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Jens Weinreich vs. DFB

»Ein Vernichtungsfeldzug«

Interview: Daniel Wehner  Bild: Imago

Im Juli 2008 bezeichnete der Sportjournalist Jens Weinreich DFB-Präsident Theo Zwanziger als »Demagogen«. Der Verband strengte einen Rechtsstreit an, der bis heute andauert. Wir sprachen mit Weinreich über die Folgen.

Jens Weinreich vs. DFB - »Ein Vernichtungsfeldzug«


Im Internet-Blog »Direkter Freistoss« hat der freie Journalist Jens Weinreich 2008 einen Kommentar verfasst, der ihn bis heute verfolgt. Am 25. Juli schrieb er zum Auftritt von DFB-Präsident Theo Zwanziger bei einem Kongress des Deutschen Olympischen Sportbundes: »Ich (habe) schon viele Auftritte von Sportfunktionären erlebt, aber dieser von Zwanziger war einer der schlimmsten in der nach unten offenen Peinlichkeitsskala. Er dreht nach der Kartellamtsentscheidung völlig durch. Er ist ein unglaublicher Demagoge (...)« Zwanziger habe mehrfach behauptet, dass allein das Bosman-Urteil Schuld an allen Problemen des Fußballs sei, kommentierte Weinreich weiter.

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Daraufhin versuchte der DFB mit einer Unterlassungsklage gegen Weinreich vorzugehen.  So sieht sich Theo Zwanziger durch die Bezeichnung »unglaublicher Demagoge« in seiner Ehre verletzt und will Weinreich diese Formulierung gerichtlich verbieten. Doch das Land- und das Kammergericht Berlin haben beschlossen, dass der Kommentar durch das Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt ist.

Am 14. November veröffentlichte der DFB eine Presseerklärung, in der die Ausführungen Weinreichs als »Diffamierung« missbilligt werden. Diese Mitteilung ist laut Weinreich mit »Unwahrheiten und Lügen gespickt«. Kurz darauf beschloss das Landgericht Berlin, dass der DFB Passagen aus der Presseerklärung zu unterlassen hat. Letztlich erwirkt Weinreich vor dem Landgericht Frankfurt am Main eine Gegendarstellung gegen die entsprechenden Passagen.

Damit ist der Rechtsstreit jedoch nicht beendet. Am 5. März kommt es zur mündlichen Verhandlung in Frankfurt am Main, da der DFB gegen die Gegendarstellung Widerspruch eingelegt hat. Die Verfahrenskosten sind derweil so hoch, dass Jens Weinreich zu Spenden aufrufen musste. Im Interview spricht er über die »Kommunikationsherrschaft« des DFB, die Folgen des Verhandlungsmarathons und seine journalistischen Skrupel.


Herr Weinreich, Medienjournalist Stefan Niggemeier hat Ihren Kampf gegen den DFB mit dem Duell zwischen David und Goliath verglichen. Wie viel David gegen Goliath steckt in dieser Auseinandersetzung?

Ich habe den Begriff David gegen Goliath ganz bewusst nicht gewählt. Das zu beurteilen, ist Sache der Leser.

Haben Sie nicht das Gefühl, gegenüber dem DFB mit unterlegenen Waffen zu kämpfen?

Das muss man auseinanderhalten. In Fragen der Kommunikation und der Transparenz fühle ich mich nicht unterlegen. Überhaupt nicht. Ich denke, die Transparenz, die ich in meinem Blog www.jensweinreich.de in dieser Sache beweise, überzeugt den einen oder anderen Beobachter. Einige DFB-Verantwortliche hat das offenbar überrascht, denn in Frankfurt am Main verwechseln manche doch munter die Begriffe: Transparenz, Kampagne, angeblich anonymes Internet – da purzelt einiges durcheinander, was bei Kommunikationsherrschern eher nicht durcheinander purzeln sollte. Also, auf der einen Seite steht jemand, der versucht, journalistisch vorzugehen. Auf der anderen Seite klirrt man mit den Waffen, die Macht, Einfluss und Geld heißen. Das sind für mich eher primitive Waffen, wenngleich meist sehr wirkungsvolle.

