Faryd Mondragons Medienkritik
»Habt Ihr Angst vor Daum?«
Text: Fabian Friedmann Bild: Imago
Faryd Mondragon platzte der Kragen. Der Kölner Keeper hatte genug angebliche Skandalmeldungen gelesen. Auf einer Pressekonferenz rechnete er mit dem Boulevard ab. Dieser reagierte auf seine ganz spezielle Weise.
Dass die Kölner Medienlandschaft eine ganz spezielle ist, das ist nichts Neues. Dass ein Spieler des 1. FC Köln sich über die mitunter polemische, unsachliche und kleinkarierte Berichterstattung beschwert, soll in der Domstadt auch schon des Öfteren vorgekommen sein. Aber nun ist etwas vorgefallen, dass sich bislang in dieser Form und Schärfe selbst bei den Geißböcken noch nicht zugetragen hat.

Torhüter Faryd Mondragon hielt am 20. August auf der Pressekonferenz eine Ansprache. Eine Rede, die sich in ihrem Kern einzig und allein gegen die Boulevardjournalisten der rheinischen Metropole richtete und deren Berichte über den FC in den vergangenen Wochen. »Niemand hat den Mut und die Eier, die Wahrheit zu sagen. Dass wir einen bescheidenen und ruhigen Trainer Soldo haben, der nicht den Clown macht, dass große Disziplin in der Mannschaft herrscht, die wir in dieser Form seitdem ich hier bin nie hatten. Doch stattdessen werden wir nur attackiert«, machte sich Mondragon in englischer Sprache Luft von seinem Ärger.
Was war vorgefallen? Allen voran der »Express« und die »BILD« hatten in den letzten Wochen wieder einmal eine Kampagne gefahren. Der Inhalt: die teuren Autos der Profis, Disziplinlosigkeiten der Stars und natürlich die beiden Niederlagen zum Auftakt. »1. FC Disziplinlosigkeit« titelte zum Beispiel die »BILD«. Und der »Express« lieferte »Meiers Anpfiff für Handy-Womé«. Sicher ist es nicht gerade clever von einem Ersatzspieler, während eines Testspiels auf der Bank zu telefonieren. Doch diesen Umstand zum Leitmotiv einer Berichterstattung zu machen, zeugt auch nicht von dem Willen, das Sportliche über einen Fußballklub – welcher der 1. FC Köln nun mal ist – in den Vordergrund zu stellen. Sicher, die Zielgruppe von Express & Co. will über Skandale und Knalleffekte lesen, das weiß auch Faryd Mondragon. Jedoch sind kleine negative Randnotizen eine Sache, eine andere ist es, die Fakten über das Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft zu ignorieren bzw. zu verdrehen.
»Schreibt etwas über Fußball«
Mondragon sagte dazu: »Kommt schon, lasst uns die beschissene Maske abnehmen und die Wahrheit sagen. Es geht hier nicht um die Aston Martins der Spieler. Schreibt etwas über Fußball. Wir haben ein wesentlich besseres Team als letzte Saison, wir haben das auch in den ersten beiden Spielen gezeigt. Was ist denn bislang passiert: Wir haben nur ein Auswärtsspiel verloren und zu Hause gegen den deutschen Meister. Trotzdem haben wir mehr Disziplin auf und neben dem Platz. Habt ihr Angst vor Christoph Daum oder was ist los.« Mondragon ließ wissen, dass im Verhältnis zwischen dem Team und Ex-Trainer Christoph Daum bei Weitem nicht alles rosig war, was man aber im »Express« oder im »Kölner Stadtanzeiger« nie zu lesen bekam, obwohl es laut Mondragon viele Journalisten gewusst hätten, diesen Umstand der Öffentlichkeit aber vorenthielten.
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