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Nach dem Polizeieinsatz im »Jolly Roger«

»Straftäter in Uniform!«

Text: BallKult e.V./Jolly Roger  Bild: Imago

Als die Hamburger Polizei die St.Pauli-Fankneipe »Jolly Roger« stürmte, hinterließ sie zahlreiche Verletzte. Der Innenausschuss wäscht seine Hände in Unschuld. Nun meldet sich das »Jolly Roger« zu Wort. Wir dokumentieren das Schreiben.

Nach dem Polizeieinsatz im »Jolly Roger« - »Straftäter in Uniform!«


Mit Fassungslosigkeit ist unsere Gemütslage noch unzureichend beschrieben, die uns am heutigen Morgen überkam, nachdem wir Berichte über die gestrige Sitzung des Innenausschusses zur Kenntnis nehmen mussten.

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Dort sagte Einsatzleiter Born unter anderem: »Die Beamten wurden aus der Kneipe heraus mit Flaschen, Gläsern, Barhockern und Glasaschenbechern beworfen.« Die Polizisten hätten sich mit Pfefferspray gewehrt.

Alleine die mittlerweile öffentlich zu betrachtenden Videos beweisen deutlich, dass sich da niemand gewehrt hat, sondern dass die Polizei massiv Gas in das Lokal gesprüht hat, ohne eine Vorgeschichte wie oben erwähnt. Auch kein Wort davon, dass oder warum man einem vor dem Lokal stehenden Gast mit einem Tonfa vier Zähne ausgeschlagen hat.

Ebenfalls lesen wir nicht den Hauch von Selbstkritik, ob bei dem Einsatz alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Ein Gedankengang, den wir selbst der Hamburger Polizei nach einer Demonstration mit 4.000 Teilnehmern am vergangenen Freitag zugetraut hätten. Stattdessen fortwährendes Beharren auf der Rechtmäßigkeit eines Vorgehens, welches viele Menschen in dieser Stadt und darüber hinaus empört.

Fast schon komödiantisch (obwohl uns beileibe nicht zum Lachen ist) mutet Borns Aussage an, wenn man sich vergegenwärtigt, dass es physikalisch fast unmöglich ist, die genannten Gegenstände durch den schmalen Eingang des Jolly Roger zu werfen. Stammgast Rollo F.: »Ich wette acht Cola und acht Bier, dass Herr Born es nicht schafft, nachts um 2 nach 5 Stunden Party aus 3 Metern Entfernung einen Barhocker durch die Tür zu werfen.«

Ist die Aussage vor dem Innenausschuss das Ergebnis des stümperhaften Ausspähversuchs vom letzten Mittwoch? Wie bereits berichtet, haben in der vergangenen Woche zwei Zivilbeamte des PK 16 das Jolly Roger unter dem mehr als peinlichen Vorwand ausgekundschaftet, angeblichen Beschwerden von Gästen über verschmutzte Toiletten nachzugehen. Nachdem die Suche nach vermeintlichen Fluchtwegen für Straftäter nicht erfolgreich war, hat man sich jetzt offenbar intern auf die Erfolg versprechendste Ausrede festgelegt, nachdem zuvor bereits zwei andere Versionen des Hergangs verbreitet wurden. Zunächst war es ein von einem Journalisten geworfener Böller, dann Flaschen und nun Barhocker.

Was kommt als Nächstes? Blendgranaten? Atombomben?

Wie auch immer, Hand in Hand mit den Opfern nehmen wir zur Kenntnis, dass die Polizei offensichtlich nicht willens ist, den skandalösen Vorgang selbstkritisch aufzuklären, um Rechtsbrecher in den eigenen Reihen zu belangen und die Lage zu befrieden. Wir ziehen unsere Schlüsse daraus und werden entsprechend reagieren. An eine parlamentarische Sommerpause fühlen wir uns zumindest nicht gebunden und fordern weiterhin:

Rücktritt von Innensenator Ahlhaus!

Konsequentes Verfolgen von Straftätern in Uniform!

Kennzeichnungspflicht für Polizeibeamte!

Versetzung des Einsatzleiters Born zum Bezirklichen Ordnungsdienst, Abteilung Hundekot!

