Das Nuller-Heft

11FREUNDE-Spezial: 00er

Das waren die Nuller Jahre

Neu hier? Alle Infos zu 11Freunde Community
08.12.2008

Hoeneß attackiert mal wieder

In Ulis Haut

Text: Andreas Berten  Bild: Imago

Einen Tag lang schweigt Bayern-Manager Hoeneß zum Sieg gegen Hoffenheim, dann attackiert er den »Besserwisser« Ralf Rangnick, der noch feststellen werde, »dass Höhenluft viel dünner ist, als die Luft, die er derzeit genießt«.

Hoeneß attackiert mal wieder - In Ulis Haut


Wer Philipp Lahm in der Nacht zum Samstag hinter den Türmen von Fernsehkameras nicht sah und nur reden hörte, der konnte auf den Gedanken kommen, da stünde jemand anderes vor den Mikrofonen. Denn wenn man den Wiedererkennungswert seiner Stimme ausgeblendet hätte, wären solche Worte, wie sie der überragende Linksverteidiger des FC Bayern München nach dem glücklichen 2:1 über 1899 Hoffenheim wählte, nur von einem Herrn zu erwarten gewesen, der rund 30 Jahre älter als Philipp Lahm ist, der um den Bauch herum wesentlich mehr Leibesfülle besitzt und dessen Haarpracht sich nach so manch geschlagener Schlacht im harten Metier Profifußball bis auf einen seitlichen Kranz um den Kopf herum reduziert hat: Uli Hoeneß.



So aber schlüpfte Philipp Lahm in die Rolle des Bayern-Managers. Nein, das sei kein Bayern-Dusel, mit dem Luca Toni in der zweiten Minute der Nachspielzeit den Siegtreffer erzielt habe, nur »die bessere Offensivqualität« und die besondere Körpersprache seiner Mannschaftskollegen: »Wir sind der FC Bayern, der immer gut ist für ein Tor.«

Erst macht Hoeneß Späße, dann spuckt er Gift


Einen solchen Satz könnte Uli Hoeneß glattweg als geistiges Diebesgut reklamieren. Unmittelbar nach dem rasanten, ergreifenden und begeisternden Spitzenspiel gegen den furiosen Novizen hielt er sich mit solchen Beschuldigungen gegen den besten Münchener Spieler aber zurück. Stattdessen packte der Bayern-Manager den Schelm aus. Während Karl-Heinz Rummenigge sachlich seine Anerkennung für die wackeren Hoffenheimer zum Ausdruck brachte (»Hoffenheim ist im Kommen. Sie werden bei den Voraussetzungen oben mitspielen.«), schlich Hoeneß heimlich und leise an ihm vorbei und machte hinter dem Rücken des Vorstandskollegen eine Handbewegung, die in den Kameras als Mischung aus Victoryzeichen und Hasenohren aufgefangen wurde.

Ja, so ein Abend hebt die Laune, das war die passende Antwort für den aufmüpfigen Aufsteiger, wird sich der mächtige Manager wohl gedacht haben. Es war verwunderlich, dass Hoeneß ohne spöttischen Seitenhieb und Schadenfreude die Arena verließ.

Erst gestern meldete er sich im DSF-Doppelpass zu Wort - dazwischen lag ein ganzer Tag, an dem sich offenbar jede Menge Frust, gepaart mit dem Gefühl, angegriffen zuwerden. Er mache sich »Sorgen um die Besserwisserei von Ralf Rangnick«, der als Fußball-Professor bekannte Trainer Hoffenheims werde »noch feststellen, dass Höhenluft viel dünner ist, als die Luft, die er derzeit genießt.« Und was das Finale der punktgleichen Kontrahenten im Kampf um die Herbstmeisterschaft angeht, fügte er hinzu: »Wir müssen aus Lyon nach Stuttgart. Hoffenheim ruht sich die ganze Woche auf der Couch aus und spielt dann gegen Schalke.«

Uli Hoeneß kann einfach nicht aus seiner Haut. Dabei wäre es doch ausnahmsweise mal leicht gewesen, sich in den Chor der respektvollen Sieger einzureihen. So aber traf wieder nur der Manager den falschen Ton, während Jürgen Klinsmann Hoffenheim als die »beste Mannschaft, die in der Bundesliga gegen uns gespielt hat« bezeichnete und jeder Bayern-Spieler lobte, »die gehören zu recht da oben hin.« Auch Bundestrainer Joachim Löw war vom »absoluten Qualitätsfußball« begeistert.

