Offener Brief der Bayern-Fans
Durchschnitt hat die Oberhand
Text: Bayern-Fans Bild: Imago
Soeben erreichte uns ein offener Brief von besorgten Bayern-Fans. Darin analysieren sie Fehler aus Vergangenheit und Gegenwart und leiten Forderungen für die Zukunft ab. Wir wollen Euch das brisante Papier nicht vorenthalten.
Der Brief:
1. Allgemeines
1.1 Das Problemkind Abwehr
1.2 Die (Fehl-)Besetzung der Torhüter-Position seit dem Karriereende von Oliver Kahn
1.3 Katastrophale Kaderplanung im Mittelfeld, Kreativloch, fehlendes Pendant zu Franck Ribery
1.4 Louis van Gaal – Fluch oder Segen für den FC Bayern?
1.5 Das Leistungsprinzip und seine mangelnde Anwendung
1.6 Falscher Stolz bei Transfers, Medienspektakel des Vorstandes
1 Allgemeines
Mit diesem Brief wollen wir, User des transfermarkt.de Bayern-Forums, unsere Meinung publik machen! Wir wollen erreichen, dass unsere Stimme in den Medien eine Plattform findet. Wir wollen einige Missstände der letzten Jahre aufzeigen. Wir wollen zeigen, dass der Vorstand inkompetent handelte.
1.1 Das Problemkind Abwehr
2008 wurde der FC Bayern souverän Deutscher Meister. Prunkstück war zwar die Offensive mit den neuen Stars Ribéry und Toni, der eigentliche Erfolg war insbesondere jedoch der Verdienst der Abwehr, die um Kahn einen neuen Gegentor-Rekord aufstellte. Lucio und Demichelis harmonierten, der Brasilianer spielte nach Ausflugsverbot von Hitzfeld diszipliniert und souverän. Was fehlte, war ein vernünftiger rechter Verteidiger.
Dieses Problem sollte mit dem italienischen Oldie und Weltmeister Oddo behoben werden, der jedoch nie zur Form fand, auch die Innenverteidigung stand nicht mehr sicher. Fehleinschätzung Nummer Eins. Die taktischen Anweisungen eines Klinsmann passten nicht, da Lucio nicht mehr konsequent hinten zu finden war und Demichelis durch ein Vorschieben der Abwehrkette im direkten Laufduell klar Nachteile besitzt. Auch fehlte es an Alternativen zu Lahm. Fehleinschätzung Nummer Zwei.
Wir schreiben den Sommer 2009, der Vorstand kündigt groß an, auf der Position des rechten Verteidigers was zu unternehmen. Die Position wird als eine von zwei Schwachstellen (neben dem Torhüter) ausgemacht. Was jedoch dann passiert, führt bei den jedem Bayern-Fan nur zu Kopfschütteln. Im Tor passiert nichts, es wird weiter mit den Unsicherheitsfaktoren Rensing und Butt geplant, die nicht einmal in der Bundesliga höheren Ansprüchen genügen. Fehleinschätzung Nummer Drei.
Von den Verantwortlichen wird ein Srna, gerade UEFA Cup Sieger geworden und einer der besten rechten Verteidiger Europas, die Klasse abgesprochen. Unglaublich eigentlich, wenn man bedenkt, dass man selbst nur Lell und Görlitz hat. Für links wird Braafheid als Alternative verpflichtet, Schwachstelle zumindest erkannt. Was jedoch in der Innenverteidigung passiert, kann man mit Worten nicht beschreiben. Dem besten Mann, der einzige, der das Wort »Weltklasse« dort verdient, wird der Laufpass gegeben. Demichelis soll nur Ersatz sein und als neues Duo sollen ein Nachwuchskicker (nur weil er ein Linksfuß ist) und der seit 3 Jahren als Ergänzungsspieler fungierende van Buyten sein. Was sich die Verantwortlichen dabei gedacht haben, wird wohl immer ein Rätsel bleiben. Zu erklären ist es jedenfalls nicht, wie man mit diesen beiden in der CL bestehen will. Fehleinschätzung Nummer Vier.
