Der Sonderheft-Teamcheck
Wer war noch mal Meyer?
Text: Bernd Schneiders Bild: Imago
Unser Bundesliga-Sonderheft ist da – das Standardwerk zur Saison 2009/10. Keine Frage bleibt darin unbeantwortet, kein Auge trocken. Oder umgekehrt? Seht selbst – hier ist vorab das Kapitel über Borussia Mönchengladbach.
Gestatten, Borussia!
Dass er nicht gerade einen Ruf wie Donnerhall besitzt, weiß Michael Frontzeck. Der Mann mit dem blanken Schädel ist aber passionierter Kämpfer und Box-Liebhaber. Sein Hund heißt Tyson, sein Präsident stellte ihn erstaunlicherweise als »Mike« vor – nicht den Hund – und seine Parole für die 34 Runden in der kommenden Saison lautet: »Ich will es denen zeigen!« Denen, den Berufs- und Amateur-Skeptikern, schreibt er, bevor er ihnen womöglich in die Läppchen beißt, erst mal hinter die Ohren: »Auch wenn alles zu 100 Prozent läuft, muss man bei Klubs wie Alemannia Aachen oder Bielefeld damit rechnen, abzusteigen.« In einem Jahr kann er das rückblickend zu seinem Heimatarbeitgeber nicht mehr sagen. Frontzeck profitiert von den Aufräumarbeiten seines Vorgängers und Lehrmeisters Hans Meyer, den seine Rolle als Buhmann letztlich kirre gemacht hat, und einem Kader, der gut bestückt ist, aber genau das benötigt, was Sportdirektor Max Eberl beim Trainer-Casting als Frontzecks Primär-Qualität entdeckt zu haben glaubt: »Er formt die Spieler zu einer Mannschaft.« Ein Reflex auf die jüngere Vergangenheit: Dick Advocaat hatte auch einen individuell brauchbaren Kader zur Verfügung und scheiterte.
Die erstaunliche Zahl
4 Jahre Augenschmerzen. Mönchengladbachs Präsident Rolf Königs sieht und nennt das Produkt Borussia gerne »begehrt«. Und Gott weiß warum, weist er ebenso gerne darauf hin, warum nach fünf Jahren im neuen Borussia-Park der Stadionname immer noch nicht vermarktet wurde. »Unser Partner muss zu uns passen – auch farblich.« Doch nun ist farblich offenbar alles möglich. Denn der neue Hauptsponsor ist die Postbank, was sich in gut 4,5 Millionen Euro auf dem Konto des Klubs niederschlägt. Für Farbtraditionalisten bedeutet dies allerdings eine enorme Herausforderung: Das traditionelle Grün-schwarz-weiß wird jetzt auf der Arbeitskleidung durch einen gelben Balken aufgegrellt. Die Farbe der anderen Borussia.
Das prophezeit der Lokaljournalist
»Hans Meyer hat Borussia gerettet. Zum Erneuerer taugte er nicht mehr, weil er sich zu sehr in der Rolle des Zynikers verlor. Michael Frontzeck kann auf Meyers Vorarbeit aufbauen. Seine Teams waren immer gut organisiert, jetzt durfte er erstmals individuelle Qualität einkaufen. Südamerikanische Torsucht plus Frontzecks unaufgeregte Gradlinigkeit – das sollte reichen, um Gladbach die ganz große Abstiegsangst zu ersparen.« Karsten Kellermann (Rheinische Post)
So wollen sie spielen
Frontzeck hat die Raute im Herzen. Aber er trägt sie nicht spazieren. Der gebürtige Mönchengladbacher mag es auch nicht, wenn in Zeiten des Job-Hoppings neue Spieler nach einem erzielten Tor demonstrativ aufs Klub-Emblem zeigen. Die andere Raute ist ihm ebenso lieb, aber er behält sich Variationen vor. Raute, zwei Stürmer, kampfstarkes Mittelfeld – wichtiger sind ihm die Disziplin und Kompaktheit. Auch wenn nur wenige Gegner in der letzten Saison gegen seinen alten Klub verloren haben, war es doch für alle unangenehm, gegen Arminia zu spielen. Dazu aber muss in Mönchengladbach etwas hinzukommen, wie Neuzugang Marcel Meeuwis aus der Präsidenten-Kabinenansprache ausplauderte: »Mehr Spektakel.«
Aus Heft #93 Sonderheft 2009/10
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