Haben Sie die Befürchtung, auch bei einem juristischen Erfolg als Verlierer dazustehen?

Der DFB hat mit sehr deutlich gemacht, dass er immer weiter geht. Mir haben Juristen erzählt, dass es bis zur letzten Instanz drei Jahre dauern kann. Wenn ich dann ausgerechnet letztinstanzlich verlieren sollte, was ja theoretisch möglich ist, könnte ich plötzlich mit 70.000 Euro Verfahrenskosten, also Anwalts- und Gerichtskosten, dastehen. Oder mehr. Dann hätte ich auch die Kosten des DFB mitzutragen. Das ist ganz klar eine Gefahr. Ich wäre dämlich, wenn ich mich an fünf Beschlüssen berauschen und diese Gefahr nicht erkennen würde.

Um diese Gefahr zu mindern, haben Sie auf Ihrem Blog kürzlich zu Spenden aufgerufen. Wie sind die Reaktionen darauf ausgefallen?

Die Reaktionen sind überwältigend, teilweise empfinde ich das als etwas beschämend. Rund tausend meist wildfremde Leute mailen mich an, spenden Geld und finden dazu noch ein paar Worte. Und zeigen sich beeindruckt von der Transparenz auf dem Blog. Ich kenne vielleicht fünf Prozent derjenigen, die gespendet haben, persönlich. Ich finde, das ist eine beeindruckende Solidaritätswelle. Das muss ich erst mal verarbeiten.

Können die Spenden Ihre Kosten decken?

Ich bin recht optimistisch, es ist schon eine fünfstellige Summe beisammen. Aber sollte es zum Worst Case kommen, ich verliere nach drei Jahren und es fallen 70.000 Euro an, wäre nur ein Bruchteil der Kosten gedeckt.

Haben Sie eine Idee, wie Sie diesen Betrag stemmen könnten?


Ich kann ihn nicht stemmen, das ist doch klar. Nicht umsonst habe ich versucht, am 22. Februar im Blog meine Situation darzulegen. Und nicht umsonst hatte ich Skrupel. Ich habe mich gefragt: Kann, darf ein Journalist zu Spenden aufrufen? Doch die Skrupel sind von der Macht des Faktischen vertrieben worden. Außerdem haben mich viele Leser geradezu aufgefordert, um Spenden zu bitten. Die Kosten wachsen an und wachsen an, und am Ende steht da eine Gefahrensumme im Raum, bei der ich mir keine Skrupel mehr leisten kann. Und schließlich habe ich ja nichts Unrechtes getan, daran darf ich doch mal erinnern, oder?

Welche Auswirkungen hat der Spendenaufruf auf Ihre Arbeit?

Da ich momentan mit den Reaktionen beschäftigt bin und versuche, mich bei dem einen oder anderen zu bedanken, komme ich kaum zur Arbeit. Das ist eine ähnliche – aber inzwischen viel entspanntere – Situation wie im Herbst. Auch da bin ich kaum zur Arbeit gekommen und hatte insgesamt sicher mehr als einen Monat Verdienstausfall. Die Tage Mitte November, rund um diese skandalöse DFB-Pressemitteilung, will ich nicht noch mal erleben. Das war nervlich grenzwertig. Es gab Tage, da konnte ich nicht arbeiten und musste Aufträge zurückgeben. Das war nah am Zusammenbruch.

Hat diese Pressemitteilung Ihrer Reputation geschadet?


Das dürfte das Ziel gewesen sein, stelle ich als freie Meinungsäußerung mal so in den Raum. Was denn sonst? Diese Pressemitteilung ist für mich ein Vernichtungsfeldzug ohnegleichen. Ich habe zwei Gerichtsbeschlüsse erwirkt gegen diese Pressemitteilung. Doch der DFB akzeptiert das nicht und geht Kraft seines Geldes in weitere Instanzen. Wolfgang Niersbach  (DFB-Generalsekretär, Anm. d. Red.) hat diese Mitteilung noch an 100 prominente  Empfänger aus der Sportpolitik verteilt und ruft ausdrücklich zur Verbreitung dieser Argumentation auf. Nach wie vor fühlt sich kein Journalistenverband dafür zuständig. Ich weiß, dass Wolfgang Niersbach und Harald Stenger (Direktor für Kommunikation beim DFB, Anm. d. Red.)  noch Mitglieder des Deutschen Sportjournalistenverbandes sind. Der Verband findet es normal, dass zwei seiner prominentesten Mitglieder derartige Wahrheitsbeugungen vornehmen. Das erstaunt mich sehr, denn wenn ich die Satzungen dieses Verbandes richtig lese, müsste man eigentlich über ein Ausschlussverfahren von Stenger und Niersbach nachdenken.

