Jupp Heynckes wird Bayern-Trainer
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Text: Benni Kuhlhoff Bild: Imago
Der Himmel brennt über München. Nach dem Rauswurf von Reformer Jürgen Klinsmann setzen die Bosse des FC Bayern jetzt vorübergehend auf den Altmeister Jupp Heynckes auf der Bank. Eine Lösung wie ein Auffahrunfall.
Man kann nur erahnen, wie die Vereinsvorderen des FC Bayern am Sonntagabend krampfhaft nach einer Interimslösung für die Bayern-Bank gesucht haben. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, Manager Hoeneß und Finanzvorstand Karl Hopfner kreisten durch den Konferenzraum und zermarterten sich den Kopf über einen möglichen Nachfolger. Handys wurden gezückt, Nummern verglichen, Namen genannt: Breitner, Rijkaard, Wenger, Veh, van Gaal. Wer war noch mal dieser Jay Goppingen? – bajuwarisches Brainstorming unter Dauerdruck.
Das Ergebnis dieser Suche ist auf den ersten Blick überraschend: Jupp Heynckes. Doch bei genauerem Hinsehen passt das hochrote Trainerfossil genau in das Anforderungsprofil der Bayern. Er hat Zeit, ist loyal und kennt sich aus im Verein. Heynckes war bereits von 1987-1991 Bayern-Trainer, gilt seitdem als enger Freund von Hoeneß. Heute ist er 63 Jahre alt, ein alter Hase, der sich eigentlich schon aus dem Trainergeschäft verabschiedet hatte. Nachdem sich die alteingesessenen Bayern-Verantwortlichen monatelang das Gerede von neuen Ideen und Reformen anhören mussten, können sie jetzt endlich wieder auf Altbewährtes setzen. Das ist ihre große Stärke: »Das war schon immer so und das wird auch so bleiben« - kein Verein verkörpert dieses konservative Credo wie der FC Bayern. Der frische Wind hat nichts gebracht, ab jetzt mieft wieder modriger Altherrengeruch durch die Allianz Arena.
Mehr als ein hilfloser Schnellschuss?
Doch mit der kurzfristigen Verpflichtung von Heynckes schalten die Bayern mehr als einen Gang zurück. Mit den klinsmannschen Hochgeschwindigkeitsveränderungen wollten sie Europas Fußballspitze auf der Überholspur hinter sich lassen. Jetzt treten sie voll auf die Bremse und provozieren einen Auffahrunfall, dessen Folgen kaum abzusehen sind. Heynckes gewann zwar als Trainer bereits die Deutsche Meisterschaft und die Champions-League, scheiterte aber bei seinen letzten Engagements ähnlich glorreich wie sein jetziger Vorgänger bei den Bayern. Auf Schalke entließen sie ihn nach einer enttäuschenden Saison, in Mönchengladbach ging er nach knapp 200 Tagen freiwillig. Heynckes wirkte bei beiden Vereinen überfordert. Alles war ein bisschen zu schnell, er verzweifelte an der Dauerpräsenz der Medien - es schien nicht mehr seine Fußballwelt zu sein, in die er da hinein geraten war. Deswegen entschied er, seine Trainerkarriere zu beenden. Doch jetzt ist er wieder da und auch wenn seine Arbeit beim FC Bayern zeitlich begrenzt ist, stellen sich Fragen nach dem Sinn dieser Personalie: Was kann Heynckes in den letzten fünf Spielen ändern, was Klinsmann nicht auch hinbekommen hätte? Kommt der als verschwiegen geltende Heynckes überhaupt noch an die Mannschaft heran? Hilft diese Entscheidung wirklich im Meisterschaftsrennen?
Doch die Verpflichtung von Heynckes ist wohl mehr als ein hilfloser Schnellschuss der uninspirierten Bayern-Führung. Sie ist ein deutliches Signal, dass der FC Bayern seine Rundum-Erneuerung auf unbestimmte Zeit verschiebt. Jetzt geht es darum, dass man wieder die Kontrolle über den Klub gewinnt, dass alles wieder in gewohnte Bahnen gelenkt wird. Das man bei all den Bremsmanövern den angestrebten Anschluss an die europäische Spitze verpassen könnte, wird in Kauf genommen. Heynckes soll Ruhe in Verein und Mannschaft bringen und im Idealfall am Saisonende auf dem Marienplatz die Meisterschale präsentieren. Wieder einmal ist ein Titel wichtiger als die Weiterentwicklung der zunehmend verrosteten Bayern-Maschinerie. Unter Klinsmann war der FC Bayern so modern wie Kräuterlimonade, mit Heynckes schmeckt jetzt alles wieder wie Erdbeerjoghurt kurz vor dem Ablauf der Mindesthaltbarkeit.
Im Oktober 1991 entließ der Manager Uli Hoeneß Jupp Heynckes als Trainer beim FC Bayern. Diese Entscheidung bezeichnet er seitdem als den »größten Fehler« seiner Amtszeit. 18 Jahre später holt Hoeneß jetzt Heynckes noch einmal zu den Bayern. Vielleicht sollte er am Ende der Saison auch noch einmal neue Ordnung in die Rangfolge seiner Fehler bringen.
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