Die Geschichte der Fußballfans

11FREUNDE-Spezial: Nr. 1

Die Geschichte der Fußballfans

Neu hier? Alle Infos zu 11Freunde Community
11.05.2010

Bernd Schneiders Karriereende

Schnix kann nicht mehr

Text: Marco Weber  Bild: Imago

Bernd Schneider hat aufgehört – am Tag, als Michael Jackson starb. Der Tod des Megastars verdrängte ihn aus den Schlagzeilen. Also noch mal: Wir werden »Schnix« nie wieder spielen sehen. Ein wehmütiger Rückblick.

Bernd Schneiders Karriereende - Schnix kann nicht mehr


»Diese Entscheidung ist mir sehr schwergefallen, ich trage aber Verantwortung für meine Familie und folge daher dem Ratschlag meiner Ärzte«. Mit diesem Satz beendete Bernd Schneider, der wohl technisch talentierteste Fußballer, den Deutschland in den letzten zwanzig Jahren hervorgebracht hat, seine große Karriere.



Schuld ist ein Bandscheibenvorfall, den er sich im April 2008 zugezogen hat. Bei einer neuerlichen ärztlichen Untersuchung kam jetzt heraus, dass das Rückenmark zu sehr beschädigt ist, um die Karriere fortzusetzen.

»Hiobsbotschaft für Löw, Schneider fällt für die EM aus«, hieß es 2008. Besonders tragisch, da die EM sein letztes großes Turnier werden sollte. Doch der Rückschlag sollte ihn nicht aufhalten, umgehend ließ er sich in Hannover operieren und kämpfte fast ein ganzes Jahr lang für sein Comeback in der Bundesliga, 18 Jahre nach seinem ersten Profispiel.

Hobby: Schnicken


Bernd Schneider galt nie als Riesentalent, er bekam keine Vorschusslorbeeren ab und gab auch nicht schon mit  Anfang 20 sein Debüt in der Nationalmannschaft. Angefangen zu kicken, oder besser zu »schnicken«, wie er es mit seinen Freunden immer nannte, hat er in seiner Heimatstadt Jena. Da er vom Schnicken nicht genug bekommen konnte, hatte er schnell seinen Spitznamen weg. Bei Carl Zeiss Jena eiferte »Schnix« seinem Vorbild Diego Maradona nach. Das Gefühl im Fuß und der Hang zu den besonderen Dingen, das zeichneten ihn schon immer aus. Er war einer, der mal ein Großer werden könnte. Das er irgendwann die bundesdeutsche Nationalmannschaft aufs Feld führen würde, daran war allein schon aus politischen Gründen nicht zu denken.

Mit 17, kurz nach der Wende, durfte er zum ersten Mal in der Jenaer Zweitligaelf ran, drei Jahre später hatte er sich fest in die Mannschaft gespielt und schaffte mit seinem Club den Wiederaufstieg in Liga Zwei, wo er sich als torgefährlicher, offensiver Mittelfeldspieler für höhere Aufgaben empfahl. Ganz nebenbei gewann er in der Aufstiegssaison mit seiner Mannschaft den Thüringenpokal, es sollte der einzige Titelgewinn seiner Karriere bleiben. Nach dem Abstieg 1998 verließ Schneider erstmals für längere Zeit die Thüringische Heimat und ging zu Eintracht Frankfurt, um mit 24 sein Bundesligadebüt zu feiern.

In einer chaotischen Saison mit drei verschiedenen Trainern war Schneider eine der Konstanten im Team, erzielte vier Tore und bereitete sieben Treffer vor. Das weckte Begehrlichkeiten bei anderen Clubs, und noch vor Ende der Saison unterschrieb er einen Vertrag bei Bayer Leverkusen. Bevor es mit Bayer in die Champions League ging, stand aber noch das Abstiegsendspiel gegen Kaiserslautern an. Bis heute unvergessen gewann die Eintracht nach der torlosen ersten Halbzeit mit 5:1 und schaffte den nicht mehr für möglich gehaltenen Klassenerhalt. Das 4:1 erzielte der überragende Schneider per Volleyschuss nach Flanke von Chen Yang.

Zur Belohnung wurde er im Sommer für den Confed-Cup nominiert und feierte sein Länderspieldebüt, allerdings mit einer Mannschaft, die nicht mal den Ausdruck »B-Elf« rechtfertigen konnte. Der Start zu einer großen Nationalmannschaftskarriere hätte besser laufen können. Auch bei Bayer tat sich Schneider am Anfang schwer und war lange nicht die Führungspersönlichkeit, die wir heute kennen.

