Gespaltene Fanlager beim KSC
Sturm überm Wildpark
Text: Benjamin Wedewart Bild: Imago
Seit Monaten gibt es in Karlsruhe gespaltene Lager – die Stimmung ist auf dem Tiefpunkt. Während ein Teil der Ultraszene seinem Ärger über den Verein Luft macht, schwören die anderen Anhänger ihrer Führungsriege die Treue.
Die Euphoriewelle, die vor zwei Jahren über Karlsruhe hinwegschwappte, hat spätestens seit dem besiegelten Abstieg in die 2. Liga an Höhe verloren. War man doch mit den großen Vereinen auf Augenhöhe, ließ man bei vermeintlich schwächeren Gegnern die Punkte liegen. Nach dem Ausverkauf bei den Badenern und der verstrichenen Zeit, sollte man meinen, dass nun endlich Ruhe einkehrt – falsch gedacht. Das Team von Trainer Ede Becker, das sich momentan im Trainingslager in Baiersbronn befindet, hat alle Mühe, neue Spieler für die kommende Runde zu verpflichten.
»Wir dürfen uns keinen Fehlschuss erlauben«
Dachten die meisten Anhänger, dass nach dem Transfer von Stefano Celozzi zum Erzrivalen VfB Stuttgart das Geld locker sitzt, muss Rolf Dohmen, Manager des KSC, die Wogen glätten und auf Sparflamme kochen. »Das Präsidium hat einen Businessplan vorgelegt, und aus diesem ergibt sich in Absprache mit dem Verwaltungsrat, wie viel Geld wir ausgeben dürfen und wie viel Ablösesumme wir zahlen können. Das bestimme nicht ich«, konstatierte Dohmen und fügte an: »Wir dürfen uns keinen Fehlschuss erlauben. Es kann länger dauern, zur Not bis zum ersten Spieltag.«
Dohmen hätte sicherlich die ein oder andere Sorge weniger, wenn sich endlich einmal was im Wechselspiel um Dino Drpic und Markus Miller abzeichnen würde. Kristijan Lopac, Spielerberater des kroatischen Nationalspielers Drpic, sagte: »Es gibt konkretes Interesse mehrerer Vereine, sowohl eines Topvereins aus der Primera Division, wie auch der Bundesliga. Wir müssen das wohlüberlegt entscheiden und hoffen für alle Beteiligten, dass es bis zum Ende der Woche Gewissheit gibt.« Drpic, der sich in Deutschland »pudelwohl« fühlt, würde »am liebsten weiter in der Bundesliga spielen«, auch in Hinsicht auf seinen Platz in der kroatischen Nationalmannschaft und der kommenden Weltmeisterschaft.
Wäre da nicht noch die Ungewissheit um Ladenhüter Markus Miller. Killer-Miller, wie sie ihn in Karlsruhe voller Ehrfurcht skandierten, der vor Beginn der letzten Runde Offerten aus der Premier League und der Bundesliga hatte, findet nach einer schwachen Saison keine Festanstellung bei einem neuen Verein und belastet die Blau-Weißen, auf Grund seines noch laufenden Vertrages bis zum 30.06.2010, finanziell schwer. Mögliche Interessenten gibt es momentan nicht.
»Ich kann meine Angelegenheiten von überall klären«
Unmut macht sich derweil unter den Fans breit, weil Manager Dohmen, bis vor wenigen Tagen, in dieser entscheidenden Phase 14 Tage auf Sylt in seinem Jahresurlaub weilte. Polemische Zungen behaupteten sogar, dass Dohmens Akkuladegerät für seinen Blackberry wohl in Karlsruhe läge und deshalb keine Transfers zustande kämen. Doch Dohmen erwiderte, dass von Urlaub nicht die Rede sein könne. Er habe täglich mehrere Stunden gearbeitet. »Unabhängig davon, ob ich auf Sylt oder in Karlsruhe bin, kann ich meine Angelegenheiten von überall klären. Wer das nicht nachvollziehen kann, hat keine Ahnung vom Fußballgeschäft.«
Fakt ist jedoch, dass der KSC just 18 Lizenzspieler im Kader hat. Mit 16 Spielern plant man für die kommende Runde, da Drpic und Miller wegfallen werden. Massimilian Porcello wird wegen seiner Kreuzbandoperation dem KSC nicht vor Februar 2010 zur Verfügung stehen. In der Folge hat man nur 15 einsatzfähige Lizenzspieler. Man muss sich noch dringend in der Breite verstärken und »noch drei Spieler holen«, so Becker.
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