Zur Lage des Fußballs im Osten
Kein Geld schießt keine Tore
Text: Mathias Ehlers Bild: Imago
Nach dem Abstieg von Energie Cottbus geht die Bundesliga in ihre zweite Nachwendesaison ohne einen Verein aus dem Osten. Woher rührt der schleichende Niedergang zwischen Ostsee und Erzgebirge? Eine Spurensuche in der Zeit seit 1989.
3 Jahre hat es gedauert, doch an Pfingsten war es soweit: Energie Cottbus steigt ab. Natürlich ist dies keine Überraschung, sondern eine Zwangsläufigkeit. Kein Geld schießt eben keine Tore.

Allerdings bedeutet Cottbus' Abstieg, dass das kommende Spieljahr die nach 2005/06 zweite Bundesligasaison ohne Beteiligung der inzwischen nicht mehr ganz so neuen Länder wird. Der Aufschrei ist groß. Doch er war schon lauter. Beinahe resignierend wird der Abstieg von Energie Cottbus hingenommen und stets entschuldigend eingeworfen, die wirtschaftlichen Gegebenheiten hätten diesen Abstieg erzwungen. Insofern ist es gar nicht genug zu würdigen, was Energie in einer der wirtschaftlich schwächsten Regionen des Landes auf die Beine gestellt hat. Eines ist nämlich unumstößlich – erfolgreicher Fußball kann im darwinistischen Profigeschäft auf Dauer nur dort gespielt werden, wo dies die finanzielle Rahmenbedingungen zulassen. Und die Bedingungen im Osten lassen dies eben nicht zu. Ökonomische Logik, aber trotzdem bitter.
Gesetzmäßigkeiten, die natürlich auch für Schleswig-Holstein gelten, eine Region, in der es noch nie Erstligafußball zu sehen gab. Dort jammert niemand, nur standen der VfB Lübeck oder Holstein Kiel nie dort, wo sich einst Dynamo Dresden oder der 1.FC Magdeburg aufhielten. So wird die Vergangenheit zum Ballast und die Gegenwart zum Spagat zwischen den Erinnerungen an glanzvolle Europapokalabende und dem Alltag mit Spielen gegen Wacker Burghausen oder dem VfL Wolfsburg II.
Kein Hoffnungsschimmer im Teufelskreis
20 Jahre nach der Wende lautet der pauschale Tenor: »Dem Ostfußball geht es dreckig.« Ulf Kirsten, Eduard Geyer oder »Dixie« Dörner, allesamt Idole Dynamo Dresdens, schlagen gemeinsam in diese Kerbe und überbieten sich in ihrem Bedauern, dass die Bundesliga im kommenden Jahr einen Bogen um die ehemalige DDR machen wird.
Hoffnungsschimmer sehen sie nicht, viel eher verorten sie den Ostfußball in einem ökonomischen Teufelskreis. Betrachtet man allerdings die jeweiligen Vereine und vermeidet unnötige Pauschalisierungen, ergibt sich ein differenzierteres Bild. Ein Bild von Wendegewinnern und Wendeverlierern.
Es ist eine Ironie des Mauerfalls, dass ausgerechnet Hansa Rostock und Energie Cottbus den überaus schmierigen Titel »Leuchtturm des Ostens« tragen. Zu Zeiten der DDR-Oberliga haftete beiden Teams mehr (Cottbus) oder weniger (Rostock) das Image eines Fahrstuhlklubs an. Den Platzhirschen aus Dresden, Leipzig oder Berlin konnten sie damals nicht das Wasser reichen und verbleiben in Ostalgie-Chroniken entsprechend als Randnotiz. Folglich war die Fallhöhe für sie gering, wovon in erster Linie Hansa Rostock profitieren konnte. Während die Spitzenvereine im Sommer 1990 leergekauft wurden, Matthias Sammer, Ulf Kirsten oder Thomas Doll in die lukrative Bundesliga wechselten, blieb der Kader der Hanseaten beisammen und fand sich urplötzlich als Branchenprimus wieder. Der für die Bundesliga als zu abgehalftert geltende Uwe Reinders wurde als Trainer verpflichtet und erteilte dem Verein wertvolle Lektionen in puncto Profifußball. Hansa lernte schnell, überholte in nur einem, allerdings weichenstellenden Jahr die einst weit einteilten Konkurrenten und schuf sich ein relativ stabiles Fundament, von dem der inzwischen im gesamtdeutschen Fußball etablierte Verein noch heute profitiert und sich in der Grauzone zwischen den Ligen eingependelt hat. Der natürliche Lebensraum für eine Stadt und einen Verein dieser Größe.
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