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Sven Regener über Klaus und Klaus

»Bremen ist Fun-Punk«

Interview: Andreas Bock und Dirk Gieselmann  Bild: Benjamin Apitius

Sven Regener ist Autor (»Herr Lehmann«) und Sänger der Band »Element of Crime«. Das neue Album heißt »Immer da wo du bist bin ich nie«. Tatsächlich geht er nie ins Stadion. Kann man mit so einem über Fußball reden? Und wie!

Sven Regener über Klaus und Klaus - »Bremen ist Fun-Punk«


Sven Regener, hat uns Diegos Wechsel zu Juventus Turin davor bewahrt, dass Sarah Connor einen Werder Bremen-Song aufnimmt?

Das wird Sarah Connor sicher noch tun.

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Und Klaus und Klaus damit aus dem Weserstadion verdrängen.

Klaus und Klaus kann man ja gar nicht verdrängen, das ist ein Lied für die Ewigkeit, das lieben die Leute zu sehr. Sie dürfen nicht vergessen, dass der Song ja eigentlich ein Traditional ist, »The Wild Rover«, ein irisches Party- und Sauflied mit deutschem Text – gar nicht mal so gutem, aber auch gar nicht mal so schlechtem Text (singt): »Die Fische im Wasser und selten an Land!« Perfekt fürs Stadion. Aber wir haben ja auch »Werder Bremen, das ist unser Verein« von den »Mimmi`s«. Und wie heißt das andere Werder-Lied? (überlegt) »Deutscher Meister wird nur der SVW« – auch von den »Mimmi`s«. Bremen ist ja eine Fun-Punk-Hochburg – und in gewisser Weise sind auch Klaus und Klaus dieser Sparte zuzuordnen (lacht).

Wird man Sie jemals mit Klaus und Klaus im Studio sehen?

Man sollte niemals »nie« sagen. Aber die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering. Weder haben sich Klaus und Klaus bisher bei uns gemeldet, noch wir uns bei denen. Und es gibt auch keine Dritten, die da versuchen zu vermitteln.

Der kleine Klaus ist ja auch gar nicht mehr der echte kleine Klaus.

Einer von den beiden ist doch der Sänger von Torfrock, oder nicht?

Ja, und ich glaube, der ist nicht mehr der Klaus bei Klaus und Klaus.

Jetzt machen Sie mich aber traurig. Heißt denn der neue Klaus auch Klaus?

Wahrscheinlich war das die Vorraussetzung für den Job.

Ich glaube, Klaus ist ja auch weniger Name als Schicksal. Wir müssen Klaus Allofs mal fragen, was der dazu meint (lacht).

Herr Regener, zum Wesentlichen: Seit wann sind Sie Fußball-Fan?

Ich war früher immer gegen Fußball – weil alle dafür waren. Bei den großen Turnieren waren die ganzen Dödel, die man so kannte, durchweg für die deutsche Mannschaft. Ist ja auch eigentlich ganz logisch, wenn man in Bremen wohnt. Ich fand das damals aber unfair, das ist doch auch irgendwo parteiisch, so ein krudes Sportverständnis.

Es ist Ihnen also egal, wer gewinnt?

Das Finale der Weltmeisterschaft 1974 war mir so egal, dass ich viel lieber der Frage nachgegangen bin, ob wohl irgendjemand während des Endspiels auf der Autobahn unterwegs sein würde. Ich bin also in Bremen-Ost mit dem Fahrrad auf die Autobahn gefahren, und nach zehn Minuten kam tatsächlich ein Auto vorbei – mit drei so alten Ommas drin (lacht). Irgendwann habe ich dann Rast gemacht bei einem Außer-Haus-Verkauf, wo natürlich auch Fußball lief, es war gerade Halbzeit. Da kam ein Typ rein, kaufte Bier und grummelte vor sich hin: »Jetzt muss aber mal was passieren! Was für eine Scheiße!« Ich dachte nur, oh, geil, die Holländer gewinnen – und als ich dann wieder zu Hause ankam, waren die Deutschen Weltmeister.

Und 1990?

Als wir 1990 Weltmeister geworden sind, dachte ich noch, mein Gott, dieser ganze Chauvinismus. Aber die Anderen sind doch genauso schlimm – es ist ja nicht so, dass die Argentinier, Holländer oder Italiener keine gnadenlos miesen Chauvinisten sind, wenn es um solche Sachen wie Fußball geht. Man muss da auch endlich mal mit sich selber ins Reine kommen: die Deutschen sind ja gar nicht böser als die Anderen. 

Diese Einsicht kam wohl spätestens 2006 während des Sommermärchens.