Sie haben auf Ihrem Blog die »Kommunikationsherrschaft« des DFB angesprochen.

Ich habe den DFB-Präsidenten korrekt zitiert. Er hat auf dem Kongress des Deutschen Olympischen Sportbundes gesagt: »Wenn Sie die Kommunikationsherrschaft nicht haben, sind Sie immer Verlierer.«

Was sagt Ihnen dieses Zitat?

Viel. Wenn man sich das ganz genau anschaut, verbergen sich hinter dieser Aussage etliche hochinteressante Fragen. Ich glaube, die Pressemitteilung vom 14. November illustriert sehr schön, wie sich der DFB Kommunikation vorstellt: Man setzt einfach mal was in die Welt, mit vielen Unwahrheiten und Wahrheitsbeugungen, verschweigt sogar zwei Gerichtsbeschlüsse, die mir Recht geben, und dann guckt man mal, was passiert. Ich nenne das Propaganda. Ist das die vom DFB-Chef angestrebte »Kommunikationsherrschaft«? Etwas wird schon hängen bleiben.


weiterlesen [1] [2]

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Kommentare

  • User
  • 04.03.2009 03:36:20 elfnarzo

    Gutes Interview, sehr interessanter Themenkomplex.
    Ich kann die Argumente von Weinreich gut nachvollziehen, würde ihm aber auch eine geringe Teilschuld an der Eskalation geben.

    Bin sehr gespannt wie sich das weiterentwickelt, bitte informiert in sinnvollen Abständen darüber liebe 11Freunde

  • User
  • 04.03.2009 07:29:14 Turbostaat80

    Versuch Nr.3 (Scheiß Kontrollkot):

    Schön das dem Herrn Weinreich endlich auch mehr Öffentlichkeit (11F, Radiointerview bei 1Live, kanns auf der HP nicht mehr finden. Bei Interesse kann ich das Interview zur Verfügung stellen) außerhalb seines Blogs zuteil wird.

    Das Traurige an der ganzen Geschichte ist einfach, dass seine eigentliche Arbeit zu kurz kommt.

  • User
  • 04.03.2009 09:35:48 ode

    Herrlicher Euphemismus: Wahrheitsbeugung!

    Kann nicht verkehrt sein, sich vorsichtiger zu äußern, wenn man das hier liest...

    ode.

  • User
  • 04.03.2009 12:02:04 spreekicker

    in meiner eigenschaft als west-berliner klassenkämpfer und hertha-fan, finde ich gut, dass der aspekt der rechtsstreitkosten nicht zu kurz kommt.
    ich wäre aber nicht der spreekicker, wenn ich nicht dennoch ein haar finden würde. eigentlich nicht wirklich ein haar, sondern ein kosequentes zuendedenken der rechtsstreitkostenproblematik:

    das soll gleichheit vor dem gesetz sein, wenn zwei streitparteien mit unterschiedlich hohen einsatz agieren dürfen.
    hier die scharr von hochdotierten juristen auf 20ers seite und dort der kleine blogger mit dem pflichtverteidiger.

    aberwitzigerweise steigt die wahrscheinlichkeit den rechtsstreit zu verlieren mit sinkender möglichkeit sich ebenso umfassend rechtlich vertreten zu lassen wie es die gegenseite tur/kann/will.
    wer also wenig geld hat verliert auch noch eher und darf die anwaltsscharr des gegenübers bezahlen. sehr witzig eigentlich, nur spielt dies leider nicht im leben des brian.

    hinzu kommt, dass die möglichen kosten bereits zu lasten der finanziell drastisch unterlegenen seite eine rolle spielen, diese wird eher abgeneigt sein ihre rechtsauffassung durchzusetzen, weil es eben nicht die portokasse ist, welche da geplündert wird, sondern mindestens 7 jahre (offenbahrungseid) das leben am existenzminimum bedeutet. wenn man familie hat, um so drastischer die ganze sache.

    selbst wenn beide seite gleiche rechtsvertretung in anspruch nehmen würde, so sind die kosten bis zur xten instanz oft nur von einer seite achselzuckend bezahlbar

    unterm strich ist dies praktizierte klassenjustiz.

