Wie Torwart Müller die Liga überrascht
FSV Heinz 05
Text: Alex Raack Bild: Imago
Als der Mainz 05 die Verpflichtung von Heinz Müller, 31, bekannt gab, interessierte es niemanden. Inzwischen ist der Torwart ein gefeiertes Kurvenidol. Dank Müller gewann Mainz erstmals gegen den FC Bayern München.
»FSV Heinz 05!«, postete der bewegte 11freunde.de-User »UrmelAusmEis« und legte damit gleich den Grundstein für Überschrift und Inhalt des vorliegenden Textes. Heinz Müller, groß gewachsen, säuberlich aufgereihtes Haupthaar, mit der Pinzette gezupfter Kinnbart – und in der Form seines Lebens.
Beim 2:1-Erfolg der Mainzer gegen die Bayern war der Torwart erneut einer der Garanten für den Erfolg und ließ nicht einen Treffer der Münchener zu. Lediglich Mitspieler Noveski traf kurz nach der Pause das eigene Tor. Die anschließende Angriffsflut der verzweifelt aufs Mainzer Tor zulaufenden Gäste wehrten Müller und der Außenpfosten ab.
Kümmerliche 29 Spiele
Für den Aufsteiger scheint Müller ein Glücksfall zu sein. Kurz vor dem Saisonstart verletzte sich Stammtorwart Dimo Wache, Neuzugang Müller rückte in die Startelf. Ein 31-jähriger unbekannter Torwart, dessen Referenzen innerhalb der deutschen Landesgrenzen bis dato kümmerliche 29 Spiele für Hannover 96, Arminia Bielefeld, FC St. Pauli und Jahn Regensburg waren. Der nur dadurch zeitweilige Berühmtheit erlangte, weil er beim englischen Zweitligisten FC Barnsley das Tor hütete. Jenen Verein, für den Lars Leese unter gütiger Mithilfe einer Handvoll aufregender Spiele und Autor Ronald Reng zum »Traumhüter« wurde.
Aber mal ehrlich: Wer konnte vor dem Ligastart ernsthaft von sich behaupten, das torhüterische Potential von Heinz Müller bemessen zu können? Selbst jene, die es tatsächlich wussten, werden aber überrascht von der Leistungsexplosion des Mainzer gewesen sein. Gegen Bayer Leverkusen hielt er hervorragend (2:2), gegen Hannover 96 fielen seine Leistungen nicht hinter die des ihm gegenüberstehenden Kollegen zurück: Robert Enke, Nationalspieler.
Natürlich: beim Aufsteiger Mainz im Tor zu stehen, ist für einen Torwart nicht die schlechteste Erfahrung. Wo bekommt man schon im Profibereich mehr als 15 Bälle in drei Spielen auf sein Tor? Kurzum: Müller hatte die Gelegenheiten sich zu beweisen – er hat das in tadelloser Manier getan. Dabei ist der gebürtige Frankfurter alles andere als der inzwischen landauf, landab geforderte »moderne« Torhüter.
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