2006 fand ich persönlich ganz okay. Das Problem ist ja: Erst wenn man da mitmachen muss, wird es unerträglich, wenn man das Gefühl hat, jetzt wird es bedrohlich – oder man kriegt auf die Schnauze, wenn man nicht dafür ist. Das ist eine Frage der persönlichen Neigung – und die meisten Fußballfans haben ja augenscheinlich ihren Spaß daran. Ich persönlich gehe aber nicht zu Fußballspielen ins Stadion. Wissen Sie, das würde ich nie machen, da sind mir viel zu viele Leute.

Moment mal! Sie gehen nicht ins Stadion?

Ich war einmal bei Reinickendorfer Füchse gegen MSV Duisburg, ein Relegationsspiel um den Aufstieg in die 2. Liga, 1989. Wir haben damals im Stadion die Fotosession zu unserem Album »Jimmy« gemacht. Und dann war ich noch einmal bei St. Pauli gegen Bielefeld. Und da muss ich ehrlich sagen, das brauche ich nicht, schön ist was anderes. Das hat mir damals für mein Leben gereicht.

Scheuen Sie Menschenmengen auch bei Konzerten?

Das sollten weder die Fans in den Fußballstadion persönlich nehmen, noch die bei Konzerten. Ich stehe immer hinten – in der Nähe vom Notausgang. Wahrscheinlich eine leichte klaustrophobe Neurose, nichts Schlimmes, keine Panikattacken, einfach ein leichter Dachschaden, den ich habe.

Ist Ihre Rolle angesichts der vielen Menschen, die bei einem Konzert etwas von Ihnen erwarten, vergleichbar mit der eines Akteurs auf dem Spielfeld?

Der wesentliche Unterschied ist: Wir können nicht verlieren. Beim Fußballspiel gehst du entweder als Gewinner oder Verlierer vom Platz. Wenn wir uns als Band nicht gerade total doof anstellen, kann uns eigentlich nicht viel passieren. Wir gewinnen immer – davon kann ein Uli Hoeneß nur träumen.


weiterlesen [1] [2] [3]



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Kommentare

  • User
  • 12.08.2009 02:10:59 fibbero

    Schönes Interview, aber werdermusikalisch ist Herr Regener so gar nicht auf der Höhe, da hätte man mal nachfragen sollen, wie man es ja mit den "Kläusen" auch gemacht hat. ;)

  • User
  • 12.08.2009 04:35:13 tobsen23

    "Beim Fußballspiel gehst du entweder als Gewinner oder Verlierer vom Platz." Genialer Philosoph, dieser Mensch, hab lange nicht etwas so wahres gehört. Ich würde vielleicht noch einen Schritt weiter gehen und sagen: "Beim Fußballspiel gehst du entweder als Gewinner oder Verlierer vom Platz, oder du spielst unentschieden."

  • User
  • 12.08.2009 13:57:35 Zizou9393

    Starker Typ, Starkes Interview.

  • User
  • 12.08.2009 15:23:31 Chrischel9000

    Ich glaube zwar nicht, dass man bei einem Weltmeisterschaftsendspiel mit deutscher Beteiligung heute noch mit dem Fahrrad auf der Autobahn fahren könnte

    Naja, aber noch FAST.

    hatte kurz vor Ende der EM keinen Bock mehr auf das Endspiel und hab gedacht "ok, entweder die kriegen jetzt voll auf die Mütze von den Spaniern - nix verpasst. Oder die schaffen die Sensation und gewinnen 5:0 - werde mich auf ewig dafür verfluchen."

    Jedenfalls habe ich mein wöchentlichen 220 km Wochenend-Pendelei genau zwischen Anpfiff und Abpfiff absolviert. (naja, die letzte Minute habe ich unten in der Kneipe noch gesehen)

    Aber noch niiiiiiie so eine freie Autobahn gesehen!! da waren echt vielleicht 10 Autos unterwegs. Kann also Regeners Omma-Erlebnis nachvollziehen


    Ansonsten schönes Interview!

  • User
  • 12.08.2009 17:46:29 Ursoph

    Fraglos einer der Größten unseres Landes, dieser Sven Regener!

  • User
  • 12.08.2009 21:38:35 MarcRamone

    Es ist nicht charakterbildend, Fan einer Mannschaft zu sein, die dauernd Meister wird. Das ist zwar eine tolle Sache und eine schöne Unterhaltung, aber es ist nicht gut für die Seele. Charakterbildend ist, wenn man diese ganzen Leidensphasen auch durchmachen muss.

    Sehr schön und treffsicher formuluiert!

  • User
  • 13.08.2009 11:07:19 einrudithömmes

    Das ist vor allem eine polemische Unterstellung, herrgottnochmal... Als ob der Hoeneß keinen Charakter hätte, doh...

  • User
  • 13.08.2009 14:25:56 Toni1973

    find ich auch

  • User
  • 13.08.2009 17:20:49 Süüdkurvä

    er hat einen, aber einen anderen (anders ausgebildeten), das ist der kern.

