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24.07.2009

Der Sonderheft-Teamcheck

Wer war noch mal Meyer?

Text: Bernd Schneiders  Bild: Imago

Unser Bundesliga-Sonderheft ist da – das Standardwerk zur Saison 2009/10. Keine Frage bleibt darin unbeantwortet, kein Auge trocken. Oder umgekehrt? Seht selbst – hier ist vorab das Kapitel über Borussia Mönchengladbach.

Der Sonderheft-Teamcheck - Wer war noch mal Meyer?


Gestatten, Borussia!

Dass er nicht gerade einen Ruf wie Donnerhall besitzt, weiß Michael Frontzeck. Der Mann mit dem blanken Schädel ist aber passionierter Kämpfer und Box-Liebhaber. Sein Hund heißt Tyson, sein Präsident stellte ihn erstaunlicherweise als »Mike« vor – nicht den Hund – und seine Parole für die 34 Runden in der kommenden Saison lautet: »Ich will es denen zeigen!« Denen, den Berufs- und Amateur-Skeptikern, schreibt er, bevor er ihnen womöglich in die Läppchen beißt, erst mal hinter die Ohren: »Auch wenn alles zu 100 Prozent läuft, muss man bei Klubs wie Alemannia Aachen oder Bielefeld damit rechnen, abzusteigen.« In einem Jahr kann er das rückblickend zu seinem Heimatarbeitgeber nicht mehr sagen. Frontzeck profitiert von den Aufräumarbeiten seines Vorgängers und Lehrmeisters Hans Meyer, den seine Rolle als Buhmann letztlich kirre gemacht hat, und einem Kader, der gut bestückt ist, aber genau das benötigt, was Sportdirektor Max Eberl beim Trainer-Casting als Frontzecks Primär-Qualität entdeckt zu haben glaubt: »Er formt die Spieler zu einer Mannschaft.« Ein Reflex auf die jüngere Vergangenheit: Dick Advocaat hatte auch einen individuell brauchbaren Kader zur Verfügung und scheiterte.



Die erstaunliche Zahl

4 Jahre Augenschmerzen. Mönchengladbachs Präsident Rolf Königs sieht und nennt das Produkt Borussia gerne »begehrt«. Und Gott weiß warum, weist er ebenso gerne darauf hin, warum nach fünf Jahren im neuen Borussia-Park der Stadionname immer noch nicht vermarktet wurde. »Unser Partner muss zu uns passen – auch farblich.« Doch nun ist farblich offenbar alles möglich. Denn der neue Hauptsponsor ist die Postbank, was sich in gut 4,5 Millionen Euro auf dem Konto des Klubs niederschlägt. Für Farbtraditionalisten bedeutet dies allerdings eine enorme Herausforderung: Das traditionelle Grün-schwarz-weiß wird jetzt auf der Arbeitskleidung durch einen gelben Balken aufgegrellt. Die Farbe der anderen Borussia.


Das prophezeit der Lokaljournalist


»Hans Meyer hat Borussia gerettet. Zum Erneuerer taugte er nicht mehr, weil er sich zu sehr in der Rolle des Zynikers verlor. Michael Frontzeck kann auf Meyers Vorarbeit aufbauen. Seine Teams waren immer gut organisiert, jetzt durfte er erstmals individuelle Qualität einkaufen. Südamerikanische Torsucht plus Frontzecks unaufgeregte Gradlinigkeit – das sollte reichen, um Gladbach die ganz große Abstiegsangst zu ersparen.« Karsten Kellermann (Rheinische Post)


So wollen sie spielen

Frontzeck hat die Raute im Herzen. Aber er trägt sie nicht spazieren. Der gebürtige Mönchengladbacher mag es auch nicht, wenn in Zeiten des Job-Hoppings neue Spieler nach einem erzielten Tor demonstrativ aufs Klub-Emblem zeigen. Die andere Raute ist ihm ebenso lieb, aber er behält sich Variationen vor. Raute, zwei Stürmer, kampfstarkes Mittelfeld – wichtiger sind ihm die Disziplin und Kompaktheit. Auch wenn nur wenige Gegner in der letzten Saison gegen seinen alten Klub verloren haben, war es doch für alle unangenehm, gegen Arminia zu spielen. Dazu aber muss in Mönchengladbach etwas hinzukommen, wie Neuzugang Marcel Meeuwis aus der Präsidenten-Kabinenansprache ausplauderte: »Mehr Spektakel.«



Aus Heft #93 Sonderheft 2009/10

Ab 23.07. am Kiosk


weiterlesen [1] [2]



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Kommentare

  • User
  • 24.07.2009 07:48:56 Django_27

    "Aufsteiger Mönchengladbach" - Schon wieder? Und wohin?

  • User
  • 24.07.2009 09:12:21 punkrock_sekretaer

    Endlich der verdiente Aufstieg in den Olymp - Wer braucht schon Bundesliga, DFB-Pokal, Champions League usw.... ;-)

  • User
  • 24.07.2009 10:17:03 Dirk Gieselmann

    Sorry. Ist verbessert. Ich steig freiwillig ab. Tschüss.

