Best of 2009: Begegnung mit dem Großtrainer
Hans Meyer, Ozean
Text: Dirk Gieselmann Bild: Imago
Hans Meyer, so die Legende, massakriere liebend gern Journalisten. Ganz schön blöd also, dass die Redakteure Kirschneck und Gieselmann zu spät zum Interview für die neue Ausgabe kamen. Ob sie überlebten, lest Ihr hier.
Sic transit gloria mundi: Die Nürnberger Taxifahrerin weiß nicht, wer Hans Meyer ist. »Pokalsieg? In welcher Sportart? Und wann soll das gewesen sein? Aha.«
Und mit dem Namen des Großtrainers ist ihr auch die Lage des Gässchens entfallen, in der er wohnt. »Wo soll das sein? Hier in Nürnberg? Nie gehört.«
Zu spät zu einem Interview mit Meyer zu kommen – eine Erfahrung, die man nicht machen möchte. Wir sind dennoch im Begriff. Die Taxifahrerin klappt eine angegammelte Karte (mutmaßlich von Nürnberg) auf, findet etwas daran ziemlich witzig und gibt dann fröhlich Gas.
Sie, Kollege Kirschneck und ich – wir drei fahren irgendwo hin.

Noch fünf Minuten bis zum vereinbarten Termin mit dem Zampano. Wird er uns, wenn wir zu spät kommen, überhaupt noch empfangen? Im Radio läuft was von Erasure. Die Taxifahrerin, sie kurvt in der diffusen Hoffnung, Meyer möge uns zufällig vor den Kühlergrill laufen, durch die Altstadt. »Pokalsieger, sagten Sie? Ist ja doll.« Straßenschilder fliegen vorüber, Kollege Kirschneck äugt hinaus. »Da!«, schreit er plötzlich. »Da ist es!« – »Was?«, returniert die Taxifahrerin gelassen, während das eben erst entdeckte Schild am Horizont verschwindet. »Na, die Straße! Wo er wohnt!«, kreischen wir. »Wer?«, will sie wissen, hinter einer pinkfarbenen Phantasiesonnenbrille von der Größe eines Hollandrades kann man schließlich nicht alles mitbekommen. »Halten Sie an«, befiehlt Kirschneck grantig. »Wir gehen zu Fuß weiter«
In erbarmungsloser Selbstverachtung dem Unheil entgegen
Noch zwei Minuten. Mit einem Mal ist die Möglichkeit, dass wir zu spät kommen, von der Wirklichkeit nur noch wie durch ein Blatt Papier getrennt. Hans Meyer hat Journalisten schon wegen wesentlich kleinerer Vergehen gegrillt. Schweiß rinnt von unseren Stirnen hinab aufs Pflaster der Nürnberger Altstadt, Meyer wächst auf 3,50 Meter, hat Pranken und isst gern Leute wie Kirschneck und mich. Einfach zwischendurch, wenn der kleine Hunger kommt. Happs! Kirschneck tot, ich auch tot.
Ich möchte abreisen, doch der Kollege prescht in erbarmungsloser Selbstverachtung dem Unheil entgegen. Naja, wär' ja auch schade um die vielen schönen Fragen. »Wollte der FC Bayern Sie eigentlich mal verpflichten, Herr Meyer?« Als ob der Rekordmeister Menschenfresser engagieren würde.
Ergänzung zu Heft #92 07/2009
---
News, Interviews, Blogs, Statistiken und Service zu: 1.FC Köln, Borussia Mönchengladbach, Hertha BSC