  • User
  • 13.08.2009 20:53:21 TollCollect

    auf jeden Fall mal ein sehr unterhaltsames Interview, vielen Dank dafür!!

  • User
  • 14.08.2009 03:02:31 myslee

    Der hat mal gar keine Ahnung! Bis zu diesem Interview hatte ich wirklich Respket vor ihm ("Herr Lehmann" war Champions League), aber jetzt, da, wo er sich headline-mäßig als Nordlicht-Fan zitieren lässt... Geht ja mal gar nicht. Egal, wie gut das Interview ist!

  • User
  • 14.08.2009 10:19:05 L3v3l0rd

    Mir zuviel Studentenkopp-Gelaber.

  • User
  • 14.08.2009 10:20:08 L3v3l0rd

    CONTRA KURSIV-SCHRIFT!

  • User
  • 14.08.2009 10:52:12 einrudithömmes

    @L3: einfach auf "weiterlesen" klicken, dann ist es nicht mehr kursives Studentenkopp-Gelaber, sondern... äh, wie heisst das, normales...

  • User
  • 14.08.2009 11:08:49 Andreas Blenke

    Ich ignorier jetzt einfach mal den Troll und beziehe mich gleich auf myslee: Komisch bei mir verhielt es sich gerade andersrum.

    Dachte mir, »Naja der Regner, Musik und Bücher ja ganz lustig, aber muß man denn echt jeden Sepp und jede Trulla zu jedem Thema befragen?« (Hab auch noch immer nicht das unsägliche Interview vom noch unsäglicheren »Jan Delay« verdaut.)

    Aber dann war's doch sehr witzig, eben weil der Herr Regener schlicht zugibt, kaum Ahnung zu haben und alle popularitätsverheißenden Brücken des Interviewers einfach einreißt.

    Ist mir immer noch lieber als all die studierten Krämer und zeitgeistversessenden Werber, die alle vier Jahre mal wieder versuchen, den altgedienten Experten vorzutäuschen.

    Und seine Aussagen zur (Motivations-) Trainerproblematik und dem Thema »arme Fans bejubeln reichen Star« waren doch trefflich beobachtet.

    Ich fand's am Ende sehr kurzweilig.

    (p.s. Ihr glaubt doch nicht wirklich, daß Uli Hoeneß keine Leidensphasen kennt? Zeitweilig ist der Mann eine einzige Leidensphase.)

  • User
  • 14.08.2009 14:03:20 Atatenango

    Muss ich mich anschließen. Hätte dem Regener gar nicht zugetraut, dass er so daherlabern kann, denn ich hätte ihn viel studentischer eingeschätzt als dieses Interview ist. Obwohl ich ja schon glaube, dass der weiß, wie sich ne Million anfühlt.

    Aber ich muss ja auch mal die Journalisten loben, die das Interview geführt haben, zumal sie ja häufig genug auf den Deckel kriegen. Diese Frage hier find ich z.B. sehr gut: Ist es die Aufgabe des Fußballs, in einer pluralistischen Gesellschaft, in der es immer mehr Subkulturen gibt, ein Ort zu sein, an dem sich alle Menschen treffen können – in der Begeisterung, im Torschrei?

    Hab ich mir so noch nie so richtig Gedanken drüber gemacht. Aber es gibt sehr viele Leute mit denen ich zusammen im Stadion stehe oder in der Kneipe Fußball gucke, die würde ich im normalen Leben nicht mit dem Arsch angucken oder hätte einfach Nullkommanix mit denen zu tun...schöne Frage!

  • User
  • 14.08.2009 16:40:20 Andreas Blenke

    @Atatenango:

    Guter Hinweis. Das erinnert mich an etwas, das ein Anthropologe mal über den Fußball (bzw. populäre Sportarten mit großer Anhängerschaft überhaupt) sagte.

    Ein Fußballspiel im Stadion ist die zivilisatorisch sublimierte Fortsetzung unserer alten Stammeskriege: Man trägt seine Farben, jeder Stamm hat eigene Gesänge und die jeweils besten Krieger wurden ausgewählt, die Schlacht zu gewinnen.

    Damit wäre der Stamm im Stadion eine Gesellschaft im kleinen, die mit dieser Veranstaltung ein gemeinsames Ziel verfolgt; und genau so erlebe ich das auch.

    Das macht doch letztlich die Faszination des Sports aus; auch ist es deshalb im Stadion besser als vor dem Fernseher und vorm Fernseher in Gesellschaft besser als alleine.

    (Und deshalb ist es halt bei Real Hoppenhausen und Rattenbande Leipzig nicht so schön wie bei meinem VfL oder Deinem KSV.)

  • User
  • 18.08.2009 19:30:54 El Buitre

    Äh ja, is klar..

    Aber das Interview ist stark, der Regner ein Großer!

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