  • User
  • 04.03.2009 12:36:27 betze_diaspora

    spreekicker, so ganz stimmt das mit dem pflichtverteidiger nicht. weinreich nimmt nämlich die dienste von denen hier in anspruch. mir scheint das keine klitsche auf dem level von lionel hutz zu sein. nachzulesen hier.
    was aber im grunde genommen nichts daran ändert, dass freund zwanni rein finanziell gesehen ganz andere möglichkeiten hat als weinreich.

  • User
  • 04.03.2009 12:44:03 droerfzgen

    Zwanziger ist ja bekanntlich ein falscher 50er.

    Herr Zwanziger ist wohl vom Demagogen zum Polemiker geworden.

    Der Polemiker sucht nicht den Konsens, sondern will im rhetorischen Wettstreit siegreich sein (Wikipedia).

    Hoffentlich werde ich jetzt nicht auch verklagt ;)

    Pressemafia DFB

  • User
  • 04.03.2009 12:47:11 spreekicker

    natürlich finden sich immer juristen wenn ein fall aussicht auf erfolg hat und auch noch eine gewisse mediale dichte erreicht hat, ich schätze nicht, dass die bei ihm dasselbe honorar abrechnen wie, wenn sie für siemens oder sonst wem sich bemühen.
    aber selbst wenn dies nicht der fall sein sollte, so bedeutet die inanspruchnahme jener vertretung erst recht ein objektiv wesentlich höheres risiko demnächst nur noch nusspli statt nutella morgens auf dem tisch stehen zu haben und zwar sieben jahre lang!

    meine these wäre, dass wenn der fall nicht solche wellen geschlagen hätte, die herren vom potsdamer platz nicht unbedingt den kleinen blogger verteten würden.

    aber unabhängig davon sind wir uns ja einig, dass nicht nur die finanziellen möglichkeiten andere sind, sondern auch die risiken im falle einer niederlage ganz erheblich auseinanderdriften.

  • User
  • 04.03.2009 13:21:52 betze_diaspora

    naja, das ist spekulation. möglich wäre es, dass die kanzlei auf die publicity aus ist, wissen kann man das nicht. gleiches gilt für die rechnungen, die sie weinreich schicken.
    ansonsten sind wir uns tatsächlich einig.

  • User
  • 04.03.2009 13:24:01 unionchemiker

    besitzt herr weinreich als journalist nicht quasi automatisch ne rechtsschutzversicherung!?
    und in diesem fall werden die bonells dieser welt schlange gestanden haben um sich den fall zu schnappen.

    aber seis drum, selten war mir ein fall egaler....

  • User
  • 04.03.2009 13:25:03 Turbostaat80

    Also wenn ich mich richtig erinnere hat JW die Anwälte schon von Anfang an, d.h. er hatte die schon bevor das Thema in die Medien gekommen ist.

  • User
  • 04.03.2009 13:36:16 betze_diaspora

    @uschi: an sich besitzt er die. bzw besäße, wenn sich seine berufsvereinigung dafür zuständig fühlte. tut sie aber irgendwie nicht. was daran liegen könnte, dass niersbach dort ebenfalls noch mitglied ist. aber das ist wieder spekulation.

  • User
  • 04.03.2009 13:45:37 unionchemiker

    boah, der fall gibt ja mehr verschwörungen her als der tod michael jordans vater....

  • User
  • 04.03.2009 13:55:39 betze_diaspora

    geht ja noch weiter. im kicker findet das alles ja irgendwie gar nicht statt. was mich immer gewundert hat. aber dann hab ich gelesen, dass der holzschuh mal pressesprecher beim dfb war.

