Das 80er-Jahre-Glossar
Osram und Entmüdungsbecken
Text: Andreas Bock und Dirk Gieselmann Bild: Imago
Die 80er: Als Fans weit hinter der Tartanbahn die Spiele mit Fernglas verfolgten, als Hans-Peter Briegel ohne Schienbeinschoner so cool aussah wie einst Peter Fonda und Uli Hoeneß im Entmüdungsbecken Sektpartys feierte.
Bananenflanke
»Technisch erreicht wird die Bananenflanke durch den so genannten Innenspannstoß. Dabei wischt der ausführende Fuß mit seiner Innenseite am Ball vorbei und sorgt damit für eine seitliche Rotation des Balles. Der Ball wird dabei ungefähr mit dem Großzehenknochen getroffen. Der Fuß schwingt nach dem Treffen des Balles nach, er führt den Ball quasi noch ein Stück. Dies trägt zusätzlich zur Rotation bei.« Was sich in der Wikipedia-Theorie so liest, als müsste sich der Flankende bei der Ausführung mindestens die Füße verknoten, heißt beim Praktiker bei Horst Hrubesch: »Manni Bananenflanke, ich Kopf. Tor!« Gemeinhin gilt Kaltz spätestens seit Sommer 1981, als das kongeniale Kopfballungeheuer zum ersten Mal seinen harten Schädel auf eine Kaltz-Hereingabe drückte, als Urvater der Bananenflanke. Einzig Charly Dörfel, in den 60ern Hamburger Linksaußen und selbst erklärter Subunternehmer von Uwe Seeler, hält dagegen: »Nichts gegen Manni, aber die Bananenflanke habe ich erfunden. Letztens sach ich zu ihm: ›Du warst der Mann für die kleine Kanarische und ich für die große Chiquita.‹ Da hat er gelacht, der Manni.« Vielleicht, weil auch Dörfel die Erklärung des komplexen Phänomens auf das Wesentliche reduzierte: »Ich Flanke, Kopfball vom Dicken, zack, Tor!« Fußball kann so einfach sein.
Bauherrenmodell
Ewald Lienen mochte den Fußball, aber das Geschäft drum herum konnte ihm gestohlen bleiben. Schon mit 27 wollte er ihm den Rücken kehren und befestigte einen Kalender an der Gladbacher Kabinentür, in dem er die letzten Tage herunter zählte. Doch dann riss ein Blick auf sein Konto ihn aus seinem Aussteigertraum: Die Zahlen waren rot. Wie das? 1981 war Lienen über einen selbsterklärten »Abschreibungskünstler« in eine Bauherrengemeinschaft eingetreten. Diese finanzierte die Errichtung von Mietwohnungen, um sie anschließend gewinnbringend und steuersparend zu veräußern. Doch die Immobilien stellten sich leider als unbewohnbar heraus – 300.000 Mark, ein Großteil von Lienens Vermögen, waren vernichtet. »Ich bin ein Opfer meiner eigenen Naivität geworden«, gab der als intellektuell geltende Linksaußen freimütig zu. »Wegen der ganzen Sache hat Ewald sechs Pfund abgenommen«, klagte seine Frau Rosie. Dass auch Kollegen wie Eike Immel und Bum Kun Cha unter tropfenden Decken standen und keine Käufer fanden, war nur ein schwacher Trost für die verschobene Rente: Lienen musste bis Ende 30 weitermachen.
Entmüdungsbecken
Das Entmüdungsbecken war der Ort, wo erschöpfte Helden gern mal den Schniedel in der lauen Strömung baumeln ließen – und auch keine Scheu zeigten, wenn das Kamerateam der RTL-Sendung »Anpfiff« spontan draufhielt. Nach großen Siegen wurde dem Pullerwasser oftmals Sekt beigemengt – die Geburtsstunde der fragwürdigen Schaumpartys, die im darauf folgenden Jahrzehnt ihren Zenit erreichten. Da waren die Entmüdungsbecken selbst schon aus der Mode gekommen: In Zeiten der verwissenschaftlichen Spielnachbereitung hatte man die Gefahr erkannt, dass angerissene Sehnen und auch andere Körperteile durch Wärmezufuhr ins Überdimensionale anschwellen können. Einer dachte ohnehin höchst ungern an die Mannschaftswanne zurück: Bochums Abwehrmann Thorsten Legat. »Fünf Mark für jeden, der einen Köpper ins Entmüdungsbecken macht!«, hatte VfL-Leitwolf Thomas Kempe ausgerufen. Legat sah die blinkende Münze, zog blank und sprang. Blöd nur: Im Becken war kein Wasser.
Ergänzung zu 11 FREUNDE Spezial: 80er