»Wenn alles normal läuft, wird Bayern auch Meister«

Lange hat es gebraucht, bis die Bundesliga einen Gegner hervorgebracht hat, der sich den Bayern in ihrer eigenen Arena nicht zum Fraß vorgeworfen hat. Die ganze Welt hat gesehen, wie ein von Milliardär Dietmar Hopp professionell aufgezogener Verein aus einem 3000-Seelen-Nest dem Rekordmeister frech und mutig die Stirn geboten hat. In fast 170 Ländern wurden Bilder diese denkwürdige Partie übertragen, in vielen sogar live. Gut 20 Stunden später konnten auch deutsche Fußballfans im freiempfangbaren Fernsehen bestaunen, dass die Bundesliga ab und zu ein Produkt hat, das mit England und Spanien Schritt halten kann.

Vor großen Überraschungen zum Saisonende warnte Rangnick aber: »Wenn alles normal läuft, wird der FC Bayern auch wieder Deutscher Meister.« Sollte der »Besserwisser« damit erneut Recht behalten, würde sich Uli Hoeneß wohl mal nicht beschweren.



Der Westen@11Freunde




---
News, Interviews, Blogs, Statistiken und Service zu: Bayern München






Ähnliche Artikel

Kommentare

  • User
  • 08.12.2008 11:51:38 lebowski

    Ja gut, dankbares Thema. Aber mal wieder bisschen aus dem Zusammenhang: Wer den Doppelpass verfolgt hat, dem wird nicht entgangen sein, dass Uli mit diesen Äußerungen hauptsächlich auf den wie gewohnt streitlustigen Manni reagiert hat. Uli und Manni - eine Kombination, die dem Stammtisch durchaus gut tat, was Uli übrigens auch anmerkte.

    Außerdem hat er sehr wohl in den "Chor der respektvollen Sieger" eingestimmt. Und zwar mehrfach. Aber gut, das lässt sich in sonem Artikel ja nich verkaufen, versteh schon.

    Weitermachen...tssss...

  • User
  • 08.12.2008 12:00:07 Stinkbaer

    Jepp, so kann man das sehen. Der Manni hat dem Uli tüchtig zugesetzt, bis dieser selbst nicht mehr wusste, warum er so aggressiv ist. Man hat dem Uli dabei deutlich angemerkt, wie wichtig ihm dieses Spiel war.
    Die Besserwissersache mit Rangnick hätte er dennoch sein lassen können. Das wirkte ein bisschen albern, dünnhäutig und beleidigt. Sinnlose Nachtreterei sozusagen. Der Artikel dazu ist schon ein bisschen arg dick aufgetragen.

  • User
  • 08.12.2008 12:59:19 lebowski

    Isser. Und man soll mal nich vergessen: Es ist der Uli. So kennt man ihn. Der weiß schon ganz genau, wann er was sagt. Und is doch klar, dass er sich so was von einem Rangnick nicht sagen lässt. Wenn der meint, er wusste, dass seine Mannschaft ein hohes Tempo gehen kann, er es nur nicht von den Bayern erwartet hatte, dann MUSS Uli sogar reagieren.

    Ich hab auch überhaupt kein Problem damit, dass daraus dann solche Artikel geschnitzt werden. Is nu ma so. Ich erwarte sie nur eher in der BILD und im Express als hier. Irgendwann is der Drops ja auch mal gelutscht, mein ich.

    In einem solchen Artikel mal zu erwähnen, wie sehr Uli den Herrn Hopp schätzt und wie viel Respekt er dem Modell Hoffenheim entgegenbringt, wie er mehrfach betonte, will ja keiner lesen. Wäre aber durchaus ne Abwechslung, wenn's trotzdem mal jemand schreiben wollen würde. Oder auch darüber, wie der Uli dem Andreas Müller den Rücken gestärkt hat. Das war durchaus witzig. Aber passt ja alles nicht zum rotköpfigen, jähzornigen Uli.