  • User
  • 04.03.2009 14:03:15 Soda

    ich weiß nicht was du mit verschwörungen meinst, nicht jede vermutung ist gleich eine verschwörung.
    interesse weckt das thema bei mir schon, es geht um ein der grundstützen einer freien gesellschaft.: der pressefreiheit,
    die durch investments langsam unterbunden wird, deswegen find ichs umso mutiger was weinrich macht und erreicht hat.
    dass sich der kicker dafür nicht interessiert, zeigt wohl die vernetzung des altdorfer magazins mit so mancher lobby..
    grüßle

  • User
  • 04.03.2009 14:14:16 Atatenango

    Kann mir einer erklären, wie da 70.000 € zusammen kommen? Erscheint mir verdammt viel...

    Ansonsten kann ich das alles nicht wirklich nachvollziehen, warum sich der Zwanziger bzw. der DFB so querstellt, denn prinzipiell fänd ich es ja besser, wenn die Leute für hungernde Kinder oder so spenden würden als für so'n Blödsinn!

  • User
  • 04.03.2009 14:17:37 Turbostaat80

    Kommunikationsherrschaft Baby Kommunikationsherrschaft!

    JW ist einer der auch mal unangenehme Themen anpackt was im Sportjournalismus doch eher selten ist.

    Und das ist dem DFB ein Dorn im Auge. 20er und Co versuchen so einen lästigen Reporter los zu werden.

  • User
  • 04.03.2009 14:19:04 Turbostaat80

    Die 70000€ setzen sich, glaube ich, aus JWs Gerichtskosten und den Kosten des DFB über drei Jahre betrachtet zusammen. Für den Fall eben, dass JW in letzter Instanz verlieren sollte.

  • User
  • 04.03.2009 14:20:31 betze_diaspora

    naja, atatenango, presse- und meinungsfreiheit würd ich jetzt nicht als blödsinn titulieren.
    und dass die 70k euro so nicht zusammenkommen oder bisher zusammengekommen sind, steht ja in dem interview.

  • User
  • 04.03.2009 14:21:00 betze_diaspora

    achso, so war das gemeint. sorry, missverstanden...

  • User
  • 04.03.2009 14:28:38 Turbostaat80

    Wer es genau wissen will: HIER die Begründung von JW in seinem Blog warum er jetzt auf Spenden angewiesen sein könnte.

  • User
  • 04.03.2009 14:37:58 unionchemiker

    soda, ich schrieb, dass mir die geschichte reichlich egal ist. deswegen vermutete ich, den smily weglassen zu dürfen.

    die zeitungen, die ich lese, berücksichtigen pressefreiheiten ihrer mitarbeiter, bloggen finde ich blöd, zwanziger wird das ding gegen die wand fahren vor gericht (aus keinem anderen grund hat weinreich diese anwälte) und das alles wird nicht in der öffentlichkeit stattfinden, in der bild-geprägten.

    ernsthaft, es gibt dutzende wichtigere themen für mich als ein kindergartenstreit auf höchstem niveau und höchster ebene....

  • User
  • 04.03.2009 14:47:53 Soda

    jea versteh ich natürlich, no stress ;)..
    und das schöne ist ja das meinungen verschieden sein dürfen,
    grüßle
    david

  • User
  • 04.03.2009 14:56:02 fohlenarmine

    Meine Meinung, und ich beanspruche das Recht der Meinungsfreiheit: Wer jemand Anderen als "Demagogen" bezeichnet, sollte sich darüber im Klaren sein sein, was dieses Wort bedeutet, und durchaus mit Gegenwind rechnen. Auch wenn 5 Gerichte bestätigt haben, dass diese Äusserung von der Meinungsfreiheit gedeckt ist. Ich finde das übrigens auch, aber Herr Weinreich soll nicht so rumheulen, das geht mir auf den Keks. Als Journalist soll er sich der Verantwortung seiner Wortwahl bewusst sein. Aber vielleicht kämft er ja eigentlich einen anderen Kampf, die bösen Mächte des DFB und so, und er das arme Opfer, das von Papa nie gehört worden ist und dem jetzt auch noch vom Papa der Mund verboten werden soll.

