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28.04.2009

Jupp Heynckes wird Bayern-Trainer

Back to the Mief

Text: Benni Kuhlhoff  Bild: Imago

Der Himmel brennt über München. Nach dem Rauswurf von Reformer Jürgen Klinsmann setzen die Bosse des FC Bayern jetzt vorübergehend auf den Altmeister Jupp Heynckes auf der Bank. Eine Lösung wie ein Auffahrunfall.

Jupp Heynckes wird Bayern-Trainer - Back to the Mief


Man kann nur erahnen, wie die Vereinsvorderen des FC Bayern am Sonntagabend krampfhaft nach einer Interimslösung für die Bayern-Bank gesucht haben. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, Manager Hoeneß und Finanzvorstand Karl Hopfner kreisten durch den Konferenzraum und zermarterten sich den Kopf über einen möglichen Nachfolger. Handys wurden gezückt, Nummern verglichen, Namen genannt: Breitner, Rijkaard, Wenger, Veh, van Gaal. Wer war noch mal dieser Jay Goppingen? – bajuwarisches Brainstorming unter Dauerdruck.



Das Ergebnis dieser Suche ist auf den ersten Blick überraschend: Jupp Heynckes. Doch bei genauerem Hinsehen passt das hochrote Trainerfossil genau in das Anforderungsprofil der Bayern. Er hat Zeit, ist loyal und kennt sich aus im Verein. Heynckes war bereits von 1987-1991 Bayern-Trainer, gilt seitdem als enger Freund von Hoeneß. Heute ist er 63 Jahre alt, ein alter Hase, der sich eigentlich schon aus dem Trainergeschäft verabschiedet hatte. Nachdem sich die alteingesessenen Bayern-Verantwortlichen monatelang das Gerede von neuen Ideen und Reformen anhören mussten, können sie jetzt endlich wieder auf Altbewährtes setzen. Das ist ihre große Stärke: »Das war schon immer so und das wird auch so bleiben« - kein Verein verkörpert dieses konservative Credo wie der FC Bayern. Der frische Wind hat nichts gebracht, ab jetzt mieft wieder modriger Altherrengeruch durch die Allianz Arena.

Mehr als ein hilfloser Schnellschuss?

Doch mit der kurzfristigen Verpflichtung von Heynckes schalten die Bayern mehr als einen Gang zurück. Mit den klinsmannschen Hochgeschwindigkeitsveränderungen wollten sie Europas Fußballspitze auf der Überholspur hinter sich lassen. Jetzt treten sie voll auf die Bremse und provozieren einen Auffahrunfall, dessen Folgen kaum abzusehen sind. Heynckes gewann zwar als Trainer bereits die Deutsche Meisterschaft und die Champions-League, scheiterte aber bei seinen letzten Engagements ähnlich glorreich wie sein jetziger Vorgänger bei den Bayern. Auf Schalke entließen sie ihn nach einer enttäuschenden Saison, in Mönchengladbach ging er nach knapp 200 Tagen freiwillig. Heynckes wirkte bei beiden Vereinen überfordert. Alles war ein bisschen zu schnell, er verzweifelte an der Dauerpräsenz der Medien - es schien nicht mehr seine Fußballwelt zu sein, in die er da hinein geraten war. Deswegen entschied er, seine Trainerkarriere zu beenden. Doch jetzt ist er wieder da und auch wenn seine Arbeit beim FC Bayern zeitlich begrenzt ist, stellen sich Fragen nach dem Sinn dieser Personalie: Was kann Heynckes in den letzten fünf Spielen ändern, was Klinsmann nicht auch hinbekommen hätte? Kommt der als verschwiegen geltende Heynckes überhaupt noch an die Mannschaft heran? Hilft diese Entscheidung wirklich im Meisterschaftsrennen?

Doch die Verpflichtung von Heynckes ist wohl mehr als ein hilfloser Schnellschuss der uninspirierten Bayern-Führung. Sie ist ein deutliches Signal, dass der FC Bayern seine Rundum-Erneuerung auf unbestimmte Zeit verschiebt. Jetzt geht es darum, dass man wieder die Kontrolle über den Klub gewinnt, dass alles wieder in gewohnte Bahnen gelenkt wird. Das man bei all den Bremsmanövern den angestrebten Anschluss an die europäische Spitze verpassen könnte, wird in Kauf genommen. Heynckes soll Ruhe in Verein und Mannschaft bringen und im Idealfall am Saisonende auf dem Marienplatz die Meisterschale präsentieren. Wieder einmal ist ein Titel wichtiger als die Weiterentwicklung der zunehmend verrosteten Bayern-Maschinerie. Unter Klinsmann war der FC Bayern so modern wie Kräuterlimonade, mit Heynckes schmeckt jetzt alles wieder wie Erdbeerjoghurt kurz vor dem Ablauf der Mindesthaltbarkeit.

