DFB-Pokal 1982: Bayern-Nürnberg 4:2
Der weiß-rote Turban
Text: Felix Mergen Bild: Imago
Nach 45 Minuten führt der Underdog aus Nürnberg im DFB-Pokalfinale von 1982 mit 2:0 und quer über Dieter Hoeneß’ Stirn zieht sich eine klaffende Wunde. Bruder Uli fleht ihn an: »Wir brauchen dich!« Dieter macht weiter – und entscheidet das Spiel.
Spielbericht
Es gibt Spiele, deren Endergebnis bereits viel über ihren Verlauf verrät. Ein 6:6 oder ein 5:4 nach Verlängerung erzählt seine eigene Geschichte von Dramatik und atemloser Spannung. Ein 4:2 hingegen steht spröde in der Landschaft, klingt nach schneller Vorentscheidung und spätem Anschlusstor und kann doch das Resultat eines Nerven aufreibenden Pokaldramas gewesen sein. Die
Wir schreiben den 1. Mai 1982. Die Bäume rund um das Frankfurter Waldstadion stehen noch in der ersten Blüte und es ist noch längst nicht so warm, dass man die Jacke daheim lassen könnte. Und die 61 000 Zuschauer erwarten durchaus nicht, dass sie das Pokalendspiel über die Maßen erregen wird. Zu klar ist vermeintlich die Ausgangsposition, hier der Spitzenklub FC Bayern, dort das Kellerkind Nürnberg, das noch immer gegen den Abstieg kämpft. Die Zuversicht der Münchner kann dabei auch nicht trüben, dass ein paar Tage zuvor die Meisterschaft durch eine 3:4-Niederlage zu Hause gegen den HSV flöten gegangen ist und dass im Endspiel um den Landesmeisterpokal schließlich Aston Villa triumphierte. »Einen Pokal holen wir«, sind sich die Anhänger im G-Block, dort wo sonst die Eintracht-Anhänger stehen, sicher.
Hintermaier und Dressel stoßen in die Lücken der Abwehr
Doch das Spiel beginnt nicht so, wie es die Pläne von Coach Pal Csernai vorsehen. Nicht der FC Bayern macht das Spiel und kombiniert überlegen, sondern der Underdog aus Nürnberg lässt die Bälle laufen, der schnelle Werner Dressel und der robuste Reinhold Hintermaier stoßen immer wieder empfindlich in die Lücken. Müde und mutlos wirkt der FC Bayern und dann auch noch das. Bereits in den ersten Minuten des Endspiels haben sich Club-Verteidiger Reinhardt und Bayerns Stürmer Dieter Hoeneß erbittert beharkt, nun springen beide zum Kopfball hoch und stoßen so unglücklich zusammen, dass sich sofort ein klaffender Riss quer über Hoeneß’ lichte Stirn zieht. Die Wunde blutet so stark, dass der erste Kopfverband, den ihm der herbei geeilte Bayern-Doktor Müller-Wohlfahrt an der Seitenlinie notdürftig um den Kopf schlingt, bereits nach wenigen Minuten rot über das Spielfeld leuchtet. Hoeneß wird schwarz vor Augen, er kämpft mit dem Gleichgewicht, in der Pause, soviel ist ihm klar, muss er sich auswechseln lassen. Es geht nicht mehr.
Bruder Uli fleht in der Kabine: »Wir brauchen dich da vorn«
Doch in der Kabine ist vom Aufgeben keine Rede mehr. Besorgt und fordernd reden der Trainer, die Mitspieler, der Manager und Bruder Uli Hoeneß auf ihn ein. Nicht auswechseln lassen, beschwören sie ihn »Wir brauchen dich da vorn im Sturm ganz dringend«, sagt Uli und ein Blick auf die Anzeigentafel im Waldstadion verrät, wie recht er hat. Denn es steht 2:0 für den 1. FC Nürnberg und mehr noch als der Rückstand muss die Münchner deprimieren, wie er zustande gekommen ist. Denn in der 31. Minute hat sich Hintermaier unweit der Mittellinie den Ball geschnappt und knallhart aus etwa 40 Metern auf den Bayern-Kasten geknallt. Eine sichere Beute für Bayern-Keeper Manfred Müller, möchte man meinen, doch der Ball dreht sich, beschreibt eine tückische Kurve weg von Müller und hinein in den Winkel. Und kurz vor der Halbzeit ist Werner Dressel plötzlich durchgebrochen, hat die Hälfte der Bayern-Spieler ausgetanzt und umkurvt auch noch lässig Torhüter Müller. Das 2:0, das ist so etwas wie die Vorentscheidung, zumal auch noch der Münchner Abwehrmann Beierlorzer mit schmerzverzerrtem Gesicht vom Platz gehumpelt ist.
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