Die 11FREUNDE-Blogschau
»Problem: Der eigene Anhang«
Text: Max-Jacob Ost Bild: Imago
In Hoffenheim stellt man sich eine unangenehme Frage. Stimmt der Vorwurf, nur Erfolgsfans zu haben? Außerdem in der Blogschau: Sportliche Folter in Gladbach, musikalische Folter in Dortmund und erbärmliche Folter auf Schalke.
Borussia Mönchengladbach – VfL Bochum 0:1 (0:1)
Entscheidend is auf’m Platz schreibt: »Hinten hat die Borussia bis zum Ende jedoch kaum etwas zu fürchten. Hans Meyer hätte noch siebzehn Stürmer einwechseln können - auf der einen Seite wäre Bochum dennoch nicht durch Konter gefährlich geworden, andererseits hätte die Borussia noch bis Karfreitag spielen können, ohne ein Tor zu erzielen. Spätestens in den Schlussminuten manifestiert sich der Eindruck, dass Gladbach einen ganz und gar gebrauchten Tag erwischt hat.«
Zum blauen Blog schreibt: »Eine Viertelstunde Fußball vor der Halbzeitpause reichte am Freitagabend für den ersten Auswärtssieg der Saison. Was der VfL in den restlichen 75 Minuten vor knapp 50.000 Zuschauern im Borussia-Park anbot, erreichte schon teilweise Folter-Qualität.«
11FREUNDE meint: Was haben wir gelitten: Gladbach beim Versuch ein Tor zu erstolpern so erfolgreich wie Ralph Wiggum in einem Nukleartheorie-Kurs, Bochum beim Versuch ein Tor zu verhindern so elegant wie Barney Gumble beim Ballett. Linderung gab’s nur beim Blick an die Seitenlinie. Während Gladbachs Meyer über 90 Minuten seine Gene Simmons-Parodie verfeinerte, übte Bochums Koller für seinen Auftritt bei »Wetten dass…« und zerdrückte Gummibärchen in seiner Stirnfalte zu Granit. Wenn er jetzt noch »O sole mio« dazu singt, könnte es was werden mit dem Wettkönig. Hauptsache ein Titel für den VfL.
VfB Stuttgart – Hertha BSC Berlin 2:0 (0:0)
Angedacht schreibt: »Vor ein paar Wochen war ich zwar guter Dinge, was die Leistungen bis zum Saisonende anbelangt, hielt aber einen Platz im internationalen Geschäft für unrealistisch […]. Mittlerweile hat Bayer möglicherweise bereits den Anschluss verloren, und bezüglich Hoffenheim bin ich guter Dinge, bereits beim nächsten Heimspiel im Neckarstadion ›Die Nummer 1 im Land sind wir‹ rufen zu können. Hieße: Platz 5.«
Herthabsc schreibt: »Bisher ist das Team weit damit gekommen, sich über Wert zu verkaufen, indem es sich im Spiel unter Wert verhielt. Hertha verzichtet auf Ballbesitz und versucht, die geringeren Spielanteile zu optimieren. Das geht nur mit hoher Passsicherheit und klugem Laufen, vieles davon haben wir gestern gesehen, auch, dass darunter das Tempo der Vorstöße leidet.«
11FREUNDE meint: Aus Sicht des DFB war der Sieg von Stuttgart ein weiterer Schlag ins Gesicht. Ihr fragt euch warum? Ganz einfach: Für den Verband muss sich doch jeder Erfolg von VfB-Trainer Markus Babbel anfühlen, als würde ein 16-Jähriger ohne Führerschein Formel 1-Weltmeister werden. Ganz offensichtlich steckt in der Trainerausbildung des DFB nicht der Schlüssel zu ewiger Erkenntnis und Weisheit (im Fachterminus: Udo Lattek). Es geht auch ohne ganz gut. Wenn Babbel also weiter fast nur Siege einfährt, müssen beim DFB die Werbebroschüren umgeschrieben werden. Aber vielleicht kann man das ja verhindern. Müssen Trainer eigentlich auch zu Dopingkontrollen?
Borussia Dortmund – Werder Bremen 1:0 (0:0)
Schwatzgelb schreibt: »Bevor es so weit war, hatte der BVB aber für seine Besucher noch eine Härteprüfung vorgesehen: Die Präsentation der neuen Vielleicht-doch-nicht-Einlaufmusik durch den unvermeidlichen Kasche Kartner, Andy Schade und die Undercover Crew. […] Was sich den in Sachen Stadionmusik nicht unbedingt verwöhnten Ohren dann offenbarte, lässt sich wohl am ehesten als musikalische Doll-Saison bezeichnen: Discogestampfe, das selbst am Ballermann Akzeptanzprobleme finden würde, unterlegt mit einem stupid-peinlichen Text. […] Dass die CD im Stadion zum Sonderpreis von 5 statt 6,95 Euro verkauft wurde, darf man wohl unter dem Gedanken der Abwrackprämie verstehen.«
Meine Saison mit dem SVW schreibt: »Ich weiß nicht, ob es nur ein Rückschritt war, auf den zwei Schritte nach vorne folgen werden, oder ob es einen Rückfall in die mühsam überwunden geglaubte Krise gibt. Ich kann auch nicht sagen, ob der Stress durch den im Vergleich zum BVB harten Terminplan etwas damit zu tun hat. Ich werde aus der Mannschaft nicht schlau und will es heute auch nicht werden.«
11FREUNDE meint: Stellt euch vor: Es hat 50 Grad im Schatten und ihr trefft euch mit allen Freunden und Bekannten. Dann explodieren gleichzeitig der Kühlmechanismus beim örtlichem Milcheis-Lieferanten und der Eintrittskartenautomat vor dem Freibad. Um euch herum nur Menschen mit geschenktem Eis auf dem Weg zum Schwimmen. Und ihr habt eine Laktose-Intoleranz und die Badehose vergessen. So ungefähr muss es sich für die Fans von Bremen und Dortmund anfühlen. Während sich die halbe Liga in der spannendsten Adrenalinschlacht der Menschheitsgeschichte um Meisterschaft, internationales Geschäft und Abstieg prügelt, spielen die Borussen und Werder das früheste »Spiel um die goldene Ananas« aller Zeiten. Nächste Saison gehen Jürgen Klopp und Thomas Schaaf bestimmt nie ohne Badehose aus dem Haus.
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