Hamburg, d. 15.07.09 BallKult e.V./Jolly Roger




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Kommentare

  • User
  • 15.07.2009 16:29:44 Rhoenschaf

    Der glaubt doch ernsthaft das wir ein einem Rechtsstaat leben :D:D:D sehr erheiternd.......wird Zeit das wieder für Spiele gesorgt wird und die Buli wieder los geht das ich den ganzen Scheiß einfach ignorieren kann.

  • User
  • 15.07.2009 16:44:25 AbteilungAttacke

    Ohne jetzt zynisch klingen zu wollen - aber wenn der Sachverhalt so ist, wie oben beschrieben und sich die Verfasser in ihren Rechten verletzt fühlen, sollten sie sich gerichtlichen Rechtschutz bemühen und feststellen lassen, ob das polizeiliche Vorgehen rechtmäßig war.

  • User
  • 15.07.2009 16:56:52 Arthur77

    AA, schon an dem Abend wurden zwei Anzeigen gemacht. Bin mal gespannt, was dabei rauskommt... Wie, nichts? Wassne Überraschung.

  • User
  • 15.07.2009 16:59:45 Hotte80

    AA! Hehehe...

  • User
  • 15.07.2009 17:11:31 AbteilungAttacke

    Naja - ich mache mir da auch nix vor, auch ohne die Feinheiten des POR zu kennen. Überspitzt gesagt, wenn die Polizei irgendwie nachweisen kann, dass auch nur der Hauch von Gefahr ausging oder in der Luft lag, ist es zu 99,9% klar, wie die Gerichte entscheiden werden. Hamburgs Polizei verdanken wir eh einige

    Und auch ohne Ahnung von der Fanszene in Hamburg zu haben, mußtmaße ich mal, dass nicht Sangesbrüder und Betschwestern das Jolly Roger frequentieren.

    Aber andererseits, wer nicht kämpft... - zudem wir in der Vergangenheit der Hamburger Polizei auch einige hübsche Urteile bezüglich rechtswidriger Polizeimaßnahmen verdanken.

  • User
  • 15.07.2009 17:27:40 BigKahoona

    Schön sit in dem Zusammenhang dann auch das folgende Foto:
    Link

    Besonders wenn man bedenkt, dass es in SH nur eine BFE-Einheit gibt und diese an dem Angriff aufs Jolly beteiligt war.

  • User
  • 15.07.2009 17:31:02 Arthur77

    Wie's aussieht müssen die nix nachweisen, es genügen Behauptungen. Nach allem, was ich dazu gehört habe, war es tatsächlich eine friedliche Geburtstagsparty, bei der keine Schanzen-Randalinskis waren (das war die erste "Begründung" der Polizei: Randalierer seien in Richtung des Jolly gelaufen).

    Hast zwar recht, die personifizierte Harmlosigkeit ist kein Stammgast da, nur ist das keine Begründung für so einen Einsatz. Ich finde es bemerkenswert, dass niemand verhaftet wurde und nicht mal irgendwelche Personalien aufgenommen wurden. Zeigt meines Erachtens nach schon, worum es dabei ging: Auf die Fresse. Das ist einfach nicht meine Idealvorstellung von seriöser Polizeiarbeit...

    (Wieso Hehehe? Ich hoffe, "AA" kam nicht beleidigend rüber!)

  • User
  • 15.07.2009 18:44:03 JohnnyBravo

    Berichte über Polizeigewalt gegen Fans gibt es zuhauf auf der Internetseite Fansmedia.org. Teilwiese echt heftig, wie da auf Fans eingeprügelt wird!

  • User
  • 15.07.2009 18:53:58 Jonny Kuster

    Moin Rhoenschaf, bin auf Deine Reaktion gespannt, wenn Ihr mal wieder auf die Fresse bekommt. Bremen schon vergessen??

  • User
  • 15.07.2009 19:06:34 schappi1848

    Ach mein Gott, ist das alles fürchterlich. Randalemacher die sich mit menschlichen Schutzschildern tarnen, pöbeln, Flaschen werfen und Gewalt in irgendeiner Form ausüben haben mein vollstes Mitleid. Sollen sich die Gewalttäter doch stellen - nein, Sie suchen doch die Nähe zu Normalfans. So können alle behaupten, dass sinnlos auf Leute eingeknüppelt wird.
    Das ist dreckige Kriegsführung. Alles feige Säcke!