Einen Meilenstein in der Karriere stellt die Saison 2001/2002 da. Mit der Mannschaft um Ballack, Kirsten, Zé Roberto und Lucio spielte Bayer eine Saison, die ihnen niemand zugetraut hatte. Sie schossen Manchester United und Liverpool aus der Champions League, standen kurz vor der Meisterschaft und zogen ins Pokalfinale ein. Und ein Mann ist aus der Startaufstellung nicht mehr wegzudenken: Bernd Schneider. Auf seiner Position im halbrechten Mittelfeld setzt er die Angreifer immer wieder blendend in Szene und sorgt für die besonderen Momente, wie man es sonst nur von Südamerikanern kennt. Schnell hat er seinen Ruf weg als »weißer Brasilianer« und als letzter deutscher Straßenfußballer. Schneider, längst kein Vorzeigeprofi, der auf Zigaretten verzichten könnte, hat nie viel von solchen Klischees gehalten.


weiterlesen [1] [2]



---
News, Interviews, Blogs, Statistiken und Service zu: Bayer Leverkusen






Ähnliche Artikel

Kommentare

  • User
  • 29.06.2009 18:25:37 Würzburger

    Der einzige Leverkusener, den ich wirklich mochte. Ein wirklich toller Spieler und bescheidener Mensch. Schade!

  • User
  • 29.06.2009 19:23:54 roone

    Wer ist gestorben?

  • User
  • 29.06.2009 20:41:04 wojcicki

    Ich glaube Gott ..!?

  • User
  • 29.06.2009 23:54:46 montares

    Schade!
    Hatte gehofft er kommt nochmal für eine Saison nach Frankfurt zurück :)
    Einer der sympathischsten Kicker, die ich hier je sah!

  • User
  • 30.06.2009 01:18:24 Jason90

    Der Schnix war definitiv ne Hausmarke. Ich als BVB-Fan muss ehrlich sagen, dass ich ihn ins Herz geschlossen habe ;-) Eine Erinnerung ist das Spiel Leverkusen gegen meine schwarzgelben im Westfalenstadion 2006... Wir standen zum bislang einzigen mal unten am Zaun und kurz vor Schluß gab es eine Ecke für Leverkusen. Schnix stand auf der Linie und wir rufen ihm zu. Er hat sich tatsächlich umgedreht und zurückgewunken... Die Frage ist natürlich welcher Fan ruft ernsthaft einen Gegner um ihn zu grüßen? :-D Wir haben es gemacht, es war ja der Schnix ;-) Verdient hat er es sich, aber lustigerweise passt das Ende der Geschichte wie die Faust aufs Auge, bzw. ist eine lustige Parallele zu seiner Karriere. Denn natürlich führte die Ecke zum 1:2-Anschluss für meine Schwarzgelben. Das ist das einzigste Tor für den BVB das mir tatsächlich ein wenig peinlich war, da es mir für Bernd Schneider leid tat :-D

    hier das passende video dazu, man kann schnix sehen wie er winkt:

    http://www.myvideo.de/watch/773618/Amedick_1_2_geg en_Leverkusen

    woaw bin ich immer noch stolz da drauf ;-D

  • User
  • 30.06.2009 17:56:31 AbteilungAttacke

    Mein Ex-Trainer hat immer behauptet, dass er mit Schneier in der Lehre war, er sie beendete, Schnix aber nicht und man nun sehen könne, wo er sei und wo Schneider sei. Ob die Geschichte wohl stimmt ? Weiß jemand was über Schneiders Biographie diesbezüglich ...?^^

  • User
  • 30.06.2009 20:26:33 Marco Weber

    Bernd Schneider auf seiner Homepage:
    »Eine Lehre zum Zerspannungsmechaniker habe ich angefangen, aber nach ungefähr einem dreiviertel Jahr abgebrochen. Auf der Kinder- und Jugendsportschule in Jena war es üblich, dass man eine Ausbildung gemacht hat. Aber als ich damit begonnen habe, war alles nicht mehr so gut organisiert, weil sich die DDR ja auch nach und nach aufgelöst hat. Und außerdem hat sich bei mir die Karriere als Fußballer so gut und schnell entwickelt, dass ich dann auf die Absicherung durch einen Beruf verzichtet habe. Es wäre vom Zeitlichen auch gar nicht mehr zu schaffen gewesen.«
    Beste Grüße

zum Forum

Logge Dich ein, um einen Beitrag zu schreiben!

VON DEN LESERN EMPFOHLEN



DIE AKTUELLE UMFRAGE

Und bei euch so?

Chaos dahoam!
Trauer dahoam!
Freude dahoam!
Wut dahoam!
Lasst mich mit diesem »dahoam« endlich in Ruhe!




Marcel Ketelaer über Freunde, Hierarchien und Gladbach


Wie heißen noch mal die Söhne von Martin Jol?

  • Cock
  • Dick

Das Tagesticker-Archiv

11Freunde Liveticker

11FREUNDE @ TWITTER

Wer ist der größte deutsche Spieler der letzten 20 Jahre?

Matthäus
Schneider
Klinsmann
Völler
Häßler
Brehme
Sammer
Ballack
Effenberg
Kahn
andere