Verlegung des Pokalfinales der Frauen
»Anderen Rahmen verdient«
Text: Daniel Wehner, Milan Jaeger, Andreas Bock Bild: Imago
Seit 1981 findet das Frauenendspiel im DFB-Pokal als Vorspiel des Männer-Finales statt. Nun entschied der DFB eine Verlegung. Wir haben die TrainerInnen der zwölf Bundesligisten nach ihrer Meinung befragt.
Lange Zeit fristete das Pokalfinale der Frauen ein Schattendasein – irgendwo zwischen Vorspiel, Einheizer und Anhängsel des Herrenendspiels. Das Interesse war überschaubar, oftmals verirrten sich zum Anstoß nicht mehr als 5000 Fans im über 70.000 Zuschauer fassenden Berliner Olympiastadion. Bei gutem Wetter stolperten in der Halbzeit zwar ein paar weitere hinzu, doch selten sahen mehr als 20.000 Zuschauer den Schlusspfiff.
Spätestens seit dem Erfolg der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2007, dem einhergehenden Boom des Frauenfußballs und der massiven Lobbyarbeit von Dr. Theo Zwanziger (»Die Zukunft des Fußballs ist weiblich«), diskutierte man ernsthaft über eine Verlegung. Peter Peters, der Geschäftsführer des FC Schalke 04, plädierte bereits Anfang 2007 für eine Verlegung des Finales in die Arena »Auf Schalke«. Ein Vorschlag, der bei den Fans und den Verantwortlichen der Bundesligavereine auf Ablehnung stieß.
Zwei Jahre vor der WM 2011: »Die Zeit ist reif«
Zwei Jahre später sind sich sieben von zwölf BundesligatrainerInnen sicher: Sie halten Berlin als Austragungsort für überholt, und glauben, dass die Zeit gekommen sei, um sich vom Herrenendspiel zu emanzipieren. »Der Frauenfußball wird durch eine Verlegung erst die Chance bekommen, eine eigene Tradition zu entwickeln und ihm würde endlich die Ehre zuteil, die ihm gebührt«, sagt Deniz Bakir, Trainer vom SC 07 Bad Neuenahr. Ralf Kellermann vom VfL Wolfsburg findet, dass das Finale bis zuletzt – trotz des Booms – immer den Charakter des Vorspiels gehabt habe: »Die Ränge füllten sich erst in der 2. Halbzeit. Auch aufgrund der Weltmeisterschaften 2010 und 2011 ist die Zeit für eigene Wege mehr als reif.«
Zugleich ist man sich einig, dass sich Multiplexarenen wie die »Arena Auf Schalke« oder die »Commerzbankarena« aufgrund ihrer Größe zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht als Austragungsort eignen. So schlägt Herbert Müller vom TSV 1846 Crailsheim den Gladbacher Nordparl als Austragungsort vor, Björn Kentner (Herforder SV Borussia Friedenstal) die Bielefelder Schüco-Arena.
Kritik von vier Trainern
Für Ralf Agolli (SG Essen-Schönebeck), Günter Rommel (SC Freiburg) und Bernd Schröder (1. FFC Turbine Potsdam) kommt der Schritt indes zu früh. Sie vertreten die These, dass das Herrenendspiel dem Frauenfußball die Bühne bereite und dass das Interesse am Frauenfinale nun rapide abnehmen könnte. »Für ein Pokalfinale in Duisburg, München oder Hintertupfingen würde sich kein Mensch interessieren, und es würde den Frauenfußball in keiner Weise populärer machen«, glaubt Bernd Schröder vom dreimaligen Pokalsieger 1. FFC Turbine Potsdam.
Günter Wegmann vom Rekordpokalsieger 1. FFC Frankfurt ist gar der Meinung, dass das Frauenendspiel sich trotz der Terminierung vor dem Männerfinale längst seines einstigen Charakters des Anhängels entledigt hatte: »Durch den hohen Stellenwert und die bundesweite TV-Übertragung war das Frauenfinale in Berlin mehr als nur ein Vorspiel. Viele Fußballinteressierte haben diese beiden Finalspiele als attraktiven Doppelevent wahrgenommen.«
Die Statements im Einzelnen auf Seite 2
Ergänzung zu 11 FREUNDINNEN #1






