Was macht eigentlich ein Scout?
Die Observierer
Text: Mathias Ehlers Bild: Imago
Eines des Fußballs liebsten Modewörter ist der Begriff »Scouting«. Bar jeder Trennschärfe mäandert dieser Anglizismus durch den täglichen Gebrauch. Doch was tun Scouts eigentlich?
Wer, wie oder was gescoutet wird, ist selten klar. Stattdessen stehen hierbei viel zu häufig jene Ex-Profis im Vordergrund, die glauben, eine erfolgreiche Spielerkarriere reiche als Qualifikation für die Tätigkeit als Scout aus. Dabei bringt es die immer weiter vorangetriebene Professionalisierung der Rahmenbedingungen mit sich, dass die Bedeutung des Scoutings und somit die nötige Qualifikation der Scouts stetig wächst.
Doch was tun Scouts eigentlich? Klar, sie beobachten, für diese Erkenntnis bedarf es keines Englisch-Leistungskurses. Doch im Fußball lässt sich Etliches beobachten und damit setzt die Diversifizierung des Scoutings an. Im Grunde gibt es zwei Formen des Scoutings – zum einen die Beobachtung und Analyse von Spielen, zum anderen die Sichtung von Spielern. Die einen, die Spielerbeobachter, suchen nach potentiellen Neuzugängen, klopfen diese nach relevanten Gesichtspunkten ab und eruieren, ob es sich um eine potentielle Verstärkung handelt. Je intensiver dieser Prozess abläuft, desto wahrscheinlicher lässt sich ein teurer Transferflop vermeiden. Bayer Leverkusens Chefscout Norbert Ziegler beispielsweise legt größten Wert darauf, dass ein etwaiger Neuzugang absoluten Willen sowie persönliche Ausstrahlung beweist und unterstreicht mit Stolz, dass Bayer in seiner Amtszeit nicht einen Spieler unbeobachtet und auf halbseidene Tipps hin verpflichtete. Nicht eine DVD mit Traumtor-Medley und Hackentrick-Best-Of wird zur Empfehlung, sondern der Bewertungsbogen der Bayer-Scouts.
Vorzeigeprodukt Geromel – Bankrotterklärung Caio
Keine Überraschung also, dass Bayer bei diesem Aufwand ein relativ glückliches Händchen mit seinen Verpflichtungen hat und hatte. Nicht die Quantität der Scouts ist entscheidend, sondern die Qualität der Beobachtungsstruktur. Besonders stolz ist der 1. FC Köln diesbezüglich auf sein »SportsLab«, einer wahren »Scouting-Fabrik«, deren Leiter Boris Notzon behauptet, bei linearer Entwicklung sei man »in zehn Jahren das größte Fußballarchiv der Welt«. 30 Studenten, jeweils zuständig für eine Region dieser Welt, schauen sich unentwegt Spiele an und füllen die Datenbank. Als Vorzeigeprodukt des Kölner Scoutings gilt die Verpflichtung des Brasilianers Geromel, den man in Portugal entdeckte und die in ihn gesetzten Erwartungen übererfüllte. Heimlich wird man sich beiderseits des Rheins sicher ins Fäustchen lachen, wenn Frankfurts Heribert Bruchhagen nun zugibt, zu wenig über die persönlichen Befindlichkeiten des Millioneneinkaufs Caio gewusst zu haben – eine Bankrotterklärung der Frankfurter Scouting-Abteilung.
Doch nicht nur in Frankfurt gibt es im Spielerscouting Nachholbedarf. Ein Kernproblem ist oftmals die marginale Bedeutung, die dem Scouting beigemessen wird. Nicht selten geht es nur darum, verdiente Spieler in Lohn und Brot zu halten. Für diese eine angenehme Warteschleife und optimale Möglichkeit, ein dichtes Netz an Kontakten aufzubauen und zu pflegen; aber keine Tätigkeit, in die Herzblut investiert wird. Alles andere als eine gute Vorraussetzung, um effektiv und erfolgreich arbeiten zu können. Uwe Scherr, einst Profi auf Schalke, und vom damaligen S04-Manager Assauer zum Chefscout gemacht, lässt offen verlauten, dass er »nicht ewig Scout bleiben möchte« und viel lieber als Trainer arbeiten würde. Dass der FC Schalke auf dem Transfermarkt nicht vom Glück verfolgt wird und ein ums andere Mal arg daneben greift, erscheint vor dem Hintergrund dieses Statements zwangsläufig.
Ergänzung zu Heft #87 02/2009