Im Oktober 1991 entließ der Manager Uli Hoeneß Jupp Heynckes als Trainer beim FC Bayern. Diese Entscheidung bezeichnet er seitdem als den »größten Fehler« seiner Amtszeit. 18 Jahre später holt Hoeneß jetzt Heynckes noch einmal zu den Bayern. Vielleicht sollte er am Ende der Saison auch noch einmal neue Ordnung in die Rangfolge seiner Fehler bringen.




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Kommentare

  • User
  • 27.04.2009 18:40:05 radlspeck

    Wenn es modern ist, 1:5 in Wolfsburg zu verlieren, dann pfeiff ich auf die Moderne!

  • User
  • 27.04.2009 18:49:58 RASCH69

    HEYNCKES RAUS! HEYNCKES RAUS! HEYNCKES RAUS!

  • User
  • 27.04.2009 19:02:06 Rick Lalanne

    Was für ein unnötiger Artikel, den Anschluss an die europ. Spitze soll der FCB dadurch verlieren? Ja bitte was ist denn bisher dieses Jahr passiert, Klinsi hat also Boden gut gemacht? Entschuldigung, aber Klinsmann und Hochgeschwindigkeit in einem Satz...HUST HUST! Wenn hätten sie denn da hinstellen sollen? Den nächsten unerfahrenen "Reformer" in dieser Situation? Junge Junge, ihr habt mal nerven...aber hauptsache dagegen. Querolierend, euer Rick

  • User
  • 27.04.2009 19:10:20 HolyGoalie

    4 Wochen Heynckes als Trainer soll den Verein jetzt um Jahre zurückwerfen? Er ist eine Übergangslösung, um die Saison zu retten - mehr nicht.

    Klinsmann hat in 10 Monaten nichts auf die Beine gebracht, warum hätte es jetzt nach diesen Grottenkicks in Serie klappen sollen?

  • User
  • 27.04.2009 19:29:02 plotin

    "Er ist eine Übergangslösung, um die Saison zu retten - mehr nicht"

    ...genau und danach kommt ein anderer hitzfeldesker Konservativer.

    Und wenn die Bayern dann zur neuen Saison endlich einen 34jährigen, griechischen Libero verpflichtet haben wird früher oder später sicher auch die Monarchie in Bayern wieder eingeführt!

    Da sind mir die Retortenhoffenheimer doch um einiges lieber. Mut zu jungen, unverbrauchten Spielern, Mut zur Offensive und vor allem Geduld. Da wird nicht gleich nach nem Breitner geschrien, wenn das Pappwappen mal in den Steckplatz mit der Nummer drei gesteckt werden muss.

  • User
  • 27.04.2009 19:45:04 die12

  • User
  • 27.04.2009 19:48:11 die12

    "er passt ins anforderungsprofil: er hat zeit, ist loyal und kennt sich aus im verein."
    alleine dieser satz war den artikel wert.
    das sagt genau aus, wie das bayern tickt.......

  • User
  • 27.04.2009 19:50:02 die12

    dasse jetz den jupp präsentieren, hat mich jenau so überrascht (weil im grunde absurd unpassend), wie der versuch mit klinsi (weil...ihr wisst schon.)

  • User
  • 27.04.2009 20:05:29 TobiEintracht

    In der Überschrift müsste es doch eigentlich Bayern heißen und nicht Bayer.

  • User
  • 27.04.2009 20:10:44 DerBotschafter

    Der arme Jürgen, jetzt fliegt er nach "Ell Äy" und alles was er sich mit den Bayern vorgenommen hat, ist für die Katz. Ich fänds gut wenn er doch noch in einer europ. Profiliga was reißen würde.

    Lell, Ottl, Schweini, Lahm und Co werden heute Nacht bestimmt fiese Albträume haben, dass sie morgen zum Training fahren und da plötzlich der alte Gerland auf sie wartet um sie nochmal ein bisschen zu quälen. Tja, viel Spaß dann, werden lange Wochen werden...

