Die Wynton Rufer Kolumne (2)
Keine Angst vor Bayern!
Text: Wynton Rufer, Protokoll: Fabian Friedmann Bild: Imago
In elf Spielen gegen die Bayern verlor Werder-Held Wynton Rufer nur einmal. Hier gibt er seinen Nachfolgern für die Neuauflage wertvolle Tipps, wie der Gigant zu schlagen ist – und prophezeit Bremen eine glanzvolle Saison.
Am Samstag ist es wieder so weit. Werder Bremen ist zu Gast bei den Bayern. Doch wie schlägt man den Rekordmeister vor heimischer Kulisse?
Ein Patentrezept gibt es nicht. Wenn man gegen die Bayern spielt, ist man natürlich meistens der Underdog. Jeder erwartet, dass die Bayern gewinnen, so dass die Mannschaft, die nach München fährt, von vorne herein weniger Druck hat. Das ist mit Sicherheit ein psychologischer Vorteil. Auch wenn die Bayern letztes Jahr nicht Meister waren; sie hatten schon zu meiner Zeit immer den besten Kader, das meiste Geld und die größte Anzahl von Fans. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Die Erwartungshaltung ist natürlich dementsprechend. Der Druck auf die Spieler ist immens. Alle Zuschauer erwarten Wunderdinge, wenn sie in die Allianz-Arena kommen. Am Samstag wird es aber ein sehr enges und interessantes Spiel geben. Da bin ich mir sicher. Werder, am 1. Spieltag überraschend zu Hause verloren, die Bayern nur mit einem Unentschieden in Hoffenheim gestartet. Beide Mannschaften stehen unter Zugzwang. Beide müssen versuchen zu punkten.
Ich war immer heiß
Meine persönliche Bilanz gegen die Bayern ist beinah traumhaft. In 11 Partien gegen den Rekordmeister in meiner Karriere konnten wir fünfmal gewinnen und fünfmal Remis spielen. Nur ein einziges Mal verloren wir bei den Bayern, in meiner vorletzten Saison im März 1994. Warum diese gute Bilanz? Nun, es lag nicht daran, dass Otto Rehhagel uns gezielt und akribisch auf den Gegner vorbereite, was er natürlich tat. Es war aber nicht entscheidend für unsere guten Spiele. Der Hauptgrund: Gegen Bayern gab jeder Spieler noch mal zehn Prozent mehr. Es ist auch das leichteste Spiel der Saison für die Trainer, denn sie müssen ihre Spieler gar nicht mehr groß motivieren. Auch ich war immer heiß.
Von allen Bundesligisten, gegen die ich jemals gespielt habe, machte ich die meisten Tore gegen Bayern München. In 11 Spielen markierte ich sieben Treffer. Dabei blieb eine Spielzeit natürlich unvergessen. In Werders Meistersaison 1992/93 konnten wir die Bayern zweimal schlagen. Wir gewannen in München 3:1. Im Olympiastadion zu gewinnen war traumhaft für mich. Zu Hause fegten wir sie drei Spieltage vor Schluss nach Rückstand noch 4:1 vom Platz. Die Entscheidung in der Meisterschaft. In beiden Spielen machte ich zwei Tore. Ein ähnliches Kunststück schaffte Bremen in der Double-Saison 2004.
Diese Spiele aus der Vergangenheit sollten der jetzigen Mannschaft um Trainer Thomas Schaaf Mut machen. Sie zeigen, dass man sich in München nicht verstecken muss. Ein großer Fehler ist es, sich nur hinten rein zu stellen und auf Konterchancen zu hoffen. Denn irgendwann wird der Druck der Bayern zu groß. Man muss mutig und schnell nach vorne spielen und darf sich nicht zu sehr in die eigene Hälfte drängen lassen. Thomas Schaaf ist aber so erfahren, dass er sicher die richtigen Worte finden wird. Selbst wenn es in München schief gehen sollte, die Verantwortlichen werden sich nicht verrückt machen lassen, auch nicht von der öffentlichen Kritik. Werder hat auch letztes Jahr einen Titel geholt, obwohl viele so genannte »Experten« sagten, es laufe nicht rund. Dieses Jahr wird das Team mit Sicherheit wieder für Furore sorgen. Auch weil die Bremer, trotz vieler junger Spieler im Kader, eine sehr routinierte Truppe beisammen haben, die auch die Bayern vor heimischen Publikum schlagen kann. Darum: Keine Angst vor Bayern!
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