Die funktionierende Mannschaft
Favres ewiges Spiel
Hertha BSC setzt seinen Stil des hocheffizienten Defensivfußballs fort und gewinnt auch gegen Leverkusen mit einem Tor Unterschied. Doch selten hat ein Tabellenführer so langweiligen Fußball geboten.
Diesmal tanzte Dieter Hoeneß nicht auf dem Spielfeld umher wie ein Zirkusbär aus dem Kaukasus. Nach dem 3:1 vor einer Woche in Cottbus sah man den Manager wie noch nie. Diesmal hüpfte Trainer Lucien Favre in der Mitte des Spielerfreudenkreises umher, für den Taktikliebhaber war es ein perfekter Sieg. Denn es war nicht einmal eine gute Leistung der Berliner vonnöten, um den zehnten Heimsieg hintereinander zu feiern. Gegen sehr schwache Leverkusener genügte dem Tabellenführer ein einziger zielstrebiger Angriff mit einem glücklichen Abschluss von Andrej Woronin zum 1:0-Sieg.

Die Berliner zeigten wieder einmal die von Favre eingeführte taktische Konsequenz und formidable Effizienz vor dem gegnerischen Tor. Das Erfolgsrezept in dieser Saison. Hertha liegt damit zehn Spieltage vor Schluss weiter mit vier Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze.
Vor dem Spiel hatten die Trainer Lucien Favre und Bruno Labbadia ihre Taktiken via Mikrofon bekannt gegeben. Und das ließ nicht Gutes erahnen. Zumindest für jene, die ein Fußballspiel deshalb mögen, weil zwei Mannschaften in erster Linie versuchen, den Ball in das gegnerische Tor unterzubringen.
Der Berliner Favre sagte: »Leverkusen ist eine Top-Mannschaft, sie kann jeden schlagen. Bei Balleroberung geht es extrem schnell nach vorne.« Leverkusens Bruno Labbadia sagte: »Sie wollen, dass wir hinten rausrücken, um dann Räume zu bekommen. Wir wollen pressen, aber wir müssen auch sehr schnell in die Ordnung kommen.«
Da schwang eine Menge Respekt mit. Und diesen Respekt schleppten beide Teams wie zentnerschwere Rucksäcke mit sich herum. Wenig Tempo, kein Risiko, die defensive Ordnung wurde auftragsgemäß beibehalten, um nur ja dem Gegner keinen Platz und Entfaltungsmöglichkeit zu verschaffen. Bei Hertha BSC kam das wenig überraschend, der Tabellenführer hat mit dieser Spielweise schon viele Gegner entnervt. Deshalb kam bei den Einheimischen unter den genau 58.753 auch so schnell keine schlechte Laune auf. Die Berliner Anhänger sangen trotz des sehr langweiligen Ball-hin-und-her-Geschiebes ohne Unterlass; Dauer-Support nennt sich das in der neuen Fansprache. Und womöglich hat sich das eine Mannschaft nach zuvor neun Heimsiegen in Folge auch verdient.
Schwegler statt Kroos
Doch bei Leverkusen überraschte das Vorgehen dann doch. Bekannt wurde die junge Mannschaft durch formidablen Offensivfußball, mit dem 4:2 gegen Bayern im Pokal-Viertelfinale als Höhepunkt. Doch in der Bundesliga hatte der Stil zuletzt keinen Erfolg mehr gebracht, von den vorangegangenen sieben Partien hatte Leverkusen nur eines gewonnen. Vermutlich verordnete Trainer Labbadia auch deshalb mehr Vorsicht, und brachte für den gesperrten Arturo Vidal den defensivstärkeren Pirmin Schwegler anstatt des Bayern-Leihspielers Toni Kroos.
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