    Jupp Heynckes muss ja nicht viel mehr machen, als "der neue Trainer" zu sein. Ein bisschen Stimmung machen, mal ein paar neue Motivationssätze sagen und die festgefahrene und lethargische Situation durchbrechen. Wenns gut läuft darf er dann am Ende eine Zeitungsgrußbotschaft an den Deutschen Meister 2009 aufzusetzen und sich wieder in den Ruhestand verabschieden, fein.

  • User
  • 27.04.2009 20:31:47 rivers

    In der Tat sehr selbstbewusst für ein Fußball-Medium, das bis vor 5 Minuten noch Henykes zum Bayer(!)-Trainer machte...
    Der Reif-Artikel ist allerdings geschriebenes Gold!

  • User
  • 27.04.2009 20:37:57 Max-Jacob Ost

    Die Überschrift ist geändert. Danke für die Hinweise.

  • User
  • 27.04.2009 20:58:37 AntiMöller

    Meine Lieblingsidee wäre gewesen, man hätte Klinsmann zum sportl. Manager gemacht. Eine Position in der man sich ideenmäßig austoben kann (und man keine Abfindung hätte bezahlen müssen).
    Mich überrascht der Rauswurf jetzt!
    Meister werden WIR sicher nicht mehr. Es ist noch keine Mannschaft Meister geworden, mit mehr als 2 Heimniederlagen.

    ...aber wir erleben eine spezielle saison...

  • User
  • 27.04.2009 21:03:00 Luis Enrique

    auf dem foto, das ist doch ein bayern-trainingsanzug oder? hatten die mal puma als ausrüster?

  • User
  • 27.04.2009 21:08:09 AntiMöller

    @Enrique: Heynckes war bei mehreren Vereinen Trainer. U.a. bei Gladbach mit derem "Puma".

  • User
  • 27.04.2009 21:10:01 AntiMöller

    Heynckes war aber tatsächlich "Puma-Mann", solang ich mich erinnere.
    Seltsam, dass er mit Hoeneß so gut kann, eigentlich. Gtvo: erklär mal!

  • User
  • 27.04.2009 21:18:35 Luis Enrique

    aber das logo oben is doch von bayern, oder? und hatte nich wurst-uli irgendwann mal gesagt, solange klose in nikes spielt, kann er bayern vergessen? deswegen wundert´s mich jetzt ein bisschen. mmmh.

  • User
  • 27.04.2009 21:21:14 AntiMöller

    Jupp, das Bayern_logo. Hast Recht.
    Seltsam? Aber so steht es geschrieben...

  • User
  • 27.04.2009 21:44:57 5freunde

    tja der klinsi ist geschichte - wirklich ein wunder? ein club der magath ziehen lässt, dann hitzfeld verpflichtet und ihm auch noch nachschlag gewährt und meint, dass mit ribery und toni alles gut wird, hat wohl mehr als nur einen fehler gemacht. wann hat bayern eigentlich das letzte mal in nenneswertem umfang große talente entdeckt, gefördert, weiterentwickelt und ggf. eingesetzt oder verkauft? wie alt sind eigentlich die leistungsträger und schlüsselspieler in dieser saison? hier ging es doch von anfang nur darum, mit einer vermeintlich sicheren investition alles zu erreichen - und zwar in einer saison - natürlich! hat uli-kalle-franz mal öffentlich gesagt, egal ob wir titel holen, wir arbeiten hier längerfristig? wirkliche risikobereitschaft und den mut, mal nichts zu gewinnen, dafür aber auf längere sicht konkurrenzfähig zu werden, hat bei bayern keiner. ein verein, der im erfolg so überheblich daher kommt, und der sich in der niederlage so weinerlich und kleinmütig davonschleicht, hat endlich mal eine ordentliche, öffentliche abreibung verdient! klinsmann hat fehler gemacht und das nicht zu knapp, ob der aufbruch mit ihm gelungen wäre, wird niemand je erfahren, die konsequenz kann aber nur lauten: dann holen wir uns einen anderen jungen wilden, der noch hungrig ist. leider weist die temporäre verpflichtung von mr. code red in eine andere richtung: mir san mir! genau! der kaiser und sein bild (er-buch)-hofstaat: die werdens schon richten!

  • User
  • 27.04.2009 22:32:19 EckeTor 61

    Jupp Heynkes? Warum nicht gleich Klinsmann?

  • User
  • 27.04.2009 23:42:59 AbteilungAttacke

    An dieser Stelle mal wieder Volker Pispers:
    "16 Jahre haben wir Kabarett gegen Helmut Kohl gemacht und dann Gerhard Schröder bekommen..."

    Nun habe ich einen Hauch von Ahnung, wie er sich gefühlt haben muß....