  • User
  • 04.03.2009 14:58:27 Turbostaat80

    @fohlenarmine

    Was bedeutet denn deiner Meinung nach "Demagoge"?

    Die Tatsache, dass 20er selbst einem Journalisten "demagogische Fragen" vorgeworfen hat, spielt auch keine Rolle?

  • User
  • 04.03.2009 16:56:43 fohlenarmine

    Muss man Dir immer alles erklären? Guck doch einfach bei wikipedia oder in jedem anderen Lexikon nach. Für mich ist ein "Demagoge" ein "Volksverführer" oder ein "Volksverhetzer". Das Paradebeispiel eines Demagogen ist ein gewisser hinkefüssiger Goebbels gewesen. Muss man nicht so sehen, aber assoziiere ich damit. Und auch, wenn Herr Zwanziger angeblich die "Kommunikationsherrschaft" anstrebt, es ist immer noch ein Unterschied, warum er das will. Ich glaube nicht, dass er es tut, um ein ganzes Volk in den totalen Krieg zu schicken.

    Zur zweiten Frage: Der zweite Satz des obigen Posts gilt auch für Herrn Zwanziger.

  • User
  • 04.03.2009 17:26:06 Redondo71

    Nur mal so am Rande...Das ist ein Verfahren der Zivilgerichtsbarkeit. Da gibt es keine Pflichtverteidiger!

    Im Übrigen finde ich den Spendenaufruf vor einer mündlichen Verhandlung der ersten Instanz lächerlich! Sollte Weinreich tatsächlich in der letzten Instanz unterliegen (ich bezweifle, dass es überhaupt zu einem Verfahren über den gesamten Instanzenzug kommt) und er die komplette Kapelle zahlen müssen, wäre immer noch Gelegenheit, um Unterstützung zu bitten. So hat das für mich den schlechten Beigeschmack!

    Zumindest weiss Herr Weinreich, dem ich in der Sache durchaus Recht gebe, die Öffentlichkeit für seine Belange einzuspannen.

  • User
  • 04.03.2009 18:46:06 spreekicker

    danke für den hinweis mit der ausfallenden pflichtverteidigung.

    jetzt habe ich folgende frage eines (hört hin!) etwas ahnungslosen (ist wirklich nicht rhetorisch gemeint):

    wenn man das mit dem nicht vorhandensein der pflichtverteidigung betrachtet und das mit meiner ohnehin geäußerten generalkritik verbindet, so macht das die sache (doch) nur schlimmer, oder?

    fohlenarmine, ich kann dein argument der zu erwartenden gegenwehr schon nachvollziehen, aber dennoch sollte doch bitte nicht der geldbeutel des potenziell angegriffenen darüber entscheiden, ob man es gleich sein läßt kritik zu äußern...

    generell ist hier ein monetär bedingtes strukturelles defizit in der wahrnehmung des grundrechtes auf freie meinungsäußerung vorhanden.
    dass der kicker über dieses hochrelevante kickerthema nicht angemessen berichtet, dass ist auch noch so ein problem, weil viele medien ihrer journalistischen objektivität nur gerade dann nachkommen, wenn es passt. eine zeitschrift wie der kicker hat (eigentlich) auch eine verantwortung, allein wegen seiner größe......

  • User
  • 04.03.2009 19:55:27 indykiste

    Zuerst mal DANKE für dieses Interview!
    Ich fand, daß es höchste Zeit dafür war.
    Auch den Titel finde ich gut gewählt, da es meiner Meinung nach genau darum geht, denn wer den Werdegang von Weinreich mal verfolgt, kann sich dem Verdacht kaum entziehen, daß hier nicht irgendein Kommentator abgestraft werden soll( das ginge ja auch einfacher und anders über den Blogbetreiber), sondern daß es eine Abrechnung mit einem der kritischsten Sport-Journalisten(viele gibt es ja weiß Gott nicht) werden soll.
    Hier geht es um Macht, und den Umgang mit Geldern der Mitglieder.
    Zum Thema Kicker nur soviel: Chefredakteur Holzschuh war 5 Jahre Pressechef des DFB- noch Fragen?

