Kapitalgesellschaften in der Bundesliga
Was ist deine Lieblingfirma?
Text: Stefan Reinke Bild: Imago
Wie viele Vereine spielen in der 1. Fußball-Bundesliga? Achtzehn? Falsch! Im Oberhaus kicken nur noch sechs Vereine. Der Rest setzt sich aus teils kryptisch klingenden Gebilden wie GmbH & Co. KGaA zusammen.
Der 31. Oktober 2000 war ein bedeutender Tag in der Geschichte des deutschen Fußballs. Der Handel für Deutschlands erste Fußball-Aktie wurde eröffnet: Die Borussia Dortmund GmbH und Co. KGaA betrat das Frankfurter Handels-Parkett. Der Verein BVB spielte da schon längst nicht mehr in der Bundesliga.
Denn wer zum Zeitpunkt des Börsengangs von Borussia Dortmund sagte, der BVB sei sein Lieblingsverein, wusste wahrscheinlich gar nicht, dass er damit höchstens die Tischtennis-Spieler und diverse Fußball-Jugendmannschaften meinte. Anhänger der schwarz-gelben Profis hätten eher von ihrer Lieblingsfirma sprechen müssen.
Weder die Profis noch die Zweite Mannschaft oder die in der Bundesliga und in internationalen Wettbewerben erfolgreichen Handball-Damen gehörten zu diesem Zeitpunkt noch dem Verein BVB an.
Der Grundstein dafür wurde auf der Jahreshauptversammlung von Borussia Dortmund im Jahr 1999 gelegt. Damals beschlossen die Mitglieder des BVB fast einstimmig die Gründung einer Kapitalgesellschaft, der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA.
Profitable Felder ausgegliedert
In diese Gesellschaft hatte der BVB alle Abteilungen ausgegliedert, die irgendwie Profit versprachen, also natürlich auch die Profi-Mannschaft. Erst durch den Börsengang im Jahr 2000 rückte dieser Umstand ins Bewusstsein der Masse und Borussia Dortmund stand als Beispiel für das Ende des Vereinsfußballs und den Beginn eines Zeitalters, in dem Kapitalgesellschaften in der Liga den Ton angeben würden.
Dass der BVB kein Einzelfall ist, bewies dabei schon Franz Beckenbauer mit einem flapsigen Spruch. »Ich bin nur der Präsident der Schachspieler«, scherzte der Kaiser, denn die Fußball-Profis der Bayern gehören seit 2002 der Bayern München AG, deren Vorstandsvorsitzedner wiederum Karl-Heinz Rummenigge ist.
Bereits 1996 hatten die Mitglieder des FC Bayern der Gründung einer Aktiengesellschaft und der späteren Ausgliederung des Profi-Fußballs zugestimmt, also noch bevor der DFB 1998 beschloss, auch Kapitalgesellschaften in den Spielbetrieb aufzunehmen.
Keine feindliche Übernahme
Die Bayern kicken also als AG, die Dortmunder als im Fußball inzwischen weit verbreitete GmbH & Co. KGaA. Aber wo ist eigentlich der Unterschied?
Kurz gesagt, kann eine GmbH & Co. KGaA nicht von einem Konkurrenten übernommen werden. Immer wieder wurde gescherzt, der FC Schalke 04 könne nun die Borussia aufkaufen und dort über die Geschicke bestimmen. Doch genau davor schützt eine KGaA.