  • User
  • 24.07.2009 14:25:50 Ganna

    Was ich bei Gladbach nicht kapiere ist, dass die früher mal für unbeschwerten attraktiven Fußball mit geringen Mitteln standen. Damit haben die sich eine bundesweite Sympathie und Fangemeinde eingehandelt.
    Auch so Geschichten wie von der Fan-Kurve in den Profikader, machen einen Verein ja sympathisch.
    Und jetzt kommen diese "Geldexperten" und sprechen von einem Produkt. Die schönste Nebensache der Welt, bringen viele bislang mit dem Traditionsclub Gladbach in Verbindung, nicht mit einem Geldhaus.
    Ein Sponsor der zu Gladbach paßt? Also Postbank (gelb-blau-rot) und Gladbach (grün-weiß-schwarz), oder Zumwinkel und Königs?

  • User
  • 24.07.2009 15:11:13 einrudithömmes

    Wieso nicht? Wann hat denn Gladbach diese Art Fußball gespielt? Mit einer kleinen Ausnahme (mit Herrlich und Dahlin im Sturm) doch wohl seit den 70ern nicht mehr... in einer Epoche, in der Fußball nahezu flächendeckend unberschwert und attraktiv daherkommt. In verklärter Erinnerung, dem Studium von alten Spielmitschnitten und den Augenzeugenberichten. Es war mehr Platz auf dem Platz für den ballführenden Spieler, die Athletik trat hinter der Technik zurück und der Fußball war kein Ort, in dem kein taktisches Foul an der Mittellinie gleich Millionenverluste bedeuten kann.

    Jetzt können mir die historischen Experten gerne anders kommen, ja, da ist was an Hypothese dabei und nicht alles so 100%ig richtich, aber die Kernaussage steht.

    Vielleicht hast du die Frage dir auch einfach schon selbst beantwortet. Profifußball ist ein Produkt, und wodurch unterscheidet sich das Produkt... sagen wir... Fructis Shampoo vom Nivea Shampoo? Nicht mehr allzu viel Unterschied, wie ich finde.

  • User
  • 24.07.2009 16:10:22 Stinkbaer

    Welches der 12 Fructis-Shampoos vergleichst du jetzt mit welchem der 12 verschiedenen Nivea-Spezialshampoos? Und bist du dir bewusst, dass es Struktur-Ceramide nur bei Fructis gibt?

  • User
  • 25.07.2009 03:26:27 Ganna

    Ja, das ist das mit der historischen Verklärung. Sicher. Das ist ungefähr so, wie wenn ein Darsteller in einer Historien-Sendung von Rom als "Idee" fabuliert.
    Ich selbst habe Gladbach nie aus der Nähe oder genauer gesehen. Weder mit Netzer, als ich noch gar nicht richtig auf der Welt war, noch mit Matthäus oder Effenberg, die ich dort im Fernsehen gesehen habe (geile Zeit). Ich habe immer nur von dieser "Idee" von Gladbach gehört, die andere verbreiten.
    Um nochmal den Weltschmerz des Fußballs herauf zu beschwören:
    Wenn die Spieler selbst darauf kommen, dass sie ein Produkt verkaufen? Können sie dann noch unbeschwert spielen?
    "Ajatollah Paule" Breitner (Zitat Udo Lindenberg), war mal in irgendeiner Presse zu lesen oder zu sehen, hätte sich um Fußball aus Spaß zu spielen mit Freunden wo anders hin begeben. Das war vielleicht zu einer Zeit, als er einen Status hatte, der ihm solche öffentlichen Geständnisse erlaubte.
    Aber wo ist die Grenze? Man muss doch erstmal jedem Profi unterstellen, dass er das Ganze eigentlich wegen der Sache macht. Um dorthin zu kommen, muss man so viel investieren, dass man kaum Alternativen wahrnehmen kann. Was sollte ein Profi also anderes machen als Fußball spielen? Und naja, dann wird aufgrund der opulenten Nachfrage eben gezockt. Selbst der Vorletzte bekommt noch was vom Kuchen...
    Letztlich stellt man wahrscheinlich mit dieser Produkt-Sache den Profi-Sport selbst in Frage. Okay.
    Fußball ist zwar meistens relativ langweilig zum zuschauen, aber macht reziprok mehr Spaß selber zu spielen (meine Meinung)!
    Trotzdem gibt es Organisatoren oder Funktionäre, die einen Einfluss auf die Richtung und das drum herum haben. Das spiegelt sich dann mehr oder weniger deutlich auf dem Platz wieder. Und das ist der Ansatz der Kritik. Der Unterschied zwischen einem definierten Produkt und einem Wettkampf mit undefinierten Ausgang ist irgendwie nicht allgemein bekannt. Und wenn ich das in einen Topf werfe bleibt ein "Geschmäckle", mal abgesehen von solchen Dingen wie Tradition.
    Man kann es jemandem, der sich dem Wohl und Wehe seines Vereins verschrieben hat, halt schlecht erklären, warum andere dieses ideelle Gut nur als ein Produkt sehen, wie wiederum andere eine "Flasche leer".
    Ich weiß auch nicht so genau.

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