  • User
  • 05.03.2009 10:05:49 AbteilungAttacke

    1. Leider hat Spreekicker z.T. Recht, wenn er Klassenjustiz moniert - jeder der mal in erster Instanz vors Arbeitsgericht gezogen ist, wird wissen was ich meine.
    In § 20 BRAGO wird zudem die Erstberatungsgebühr zwischen 15 und 180 Euro festgelegt. Das ist dieses berühmte "Guten Tach, ich hätte da mal ne Frage..." Und zweimal kann man sich überlegen, wieviele Anwälte 15 Euro nehmen - und wieviele 100.175 Euro... (Alter Witz: Mandant kommt zum Anwalt und sagt, er habe zwei Fragen. Anwalt: Das wird sie 1000 Euro kosten. Mandat: Was so viel ? Anwalt: Ja. Wie lautet die zweite Frage?)
    Wer nicht Rechtsschutzversichert ist, ist am Arsch. Sachlich gesprochen.

    2. Dass Herr Weinreich nun am Hungertuch nagen muss, erscheint mir dagegen Zweifelhaft. Dafür sprechen nicht nur die gewonnenen Fälle (Stichwort Kostenerstattung), sondern auch seine von ihm gewählte Rechtsvertretung.

    3. Generell ist es störend, wie sehr Herr Weinreich sich hier als Opfer zu stilisieren versucht. Damit da keine Mißverständnisse aufkommen: Weinreich war vollauf gerechtfertigt, juristisch, moralisch, und das Verhalten des DFB is' ne riesen Schweinerei.
    Aber dieser weinerliche Ton, dieses ständige Deklamieren der 5 Urteile, dass alles wirkt eher weinerlich als souverän.

  • User
  • 05.03.2009 16:37:11 Turbostaat80

    Btw: JW hat die nächste Runde für sich entschieden!

    Näheres bald HIER

  • User
  • 10.03.2009 15:26:47 Heiko Nock

    @AbteilungAttacke
    Nee, wird er nicht. In der ersten Instanz vor dem Arbeitsgericht trägt nämlich jeder seine Anwaltskosten selbst, unabhängig vom Ausgang des Verfahrens. Und auch sonst erinnert dort nichts an Klassenjustiz. Die BRAGO wurde übrigens bereits im Jahre 2004 durch das RVG ersetzt. Und eine Erstberatung umfasst auch nicht nur eine Frage.

    Es nützt ihm auch nichts, wenn er in der ersten Instanz gewinnt und dann in der zweiten Instanz verliert.

    Wenn Herr Weinreich allerdings nicht rechtsschutzversichert ist und sich die Verfahrenskosten nicht leisten kann, stellt sich die berechtigte Frage, warum er dann nicht Prozesskostenhilfe beantragt, die wenigstens seine eigenen Anwaltskosten und die Verfahrenskosten abdecken würde.

  • User
  • 10.03.2009 20:28:08 Luis Enrique

    er ist rechtsschutzversichert, allerdings trägt diese versicherung nicht die kosten eines solchen verfahrens. steht zumindest so auf seiner seite.

  • User
  • 11.03.2009 15:47:31 Heiko Nock

    @Luis Enrique
    Warum beantragt er dann keine Prozesskostenhilfe?

  • User
  • 12.03.2009 11:29:33 Luis Enrique

    weil man die vermutlich für solche prozesse auch nicht bekommt? größere möpse zahlt ja auch nicht die krankenversicherung. wat weiß denn ich.

  • User
  • 12.03.2009 12:28:15 Redondo71

    Ich will mich nicht lange dazu äußern. Aber PKH dient Menschen, die nach ihren persönlichen oder wirtschaftlichen Verhältnissen nicht in der Lage sind, einen Prozess selbst zu führen. Selbstverständlich muss der "Bedürftige" dabei für die Prozessführung zunächst seine finanziellen Mittel aufwenden (in welchem Umfange entscheidet das Gericht). Zum anderen wird PKH auch nur dann bewilligt, wenn die Führung des Prozesses ausreichend Aussicht auf Erfolg hat.

    Ich vermute, JW wird schon so vermögend sein, sich zunächst selbst die Prozessführung erlauben zu können. Bis zu welcher Instanz etc. sei mal dahingestellt!

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