Hoeneß attackiert mal wieder
In Ulis Haut
Text: Andreas Berten Bild: Imago
Einen Tag lang schweigt Bayern-Manager Hoeneß zum Sieg gegen Hoffenheim, dann attackiert er den »Besserwisser« Ralf Rangnick, der noch feststellen werde, »dass Höhenluft viel dünner ist, als die Luft, die er derzeit genießt«.
Wer Philipp Lahm in der Nacht zum Samstag hinter den Türmen von Fernsehkameras nicht sah und nur reden hörte, der konnte auf den Gedanken kommen, da stünde jemand anderes vor den Mikrofonen. Denn wenn man den Wiedererkennungswert seiner Stimme ausgeblendet hätte, wären solche Worte, wie sie der überragende Linksverteidiger des FC Bayern München nach dem glücklichen 2:1 über 1899 Hoffenheim wählte, nur von einem Herrn zu erwarten gewesen, der rund 30 Jahre älter als Philipp Lahm ist, der um den Bauch herum wesentlich mehr Leibesfülle besitzt und dessen Haarpracht sich nach so manch geschlagener Schlacht im harten Metier Profifußball bis auf einen seitlichen Kranz um den Kopf herum reduziert hat: Uli Hoeneß.
So aber schlüpfte Philipp Lahm in die Rolle des Bayern-Managers. Nein, das sei kein Bayern-Dusel, mit dem Luca Toni in der zweiten Minute der Nachspielzeit den Siegtreffer erzielt habe, nur »die bessere Offensivqualität« und die besondere Körpersprache seiner Mannschaftskollegen: »Wir sind der FC Bayern, der immer gut ist für ein Tor.«
Erst macht Hoeneß Späße, dann spuckt er Gift
Einen solchen Satz könnte Uli Hoeneß glattweg als geistiges Diebesgut reklamieren. Unmittelbar nach dem rasanten, ergreifenden und begeisternden Spitzenspiel gegen den furiosen Novizen hielt er sich mit solchen Beschuldigungen gegen den besten Münchener Spieler aber zurück. Stattdessen packte der Bayern-Manager den Schelm aus. Während Karl-Heinz Rummenigge sachlich seine Anerkennung für die wackeren Hoffenheimer zum Ausdruck brachte (»Hoffenheim ist im Kommen. Sie werden bei den Voraussetzungen oben mitspielen.«), schlich Hoeneß heimlich und leise an ihm vorbei und machte hinter dem Rücken des Vorstandskollegen eine Handbewegung, die in den Kameras als Mischung aus Victoryzeichen und Hasenohren aufgefangen wurde.
Ja, so ein Abend hebt die Laune, das war die passende Antwort für den aufmüpfigen Aufsteiger, wird sich der mächtige Manager wohl gedacht haben. Es war verwunderlich, dass Hoeneß ohne spöttischen Seitenhieb und Schadenfreude die Arena verließ.
Erst gestern meldete er sich im DSF-Doppelpass zu Wort - dazwischen lag ein ganzer Tag, an dem sich offenbar jede Menge Frust, gepaart mit dem Gefühl, angegriffen zuwerden. Er mache sich »Sorgen um die Besserwisserei von Ralf Rangnick«, der als Fußball-Professor bekannte Trainer Hoffenheims werde »noch feststellen, dass Höhenluft viel dünner ist, als die Luft, die er derzeit genießt.« Und was das Finale der punktgleichen Kontrahenten im Kampf um die Herbstmeisterschaft angeht, fügte er hinzu: »Wir müssen aus Lyon nach Stuttgart. Hoffenheim ruht sich die ganze Woche auf der Couch aus und spielt dann gegen Schalke.«
Uli Hoeneß kann einfach nicht aus seiner Haut. Dabei wäre es doch ausnahmsweise mal leicht gewesen, sich in den Chor der respektvollen Sieger einzureihen. So aber traf wieder nur der Manager den falschen Ton, während Jürgen Klinsmann Hoffenheim als die »beste Mannschaft, die in der Bundesliga gegen uns gespielt hat« bezeichnete und jeder Bayern-Spieler lobte, »die gehören zu recht da oben hin.« Auch Bundestrainer Joachim Löw war vom »absoluten Qualitätsfußball« begeistert.
»Wenn alles normal läuft, wird Bayern auch Meister«
Lange hat es gebraucht, bis die Bundesliga einen Gegner hervorgebracht hat, der sich den Bayern in ihrer eigenen Arena nicht zum Fraß vorgeworfen hat. Die ganze Welt hat gesehen, wie ein von Milliardär Dietmar Hopp professionell aufgezogener Verein aus einem 3000-Seelen-Nest dem Rekordmeister frech und mutig die Stirn geboten hat. In fast 170 Ländern wurden Bilder diese denkwürdige Partie übertragen, in vielen sogar live. Gut 20 Stunden später konnten auch deutsche Fußballfans im freiempfangbaren Fernsehen bestaunen, dass die Bundesliga ab und zu ein Produkt hat, das mit England und Spanien Schritt halten kann.
Vor großen Überraschungen zum Saisonende warnte Rangnick aber: »Wenn alles normal läuft, wird der FC Bayern auch wieder Deutscher Meister.« Sollte der »Besserwisser« damit erneut Recht behalten, würde sich Uli Hoeneß wohl mal nicht beschweren.
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