Das Nuller-Heft

11FREUNDE-Spezial: 00er

Das waren die Nuller Jahre

Neu hier? Alle Infos zu 11Freunde Community
04.09.2009

Was der »Fall Streit« uns lehrt

Pacta sunt servanda

Text: Jürgen Schmieder  Bild: Imago

Der FC Schalke 04 will seinen Bankdrücker Albert Streit loswerden, der lieber seinen Vertrag aussitzen will – und darf sich dabei im Recht fühlen. Viele Vereinsbosse entdecken Verträge nur, wenn es ihnen genehm ist.

Was der »Fall Streit« uns lehrt - Pacta sunt servanda


Es ist nicht bekannt, wie gut Albert Streit mit lateinischen Redewendungen und deutschem Recht vertraut ist, auch seine Kenntnisse über Franz Josef Strauß sind nicht eindeutig zu bestimmen. »Pacta sunt servanda«, forderte der ehemalige CSU-Vorsitzende, nachdem die zuvor von ihm hart bekämpften Ostverträge ratifiziert worden waren. Der Schalker Profi Streit kann nicht nur auf einen pactum verweisen, eine formlose Absprache, sondern gar auf einen schriftlichen contractus. Und so einer ist - da würde selbst die Linkspartei Franz Josef Strauß recht geben – von beiden Seiten einzuhalten.



Schalke 04 hat seinen Profi suspendiert, der neue Trainer und Manager Felix Magath hätte den ungeliebten Akteur am liebsten von der Gehaltsliste gestrichen. »Ich verlange von Spielern meiner Mannschaft, dass sie stetig an sich arbeiten und an ihre Grenzen gehen. Diesen Eindruck hatte ich bei Albert Streit nicht«, sagt Magath und verweist damit indirekt auf den Paragraphen 242 des Bürgerlichen Gesetzbuches, der vorschreibt: »Der Schuldner ist verpflichtet, die Leistung so zu bewirken, wie Treu und Glauben mit Rücksicht auf die Verkehrssitte es erfordern.« Ergo: Streit müsse ehrgeizig an seiner Berufung in die Stammelf arbeiten, sonst halte er sich nicht an den Vertrag.

Florida-Albert

Streit dagegen kündigte schon vor Monaten an: »Ich habe hier den besten Vertrag meines Lebens unterschrieben und bekomme noch drei Jahre gutes Geld.« Im Januar 2008 wechselte Streit von Frankfurt zu Schalke 04 und unterschrieb dort einen Vertrag bis Juni 2012, der mit ungefähr 2,5 Millionen Euro pro Saison vergütet wird. Natürlich könnte man Streit aus sportlicher Sicht vorwerfen, sich bei Schalke 04 nicht durchbeißen zu wollen – oder bei zu geringer Chance auf Einsatzzeiten sein Glück bei einem anderen Verein zu suchen.

Dennoch ist paradox, wie die Fußball-Vereine manchmal mit Profis umgehen. Bei den hochklassigen, jedoch wechselwilligen Spielern pochen sie allzugerne auf die Einhaltung der Verträge. Franck Ribéry etwa versuchte wochenlang, sich zu einem Wechsel zu Real Madrid zu reden. Er brauche mehr Spaß an der Säbener Straße, erklärte der Filou kürzlich, wobei er offenließ, ob er nur Lukas Podolski vermisst oder eine Hüpfburg neben dem Trainingsplatz haben möchte.

Die Verantwortlichen verwiesen zu Recht auf einen bis Juni 2011 gültigen Vertrag und überlegen gar, gegen den Paragraphen 17 der Transferstatuten des Weltverbandes Fifa vorzugehen, der das Vertragsverhältnis eines Profi-Fußballers im Falle eines internationalen Wechsels vor Ablauf seines aktuellen Kontraktes bei einem Klub regelt. Demnach kann ein Spieler ein Jahr vor Ende seines Vertrags seinen Klub für eine nur geringe Entschädigung verlassen. »In der jetztigen Form ist der Paragraph ein Witz«, sagte Manager Uli Hoeneß kürzlich.

Dabei hätte der FC Bayern gerne selbst Spieler abgegeben: Christian Lell, Andreas Ottl, Jose Ernesto Sosa und Luca Toni etwa. Beim VfB Stuttgart standen Yildiray Bastürk, Jan Simak und Ricardo Osorio auf der Streichliste. Bei Werder Bremen ist Jurica Vranjes der ungeliebte Bankwärmer, in Wolfsburg sind das Vlad Munteanu, Daniel Baier und Alexander Laas. Da geraten der bestehende Vertrag und seine Laufzeit plötzlich in den Hintergrund. Die Vereine haben die nun ungeliebten Spieler mit langfristigen und gutdotierten Verträgen ausgestattet. Und deshalb gilt nicht nur für Spieler wie Ribéry, sondern auch für Vereine wie Schalke: Pacta sunt servanda.

Süddeutsche@11Freunde




---
News, Interviews, Blogs, Statistiken und Service zu: Schalke 04






Ähnliche Artikel

Kommentare

  • User
  • 07.09.2009 19:26:58 Donaldo

    Was mich der Fall Streit lehrt ist folgendes: Auf dauer setzt sich Qualität (auch menscliche) durch.

    Oder auch nicht.

    Hau ab, hau einfach ab, Albert.

  • User
  • 07.09.2009 19:27:49 Donaldo

    Sorry, Fipptehler: ...menschliche...

  • User
  • 08.09.2009 14:20:32 monssolis

    Ich finde, er spielt da, wo er hinpasst.

  • User
  • 08.09.2009 14:53:25 markanter

    ... bzw. spielt gerade eben nicht, obwohl er da hinpasst ...

  • User
  • 08.09.2009 15:28:16 gygax

    Monsse auf jeden Fall, die ham ausser Herthinho ja keinen echten Star. Bei markanter weiss man es noch nicht, is noch zu profillos

  • User
  • 08.09.2009 17:27:07 markanter

    Selbst wennse vereinslos bis, kei-ne Cha-ze für Neid auf Schalke. Oder Albert.

  • User
  • 09.09.2009 12:09:09 monssolis

    Ui, GYX holt die ganz schweren Geschütze aus dem Keller!

zum Forum

Logge Dich ein, um einen Beitrag zu schreiben!

VON DEN LESERN EMPFOHLEN



DIE AKTUELLE UMFRAGE

Kiel gegen Dortmund: Ein Duell wie...

David gegen Goliath
Regina Halmich gegen Mike Tyson
Klopfer gegen Godzilla
KSV Baunatal gegen Real Madrid
Angela Merkel gegen Gina Wild
Milhouse gegen Nelson Muntz
Wilfried Ditrich gegen Chris Taylor
Fünf gegen Willie




Eike Immel über Siege und Fehler


Sätze, die Uli Hoeneß sagt, wenn sein Klub gegen den FC St. Pauli verliert

  • »Die Paulianer sind gerannt, ich glaube, da liegen heute noch welche unterm Sauerstoffzelt. Und bei uns werden 30 Minuten nach Spielschluss schon wieder Sprüche geklopft und Karten gespielt. Die Spieler essen Scampis, und ich habe eine schlaflose Nacht.«

Das Tagesticker-Archiv

11Freunde Liveticker

11FREUNDE @ TWITTER