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16.04.2009

Dieter Schatzschneider über das Nordderby

»Jol ist wie Happel«

Interview: Benjamin Apitius  Bild: Imago

Am Sonntag kommt es zum Nordderby: der Hamburger SV empfängt Hannover 96. Dieter Schatzschneider hat in seiner Karriere für beide Mannschaften gespielt. Ein Gespräch über Felix Magath, Martin Kind und Robert Enke.

Dieter Schatzschneider über das Nordderby - »Jol ist wie Happel«


Herr Schatzschneider, am Sonntag kommt es zum Nordderby zwischen dem Hamburger SV und Hannover 96. Sie haben in Ihrer Karriere für beide Vereine gespielt. Für wen schlägt Ihr Herz am Sonntag?

Für 96! Da lasse ich auch gar nichts drauf kommen. Ich habe für Hamburg gespielt, für Schalke gespielt, aber da geht bei mir gar nichts. Ich bin 100 Prozent 96!



Ist da nichts hängen geblieben aus der Zeit als Sie für die Hamburger aufliefen?

Doch. Der HSV war damals die beste Mannschaft in Europa, und es war für mich natürlich sensationell, da einmal mitzumischen. Ich habe dort unter dem besten Trainer der Welt (Ernst Happel, Anm. d. R.) gespielt, hatte Mitspieler, von denen ich sehr viel gelernt habe. Felix Magath oder so ein Uli Stein – das waren schon außergewöhnliche Sportler. Leider ist mir diese Erkenntnis aber erst mit dem Alter gekommen und nicht als ich noch aktiv war (lacht).

Wie wurden Sie damals als Hannoveraner in Hamburg empfangen?

Ich hatte damals keine Probleme. Es ist ja auch nicht so, dass sich Hannoveraner und Hamburger spinnefeind sind, so wie zum Beispiel wir mit den Braunschweigern – obwohl ich die Hassliebe auch bis heute nicht verstehe. Ich denke, Hannover und Hamburg sind sich dagegen schon fast wieder sympathisch.

Die Rivalität liegt also nur in der Nähe der Städte begründet?

Ja. Und vielleicht darin, dass der Andere immer vor einem stehen will, aber das ist ja völlig normal.

Wie schätzen Sie den bisherigen Saisonverlauf der Hamburger ein?

Da gibt es nicht viel zu meckern. Die Hamburger haben nach Ernst Happel endlich mal wieder einen außergewöhnlichen Trainer, der seine Autorität auch einmal darin begründet, dass er nichts sagt. Martin Jols Habitus gefällt mir sehr, wenn er aufsteht oder mit verschrenkten Armen an der Linie steht – der Mann ist eine Respektsperson, da geht kein Weg dran vorbei. Er ist jetzt schon ein großer Trainer, aber ich denke, er kann sogar den Weltruf eines Trainers wie Hitzfeld oder Ferguson erlangen.

Ist Hamburg denn für Sie ein ernstzunehmender Titelkandidat?

Auf jeden Fall! Aber Deutscher Meister wird ein anderer Norddeutscher Klub. Da tippe ich mal ganz schwer auf Felix Magath und seine Wolfsburger Jungs.

Wie schwer wird den Spielern am Sonntag die heutige Partie gegen Manchester City in den Beinen liegen?


Ach das ist immer so ein Trugschluss, dass die Spieler das nicht abkönnen würden. Aber das Gegenteil ist der Fall: Wenn du in diesem Rhythmus einmal drin bist, dann hast du einen klaren Vorteil gegenüber den Vereinen, die im Spiel erst einmal richtig warm werden müssen. Die Hamburger werden mit dem Anpfiff die Sau rauslassen und voll da sein, während Hannover vielleicht noch abtasten will. Das ist keine ungefährliche Situation für meine Roten.

Auch Hannover 96 würde lieber heute als morgen international spielen.

Ja, bitte. Das ist mein großer Traum.

Wie wäre jedoch eine Partie gegen den FC Barcelona zum jetzigen Zeitpunkt ausgegangen?

Es ist keine Schande, gegen Barcelona zu verlieren. Aber so zu verlieren wie die Bayern, ohne sich zu wehren… da bin ich sprachlos. Die Katalanen waren den Bayern ja in allen belangen überlegen! In allen Belangen! Da reicht eben kein Gummitwist im Training! Dann lieber dem Felix Magath sein Berg! Da hast du mehr Chancen gegen eine so außergewöhnliche Truppe zu bestehen.


weiterlesen [1] [2]



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