Ein neuer IV wurde nicht geholt, beim rechten Verteidiger wird plötzlich auch kein Bedarf mehr gesehen. Unerklärlich, wie man sich nur auf Bosingwa stürzen kann und keine weiteren Alternativen in der Hinterhand hat. Stattdessen agiert jetzt einer der besten linken Verteidiger der Welt auf rechts und auf links spielt derjenige, der im linken Mittelfeld spielen sollte. Der Holländer Braafheid kann wohl jetzt bereits in die Kategorie Rau eingestuft werden, der absolut nicht das Niveau des FC Bayern hat. Fehleinschätzung Nummer Fünf.
Die falsche Personalpolitik endet jedoch nicht, sie ist zunächst nur eine Fortsetzung dessen, was man vorher falsch machte. Für 12 Mio wird ein Brasilianer geholt, der keine Chance auf Einsätze hat. In der Zeit, in der er in München auf der Bank sitzt, entwickeln sich aus den eigenen Reihen (innerhalb von 1 1/2 Jahren) drei neue Innenverteidiger. Badstuber in München, Hummels wird aus München vergrault, wird U21-Europameister, und Niedermeier spielt eine gute Rolle in Stuttgart. Warum hier 12 Mio ausgegeben wurden, weiß wohl keiner so genau. Wahrscheinlich, weil man zu viel Geld auf dem so genannten Festgeldkonto hatte.
Die ganze Personalpolitik in der Abwehr ist kaum zu erklären. Es scheint so, als ob die Münchener Verantwortlichen nicht in der Lage sind, gezielt Spieler zu scouten und zu entdecken. Während andernorts Kreativität und Spürnase beweisen wird, zeigen die Münchener einziger Sturheit und wenig Sachkenntnis. Wie man davon sprechen kann, dass diese Abwehr, wenn man sie überhaupt so bezeichnen kann, höheren Ansprüchen genügt, den sollte man in seiner Position ganz klar in Frage stellen.
1.2 Die (Fehl-)besetzung der Torhüter-Position seit dem Karriereende von Kahn
Auf Titan Kahn folgte 08/09 Talent Rensing.
In den Spielen, in denen er Kahn ersetzte, wusste er zu überzeugen. Überzeugen konnte er allerdings nicht in seinen Einsätzen als Stammtorwart unter Klinsmann. Folgerichtig setzte ihn Jürgen Klinsmann nach teilweise katastrophalen Leistungen auf die Bank und brachte den erfahrenen Butt. Lediglich der Zeitpunkt schien fragwürdig. Auf Rensing folgte Butt, auch dieser konnte nicht vollends überzeugen. Sicherlich ist es schwer, wenn man das Erbe eines Oliver Kahn antreten muss. Dennoch kann es nicht sein, dass der FC Bayern mit einem der schlechtesten Torhüter der Liga in die Saison geht. Als Nachfolger wollte man Neuer holen, dies klappte nicht. Man hatte also die Schwachstelle – das Tor – erkannt und wollte handeln. Nach der Absage von Magath befand man Rensing für gut genug. Ein Fehler, wie man schon in den Spielen gegen Neckarelz und Mainz erkennen konnte, als Rensing patzte. Michael Rensing genügt schlichtweg nicht den Ansprüchen des FCB. Doch Alternativen gab und gibt es genug – Sebastien Frey, Samir Handanovic, Artur Boruc, René Adler, Tim Wiese und nicht zuletzt Robert Enke. Gehandelt wurde dennoch nicht, man versteifte sich auf Manuel Neuer. Dies kann man sich nur mit einer Neuer-Zusage für 2010 erklären. Festzuhalten bleibt, dass man die größte Baustelle – das Tor – nicht schließen konnte, was dem FC Bayern viele Punkte kosten wird.
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