Werders Teenie-Fans vermissen Diego
Tausend nasse Kopfkissen
Text: Dirk Gieselmann Bild: Imago
Mesut Özil hat das Zeug, Diego zu ersetzen. Auf dem Platz – nicht auf den Postern in Tausenden von Jugendzimmern. Dort hat der Abgang des Spielmachers eine Schneise geschlagen. Dirk Gieselmann war vor Ort.
Einen wie Diego finden sie nie wieder. Da sind sich die jungen Werder-Fans sicher. Diiiiiegooooo! Warum hast du uns verlassen? Ihre Kopfkissen werden nass und nasser, Abschiedstränen fließen bis in die Matratze. Es tut immer noch soooo weh. Wird noch lange weh tun. Vielleicht für immer. Aua und schluchz. Aua.

Dass die Mannschaft ohne Diego schwerer auszurechnen ist – es tröstet sie nicht in ihrem Liebeskummer. Dass Mesut Özil schneller und direkter spielt – was bringt es, wenn er dabei nicht so hübsch aussieht wie Diego? Die 24,5 Millionen, die die Turiner überwiesen haben – was können die trauernden Teens sich schon davon kaufen?
Nichts. Diego war ein Star, ein juveniler Herzensbrecher wie aus »La Boum – Die Fete«, ein Posterboy. An den Wänden von Tausenden von Jugendzimmern ersetzt ihn niemand. Er hat für die 10- bis 16-Jährigen den Fußball verkörpert. Nicht der hart ackernde Frings. Der könnte ja ihr Vater sein.
Und noch etwas: Wäre Diego geblieben, hätte seine neue Bekannte Sarah Connor bestimmt bald eine neue Stadion-Hymne aufgenommen, zeitgemäßer als das olle Bierzelt-Geschunkel von Klaus und Klaus. »From Werder with Love« – dieser Hit bleibt nun unkomponiert.
Es wäre schließlich nur eine Frage der Zeit gewesen, bis die große Diego-Sarah-Werder-Doku-Soap aus der Connor-Villa in Wildeshausen ins Fernsehen gekommen wäre. Werder bei Pro7. Werder in den Charts. Werder in der »Bravo«. Weiß Klaus Allofs eigentlich, welch gigantische Marketing-Potenziale er zugeschüttet hat, indem er Diego hat ziehen lassen?
Er weiß es. Und hat's trotzdem getan. Denn Werder ist raus aus der Pubertät. Und wir ja auch. Zum Glück.
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