Wie »Jako« gegen Trainer Baade vorging
Mit Kanonen auf Blogger
Text: Mathias Ehlers Bild: Imago
Hätte der Sportartikelhersteller »Jako« die Regeln der Blogger-Szene gekannt, ihm wäre ein PR-Desaster erspart geblieben. Doch »Jako« wusste von nichts und tappte so in die selbstgestellte Falle. Eine Chronologie der Ereignisse.
Was war geschehen? Im April 2009 unterzog Blogger Frank Baade (www.trainer-baade.de) »Jakos« runderneuertes Logo einer sehr subjektiven Prüfung und kam zu dem Urteil, dass es nicht sehr gelungen sei. Baade nutzte hierzu ein nicht ganz so stubenreines Wort, verglich das Image »Jakos« mit einem bekannten Lebensmitteldiscounter und schlussfolgerte, es handele sich um eine »Schlurchmarke«.

Was auch immer das ist, »Jako« gefiel es nicht. Rund 400 Leser erreichte Baades Sicht der Dinge – keine allzu große Reichweite, doch »Jako« wollte dem Autor trotzdem ans Schlafittchen und betraute eine Anwältin mit der Aufarbeitung dieser eigentlich harmlosen - und gerichtlich nie als solcher gewerteten - Schmähung.
Diese verfasste eine Abmahnung und forderte die Unterzeichnung einer Unterlassungserklärung. Baade ging den Weg des geringsten Widerstandes, unterzeichnete diese Erklärung, zahlte 400 Euro und löschte den Artikel.
Eigentlich ein guter Moment, um einen Schlusstrich zu ziehen. Das fand »Jakos« Anwältin allerdings nicht und verbiss sich in Baade wie weiland »Terrier« Vogts in seine Gegenspieler.
Erfolgreich, denn mit Hilfe des tschechischen Newsaggregators »Newstin« war noch immer – ohne Baades Wissen – ein Teaser des strittigen Textes zu finden. Womöglich im Unwissen, was es mit Newsaggregatoren auf sich hat, war das Finden dieses Teasers (also keinesfalls des gesamten von Baade gelöschten Artikels) für die Anwältin und »Jako« Grund genug, dies als Verletzung der unterzeichneten Unterlassungserklärung zu interpretieren und die für diesen Fall vereinbarten 5.100 Euro einzufordern. Eine für den Blogger existenzgefährdende Summe und fern jeder Verhältnismäßigkeit. Begründet mit dem Hinweis, Baade habe das Internet nicht gründlich genug durchsucht, um alle Spuren seines Artikels zu beseitigen. Das Internet durchsuchen? Eine utopische Forderung. Ein Prozess würde Baade nach Ermessen von Experten zweifellos Recht geben, doch wären die entsprechenden Auslagen für ihn nicht zu stemmen.
Deutschlands Blogger heulten auf
Baades Blogger-Kollege Kai Pahl (www.allesaussersport.de) sprang ihm daraufhin zur Seite und verfasste einen Artikel über »Jakos« fragwürdiges Vorgehen. Getrieben von der Angst, die nächste Abmahnung könnte im eigenen Briefkasten liegen, heulten Deutschlands Blogger auf, verteufelten »Jako« sowie seine Anwältin und riefen zu ersten Spendensammlungen auf. Nicht selten begleitet vom Rückgriff auf die Auseinandersetzung Weinreich vs. Zwanziger, in der der DFB-Präsident erfolglos von Instanz zu Instanz hechelte, auf dass die sich akkumulierenden Prozesskosten Weinreich in die Knie zwingen würden. So schwappte das Thema in die Redaktionen traditioneller Medien, wo man sich einig war, dass hier mit Kanonen auf Spatzen geschossen werde. Die eiserne Weisheit, dass schlechte Publicity immer noch besser ist als gar keine, galt nicht mehr, und so wurde »Jako« nicht zu Unrecht in die Rolle des bösen Goliath gesteckt, der Kraft seiner Finanzen Recht bekommt, ohne es zu haben.