  • User
  • 15.07.2009 19:43:31 Edelreservist

    Typisch scheiß HH. Ne Kneipe vom scheiß HSV hätten die nie gestürmt. Ich z.B. bin verdächtig, weil ich mit einem Werder-Trikot in der Werderblock wollte. Ein Polizist hat es mir ins Gesicht gesagt.

  • User
  • 15.07.2009 19:47:01 Hotte80

    Niedlich...

  • User
  • 15.07.2009 21:40:28 AbteilungAttacke

    Ne ne keine Sorge Hotte^^

    Das mit dem Behaupten und Beweisen ist leider in der Tat so eine Sache...

    Rechtlich wirds niemand überraschen, dass man mit dem Gefahrenbegriff in nahezu jedem Landesrecht polizeiliche Maßnahmen einleiten kann, ohne dass auch nur irgendwo irgendwie wirklich ein Rechtsgut gefährdet ist.

    Beweislastmäßig wirds vor Gericht auch nicht so geil ankommen, wenn die Geburtstagsfeierer allesamt oder größtenteils polizeibekannt waren.

    Ein wenig Hoffnung aber kann man ja doch haben - wenn ggf. zumindest Videos die eindeutige Unverhältnismäßigkeit einzelner Aktionen beweisen.

  • User
  • 16.07.2009 05:39:47 El Buitre

    Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass solche Prozesse angestrengt durch unrechtmäßige, butale und Unschuldige verletzende (und das mein ich so) Dursuchungen von Kneipen-Bar-Jugendhäuser-Treffpunkten nichts bewirken und nur Geld kosten. So wie ich es las, hat Attacke da andere Erfahrungen gemacht, wäre schön.
    Zum speziellen Fall hier, wäre es besser, es würden sich nur Betroffene melden. Denn pauschale Vorverurteilungen sind weder fair, noch sehr passend.

  • User
  • 16.07.2009 11:10:15 lfsinger

    habe mich näher mit der geschichte beschäftigt und kenne auch ein, zwei menschen die an dem Abend zugegen waren. interessant finde ich vor allem, das die Polizei weder verhaftungen vorgenommen, noch personalien aufgenommen hat. zwei eigentlich obligatorische Vorgehen bei einsätzen. zumal ja eigentlich auch irgendein straftatlicher sachverhalt, bzw. irgendein vergehen vorliegen muss, damit die beamten vorgehen können. oder wenigstens ein verdacht. und wenn man wen verdächtigt, muss man auch seine personalien aufnehmen, und/oder u-haft. etc.
    gut finde ich, dass der verein (zu mal auch einige mitarbeiter bei der privaten veranstaltung im j.r. waren), sich auch eingeschaltet hat. da sind auch einige bei der demo mitgelaufen etc. und haben tv-interviews gegeben.
    per se ist ja police-brutality in der ecke der stadt nix neues.
    man kann halt von einer horde gewaltbereiter i*****n keine deeskalation erwarten (das gilt sowohl für die staatsdiener, als auch für die freundlichen steineschmeißer in schwarz)
    entschuldigen sie die länge des kommentars:-)

  • User
  • 16.07.2009 11:10:47 AbteilungAttacke

    Naja, andere Erfahrungen ist gut - es sind halt die Ausnahmen, aber sie gibt es.
    Mit dem Grundsätzen der Gefahr bzw. deren effektiven Abwehr kann jeder Richter, so er will, nahezu jeden Einsatz rechtfertigen, solange die Polizei, überspitzt gesagt, nicht jemand totschlägt.

    Bezüglich des Sachverhaltes seh ich das wie El Buitre. Man ist einfach zu weit weg und es gibt immer mindestens zwei Seiten eines Geschehensablaufes. Aber aus Erfahrung spreche ich bei der Annahme, dass beide Seiten nicht ganz Unschuldig sind.

    Woran erkennt man, dass der Zeuge lügt ? Er macht den Mund auf....

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