Der Sonderheft-Teamcheck
Geht Klopp zurück nach Mainz?
Text: Thorsten Schabelon Bild: Imago
Unser Sonderheft schließt Wissenslücken wie einst Günter Kutowski Löcher in der Dortmund Abwehr. Apropos Dortmund: Hier ist das Kapitel über den Zuschauerkrösus der Liga – als Vorgeschmack. Den Rest gibt's am Kiosk!
Gestatten, Borussia!
Eigentlich hätte Jürgen Klopp beim BVB einen auf Felix Magath machen können. In seiner ersten Saison hatte Klopp mit seiner Mannschaft die längste Siegesserie in der BVB-Bundesligageschichte aufgestellt, die wenigsten Spiele in der gesamten Liga verloren, nach Schießbudenfußball mit 62 Gegentreffern im Vorjahr diesmal die zweitwenigsten Gegentore kassiert und erstmals seit 1991/92 eine Spielzeit ohne Heimniederlage beendet.
Das war im ersten Halbjahr des 100-jährigen BVB-Jubiläums schon mal toll und super. Der größte Verdienst von Klopp allerdings: Die Dortmunder landeten vor Schalke 04 und sind endlich wieder die Nummer 1 im Revier. Was im Zweifelsfalle immer mehr zählt als die olle Meisterschale. Der Trainer hätte sich also als gefeierter Held gen Hamburg, Bayern oder Real Madrid verdünnisieren und in Gold aufwiegen lassen können. Aber Klopp wäre nicht Klopp, wenn er auf dem Weg zum Ziel das Pferd wechseln würde. »Im BVB steckt riesiges Potenzial. Das wollen wir nachhaltig wecken«, sagt er. So was kündigen zwar auch neue Trainer in Bielefeld oder Bochum immer an. Aber Klopp hat schon in der letzten Saison eine junge und inzwischen bemerkenswert eingespielte Mannschaft zusammengestellt. Nun wird sie durch die auf der Resterampe ergatterten Ergänzungen Markus Feulner, Dimitar Rangelov, Sven Bender und Kevin Großkreutz verstärkt. Der BVB will nicht noch einmal am letzten Spieltag die Europa League-Qualifikation verspielen.
Die erstaunliche Zahl
50.549 entspricht nicht nur dem gemeinsamen Zuschauerschnitt von Bayer Leverkusen und Arminia Bielefeld, sondern ist noch der einsame Bundesliga-Rekord für verkaufte Dauerkarten. Der BVB hat ihn vor zwei Jahren aufgestellt. Damals gab es zu jeder Dauerkarte ein Gratis-Trikot. Anfang August wird der Rekord aber fallen. Die Borussen werden dann etwa 51.000 Dauerkarten verkauft haben, obwohl es noch nicht mal ein Leibchen dazu gibt.
Das prophezeit der Lokaljournalist
»Der BVB wird besser abschneiden als letzte Saison, mindestens auf Platz 5 landen und sich für die Euro League qualifizieren. Die Spieler haben Jürgen Klopps Philosophie verinnerlicht. Die junge Mannschaft ist zusammengeblieben, eingespielt und hat ihr Potenzial längst nicht ausgeschöpft. Der Kader wurde insgesamt in der Breite verstärkt. Auf allen Positionen herrscht Konkurrenzkampf.« Willi Wittke (Westfälische Rundschau)
So wollen sie spielen
Eines hat Jürgen Klopp der Borussia von Anfang an ausgetrieben. Jenes grauenhaft gemächliche Angriffsspiel, das in kniffligen Situationen immer nur Quer- oder Rückpässe vorsah, so dass die Anhänger nach der Balleroberung erst einmal entspannt Bierholen gehen konnten. Stattdessen setzt Klopp auf Tempo, mit einem klassischen 4-4-2 mit Mittelfeldraute. In Ausnahmefällen dürfte er seinen Mainzer Tannenbaum mit einem 4-3-2-1 auf den Bundesliga-Rasen pflanzen. Wie in der ersten Klopp-Saison hat die Suche nach dem perfekten Gleichgewicht aus Offensive und Defensive oberste Priorität. Der intensiven wie entbehrungsreichen Arbeit gegen den Ball folgt nach der erfolgreichen Balleroberung das schnelle Umschalten, mit dem es ruckzuck nach vorne geht.
Aus Heft #93 Sonderheft 2009/10
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