  • User
  • 28.04.2009 14:45:15 gangster

    Toll.... wo war denn Klinsmanns Vision ?? Junge Spieler wie Jansen oder Gross wegschicken, ein paar Buddahs aufstellen
    und irgendwas von "modernem Fußball" faseln.... super !!!
    Was dabei rauskommt sieht man ja !!!

  • User
  • 28.04.2009 14:54:06 leiwand

    Artikel ist an Schwachsinn kaum zu toppen! Wenn König Otto ausnahmsweise einmal recht gehabt hat, dann mit der Binsenweisheit, dass "modern ist, wenn man gewinnt". Von diesem Standpunkt aus gesehen verhält sich Grinsemann zu Osram wie ein Streichholz zu einer Flutlichtanlage: Klinsis selbstherrliche und arrogante Mätzchen, die Ergebnisse sprachen eine eindeutige Sprache, wenn man bedenkt, dass für den FC Bayern die CL-Teilnahme (über-)lebensnotwendig ist, hat Onkel Jürgen schon jetzt das einmalige Kunststück fertig gebracht, den FCB binnen 10 Monaten um mehr als 10 Jahre zurückzuwerfen, denn, wenn man bedenkt, dass die Münchener 1999 im CL-Finale gegen ManU standen, kann man wohl kaum von einer Weiterentwicklung auf internationalem Niveau seitdem sprechen. Die Leute wie bei der WM im eigenen Land für dumm zu halten und einen dritten Platz als Erfolg zu verkaufen, konnte von vornherein schlecht funktionieren. Das hätte er aber auch vorher wissen können. Immerhin hat Klinsi jetzt die depperte Vorstandsriege düpiert, um einige Festgeldkontomillionen für keine Gegenleistung ärmer gemacht und kann darüber jetzt in Kalifornien weitergrinsen.

  • User
  • 28.04.2009 15:00:58 saloth sar

    und weils ueberlebensnotwendig ist, ist bayern ja auch schon geschichte, oder wo haben die letzte saison noch mal gespielt und sich im halbfinale gegen st. petersburg hervorragend geschlagen?
    und das klinsmann jetzt auch noch daran schuld sein soll, dass die bayern seit 99 in der cl nix mehr gerissen haben, leuchtet mir auch nicht ganz so ein.
    aber du wirst mir das sicher wie nem 5-jaehrigen erklaeren.

  • User
  • 28.04.2009 16:52:05 Kelle

    ich wäre sicher nie auf die idee gekommen, heynckes zu verpflichten. aber im grunde ist es gerade ziemlich egal, wer das jetzt für die übergangszeit macht.

    wenn es wirklich stimmt, dass die spieler klinsmann nicht mehr respektiert haben (wg. donovan), dann haben sie jetzt kein alibi mehr und können sich damit motivieren, für die nächste saison ein paar charmante spiele in der CL zu sichern.

    die stimmungsmache gegen diesen temporären trainer ist meiner ansicht nach ziemlich sinnlos.

    für mich ist vielmehr die frage spannend, was denn nun bayern will? wollen die immer wieder deutscher meister werden oder wollen die mal einen schritt zurück in kauf nehmen in der hoffnung, irgendwann 2-3 schritte nach vorne zu machen?

    beides zusammen nach dem motto "wasch mich, aber mach mir das fell nicht nass..." wird wohl kaum funktionieren.

    es wird langsam echt zeit, dass die leitung in andere hände kommt. ich würd mich an dieser stelle gleich mal selbst in spiel bringen... (macht man doch so, oder?)

  • User
  • 28.04.2009 19:52:10 panamanga

    Nichts gegen Jupp Heynckes... Aber ich weiß echt nicht, was ich von ihm halten oder erwarten soll.

  • User
  • 28.04.2009 22:44:50 jawazi

    Heynckes ist doch nur Trainer geworden, weil Lattek, Ribbeck und Rehhagel abgesagt haben. Auch deren Mission bei Bayern war noch nicht beendet. Oder gleich die 3 oben genannten zusammen mit Juppi H. quasi als "greises Quartett".

  • User
  • 29.04.2009 11:47:06 Tora77

    Ich freu mich schon auf Heynckes-Sätze wie z.B:

    "In Spanien sind die Spieler technisch stärker"

    "In Spanien rollt der Ball schneller."

    "In Spanien sind die Spieler individuell geschulter."

    "In Spanien wird mehr Paella gegessen."

    Ich freu mich wenn er wieder weg ist und es heisst: "Adios Don Jupp. Muchas gracias por nada!"

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