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11.12.2008

Hertha sucht seine Identität

Seelenlos BSC

Text: André Görke   Bild: Imago

Hertha BSC müsse mehr Berliner Seele haben, sagt Trainer Lucien Favre. Dabei wurden doch so viele echte Berliner gerade erst aussortiert. Nur drei Spieler gehören zum Kader, die in Berlin geboren sind.

Hertha sucht seine Identität - Seelenlos BSC


Am Ku’damm hat Lucien Favre eine hübsche Vision geäußert. »Ich bin der Auffassung, dass man in dieser Stadt mehr Berliner in der Mannschaft haben muss«, sagte der Trainer von Hertha BSC im Büro der »B.Z.«: Ihm sei es »wichtig, dass Hertha eine Berliner Seele hat.«



Mehr Berliner im Kader? Bislang sind es - mal kurz in die Lebensläufe geguckt - fünf Fußballer von Hertha BSC, die in Berlin geboren sind: Drei von denen (Sascha Bigalke, Shervin Radjabali-Fardi und Lennart Hartmann) sind allerdings nur echten Hertha-Kennern ein Begriff; die beiden anderen - Christian Fiedler und Sofian Chahed - hatten schon mal auffälligere Tage in ihrer Heimatstadt. Hinzukommen zwei junge Brandenburger: Marc Stein und Patrick Ebert, beide aus Potsdam.

Nicht jede Berliner Seele wollte Hertha haben

So richtig viel Berliner Seele hatte Hertha vor gar nicht so langer Zeit im Kader. Es sei an dieser Stelle an die Herren J. Boateng (mittlerweile in Hamburg), K.-P. Boateng (Tottenhams Reserve), S. Salihovic (Hoffenheim), A. Dejagah (Wolfsburg), M. Fathi (Moskau) erinnert, die alle nicht mehr in Berlin spielen. Echte Typen, leidenschaftlich, streitbar, umstritten. Die Liste der verloren gegangenen Berliner ließe sich noch um A. Schmidt (ehemaliger »Pokalbubi«) und A. Neuendorf (Ingolstadt) ergänzen. »Zecke«, den ehemaligen Publikumsliebling, würde so mancher gern bei Herthas Amateuren sehen, aber das nur am Rande.

Der Klub tut sich schwer mit seiner Heimatstadt. Bis heute gibt es keinen offiziellen Fanshop im Osten der Stadt, das »Hertha-Museum« scheint in Vergessenheit geraten zu sein, ja, nicht mal Maskottchen Herthinho - Idol für tausende Kinder - kommt aus Berlin (auf seiner Autogrammkarte steht »Brasilianischer Urwald«). Und statt des blau-weißen Gründungsdampfers »Hertha«, der derzeit unbemerkt auf der Kyritzer Seenplatte unterwegs ist, schippert seit Jahren fröhlich ein rot-weißes Schiff über die Spree und wirbt für den anderen großen Berliner Klub.

Immerhin, die künstliche Kampagne »Play Berlin«, die ja nicht einmal die Geschäftsführung verstanden hat, ist längst eingestellt. Der neue Slogan ist ein bisschen besser. »Aus Berlin. Für Berlin«. Allein um Letzteres geht's doch auf dem Platz. Oder warum werden Typen wie Nicht-Berliner wie Simunic und Pantelic im Stadion gefeiert?


Tagesspiegel@11Freunde




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Kommentare

  • User
  • 11.12.2008 13:59:04 pommesgruenweiss

    Berliner Seele... Um die Jahrhundertwende stammten 1/3 der Berliner aus Schlesien (heute Polen), um die Jahrtausendwende gefühlte 1/3 aus der Türkei & Arabien. Das 2. Drittel kommt aus westdeutschland und "ischt äher dem VfB Schtuttgart" zugeneigt. Wenn z.B. Hertha gegen "Gala" ein Auswärtsspiel im heimischen Olympiastadion hat, dann sagt das was aus über die Identifikation mit "der Hertha". Das hängt nicht mit der Anzahl von "Locals" zusammen (siehe hierzu: Schalke, Dortmund oder Bayern), sondern mit der Seele des Vereins: Und die sieht so multidivergent aus, wie ein Berliner Laubenpieperkolonie.

  • User
  • 12.12.2008 01:58:00 Abbyprofi

    Kann dieser Meinung eigentlich nur zustimmen.
    Ist zudem auch klasse , wenn ein Trainer aus der Schweiz , der nie zuvor in der Bundesliga beschäftigt war und selbst Profis
    aus der Schweizer NLA mitgebracht hat , nach dem teilweise
    übereilten Verkauf einiger Hertha-Eigengewächse ein solches
    Urteil fällt.

  • User
  • 12.12.2008 08:42:15 european

    Fakt ist aber auch, daß trotz der Niederlage am letzten Wochenende diese Saison wieder mit der Hertha zu rechnen ist. Und Herr Favre war es nicht, der die im Artikel genannten Berliner ausverkauft hat.

    Die Hertha spielt in diesem riesigen Olympiastadion (gott lob schreit hier noch keiner nach der sogenannten "fussballarena") und dabei würde ihr meist die bielefelder alm reichen und ja, berlin ist eine stadt wo die leute eben keine berliner sind und sich den vfb schtttuttgard mitbringen oder eben gala.

    last die mal in ruhe arbeiten und von mir aus den herrn favre auch das berlinerische beschwören, der ist trainer und kein soziologe, und nächstes jahr spielt die hertha dann mal aus eigener kraft qualifiziert wieder international.

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