlichen "Aussetzer" in den Griff bekommt, müsste er eigentlich die Nr. 1 in Südafrika sein.

  • User
  • 22.07.2011 16:24:57 Toph85

    Selbst wenn sie mich mitten in der Nacht anrufen, bin ich für sie da.

    Kam das mal vor?

    Nein. (lacht) Das sind alles anständige Jungs.

    Hat der Sippel ja vor kurzem eindrucksvoll unter Beweis gestellt : )

  • User
  • 22.07.2011 18:39:50 AntiMöller

    wer 3 Bundesligatorhüter ausgebildet hat

    Ich dachte, auch Weidenfeller gehörte dazu. Er war der Primus inter Pares, der von Wawerka genannten Torhüter (Sippel, Fromlowitz, Wiese). Wie Ehrmann auch einen bestimmten, SEINEN bestimmten LOOK der Bundesliga aufdrückte: Hut ab!

  • User
  • 22.07.2011 20:00:10 skifahrer

    "Eigentlich nur der fußballerische Aspekt, durch die Änderung der Rückpassregel. Man ist eben ein bisschen mehr am Spiel beteiligt. Aber ansonsten ist es immer noch das gleiche."

    Genau das ist das Problem der "Ehrmänner":
    der spielende TW ist heute dringender denn je gefordert, eben nicht "immer noch das gleiche". Ehrmann hat seine Verdienste, aber er lehrt immer noch alte Schule, die für die ganz hohe Ebene nun mal nicht mehr reicht.

  • User
  • 22.07.2011 20:05:56 currygoi

    Genau das ist das Problem der "Ehrmänner":
    der spielende TW ist heute dringender denn je gefordert, eben nicht "immer noch das gleiche". Ehrmann hat seine Verdienste, aber er lehrt immer noch alte Schule, die für die ganz hohe Ebene nun mal nicht mehr reicht.


    Alte Schule... Neue Schule.... Baumschule...
    Scheissegal! Fakt ist: Weidenfeller ist ein sehr guter Torwart, Wiese kein schlechter (mehr jedenfalls), Trapp und Sippel haben viel Talent. Fromlowitz weiß, glaub ich, selbst noch nicht, das er ein richtig guter ist.
    Ehrmann macht schon gute Arbeit. Wenn es für die hohe Ebene nicht reicht frag ich mich wieso Wiese schon Jahre bei der N11 dabei ist, Weidenfeller immer auf dem Sprung stand, und Sippel mal nen Schnupperkurs machen durfte?

  • User
  • 23.07.2011 15:12:36 AntiMöller

    Fromlowitz halte ich für immer noch traumatisiert. Hoffen wir mal, daß er aus diesen Löchern wieder rauskommt, denn vom Talent her fand ich ihn immer Spitzenklasse.

    Immer dieses Gedöhns um den "spielenden Torhüter"...die Geschichte zeigt, daß sich ein Torhüter mit Ball am Fuß niemalsnie auf ein Dribbling einlassen sollte. Lehmann hat es oft genug verpatzt, während Oliver Kahn an der Stelle die Bälle auf die Tribühne gekloppt hat. Ich kann es nicht mehr hören, wenn über einen TW erzählt wird, "er könne durchaus Regionalliga spielen". Eben. Regionalliga.
    Torhüter lasst das "spielen" sein, und konzentriert Euch auf die Lufthoheit im Strafraum (Sepp Maier), den schnellen 50-Meter-Abwurf (Toni Schumacher), das "einfach alles Halten" (O. Kahn) oder Austrahlung (Piplica). Lasst das Radenkovice, das steht Euch nicht.
    Neuer macht seine Sache zwar gut, besser wäre es allerdings, er näme sich etwas zurück. Er muss lernen, sein Spiel von hinten aufzubauen, erst mal sicher zu stehen. Dazu bräuchte er allerdings auch mal etwas mehr mediale Ruhe, oder zumindest wird er sich verdammt schnell an die Unruhe gewöhnen müssen. Ich drück alle Daumen auf einen TW und keinen Libero.

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