  • User
  • 08.12.2008 13:12:10 fc bayern Kahn

    Ich versteh das ganze garnicht , dass hier so aufgebläääht wird . In den 40 Jahren die ihn nun kenne muß ich mal nachschauen wann er denn jähzornig war ... Dieser Artikel ist klar und deutlich eine typischer Artikel dieses Magazin , darüber denk ich nicht mehr lange nach ... Uli ist ein Klasse Mensch und Typ und das ist gut so ..

  • User
  • 08.12.2008 13:26:26 Tobi123

    Dass er ein schlechter Kerl ist sagt ja auch niemand. Er wirtschaftet solide, der FCB spendet einiges für wohltätige Zwecke, er tut viel für die Bundesliga und den deutschen Fussball, keine Frage. Er ist ein Vollblut-Fussballer, in jeder Beziehung.

    Aber trotzdem benimmt er sich manchmal etwas fragwürdig. Das musst du zugeben, bei aller Vereinsmeierei. Oder ist die FCB-Brille so stark? ;-)


    Und du wirst ja die 11 Freunde nicht als populistisch bezeichnen wollen. Das stimmt nämlich nicht.

  • User
  • 08.12.2008 13:53:33 Caesar

    Ich bin froh, dass Hoeneß endlich mal den Rangnick in seine Schranken geiwiesen hat. Ich empfinde den Trainer der TSG nämlich ebenfalls als unsäglichen Zeitgenossen, mithin das neben Herrn Peters (der auch ein Experte in Sachen Besserwisserei ist) einzige unsympathische Element in Hoffenheim.
    Es ist zu erinnern an seinen Auftritt im Sportstudio, die Ehrenrunde auf Schalke, die Mißachtung der Erfolge von Herrn Slomka, seine ständigen Schuldzuweisungen...

    Auch mir geht es nicht anders als einem Großteil der Bevölkerung: Der Fußball der TSG macht Spaß, der Mann mit dem Mittelscheitel am Spielfeldrand aber nicht!

  • User
  • 08.12.2008 14:14:06 Tobi123

    Mag ja alles sein. Aber ähnliche Dinge sind ja vom Uli auch in regelmäßigen Abständen zu hören. Man denke an die kürzliche Wutrede, den Zwist mit Bierhoff oder das Schimpfen auf die Schiedsrichter mit dem Höhepunkt "Herr Soundso wird nie wieder ein Spiel des FC Bayern pfeifen." Beispiele gibt es viele.

    Ich gebe dir ja prinzipiell recht, aber viel besser ist Hoeneß auch nicht. Trotzdem oder gerade deswegen halte ich ihn für einen ganz Großen. (Siehe meinen Beitrag oben) Aber gerade der Bereich "Sozialverhalten" ist nciht seine Stärke. :-)
    Also sollte er es auch nicht von anderen fordern.

    Ein wahrer Gentleman ist Hitzfeld. Davon gibt es nur wenige.

zum Forum

Logge Dich ein, um einen Beitrag zu schreiben!

VON DEN LESERN EMPFOHLEN



DIE AKTUELLE UMFRAGE

Kiel gegen Dortmund: Ein Duell wie...

David gegen Goliath
Regina Halmich gegen Mike Tyson
Klopfer gegen Godzilla
KSV Baunatal gegen Real Madrid
Angela Merkel gegen Gina Wild
Milhouse gegen Nelson Muntz
Wilfried Ditrich gegen Chris Taylor
Fünf gegen Willie




Eckhard Krautzun über Kenia, China und eine Gottheit


Sätze, die Uli Hoeneß sagt, wenn sein Klub gegen den FC St. Pauli verliert

  • »Die Paulianer sind gerannt, ich glaube, da liegen heute noch welche unterm Sauerstoffzelt. Und bei uns werden 30 Minuten nach Spielschluss schon wieder Sprüche geklopft und Karten gespielt. Die Spieler essen Scampis, und ich habe eine schlaflose Nacht.«

Das Tagesticker-Archiv

11Freunde Liveticker

11FREUNDE @ TWITTER

Wie findest Du Hoeneß Attacken?

Witzig
Taktisch klug
Kindisch
Taktisch unklug
Interessiert mich nicht