Die Geschichte der Fußballfans

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06.12.2008

Werders: Mal gut, mal schlecht, jetzt fies

Das dritte Gesicht

Text: Michael König  Bild: Imago

Während der Karlsruher SC den ersten Sieg seit mehr als zwei Monaten feiert, ärgert sich der SV Werder Bremen über eine Vielzahl ungenutzter Chancen – und die peinlichen Ausraster zweier seiner Stars.

Werders: Mal gut, mal schlecht, jetzt fies - Das dritte Gesicht



 

Der Ball hatte die Linie gerade überschritten, da hatte KSC-Manager Rolf Dohmen schon sein Mobiltelefon gezückt und drückte mit beiden Händen konzentriert auf die Tasten. Sein Gesichtsausdruck war angestrengt, und so machte es nicht den Eindruck, als würde der KSC-Manager Botschaften à la »Ja! Ja! Ja!« oder »Wir können es noch!« eintippen und als SMS verschicken.



Wahrscheinlicher ist, dass sich Dohmen ins Internet eingewählt und den Live-Ticker eines Nachrichtenportals aufgerufen hatte, um sicher zu gehen, dass er nicht unter Halluzinationen litt. So ein 1:0-Führungstreffer gegen Bremen kann einen Karlsruher in diesen Zeiten schon am eigenen Verstand zweifeln lassen, zumal das Tor in der 83. Minute fiel und somit die Entscheidung für den KSC bedeutete - ein lang vermisstes Gefühl, datiert der letzte Sieg (2:1 gegen Bielefeld) doch vom 3. Oktober 2008.
       
Symptomatischerweise war es eine Art Billard-Tor, das für die badische Erleichterung sorgte: Timo Staffeldt schoss aus dem Rückraum mit voller Wucht seinen Mitspieler Stefan Buck an, von dessen Fuß der Ball an Werder-Keeper Tim Wiese vorbei ins Netz trudelte. Wiese bückte sich nach dem Leder wie jemand, dem ein Feuerzeug aus der Tasche gefallen ist - so überrascht muss der Torwart von diesem Duseltreffer gewesen sein.

Abschlussschwäche nimmt groteske Züge an

In den Minuten zuvor hatte der KSC so ziemlich überall hingeschossen, nur nicht direkt aufs Tor, und wenn, dann direkt in Wieses Arme. Die Abschlussschwäche der Badener, die seit Wochen ein besseres Abschneiden in der Bundesliga verhindert, nahm groteske Züge an: Nicht einmal, als die Bremer Spieler ihn gewähren ließen, weil der Schiedsrichterassistent längst eine Abseitsstellung anzeigte, vermochte es Edmond Kapllani, den Ball im Netz unterzubringen.

Der Stürmer schoss völlig unbedrängt zwanzig Zentimeter am Pfosten vorbei. Die Szene war so surreal, dass das KSC-Personal am Stadionmischpult schon die Tormusik anlaufen ließ, ehe der Irrtum aufgedeckt wurde.

Kapllani war mit dieser Großchance nicht allein - dank der zur Gewohnheit gewordenen Schwäche der Bremer Abwehr, zu weit aufzurücken und bei der Abseitsfalle zu patzen. Auch Sebastian Freis und Lars Stindl vergaben Gelegenheiten so fahrlässig, dass sich die Fans, die zuvor angekündigt hatten, sich erst wieder zu rasieren, wenn der Erfolg zum KSC zurückgekehrt sei, wohl gerne die Haare ausgerupft hätten.

Zum Glück für den Tabellenletzten schien die mangelnde Chancenverwertung an diesem Nachmittag ansteckend zu sein: Auch die Bremer Spieler rauften sich häufig das Haupthaar, allen voran Claudio Pizarro, dreifacher Torschütze beim 5:0 gegen Frankfurt in der Vorwoche, strapazierte seine schwarze Mähne.

Eine hässliche Fratze kommt hinzu

Bereits in der vierten Minute hatte er ein Zuspiel von Aaron Hunt über Torwart Markus Miller hinweg an den Pfosten gechippt. In der 65. Minute traf er abermals nur Aluminium. Der eingewechselte Mesut Özil schoss kurz darauf über das Tor, nachdem er zwei KSC-Verteidiger ausgetanzt hatte. Und Sekunden vor Bucks Tor des Tages scheiterte Markus Rosenberg an Miller. »Man denkt, mit der Leistung aus dem Spiel gegen Frankfurt geht das einfach so weiter. Und dann fehlt der Wille, die nötigen Meter zu machen«, kritisierte Werder-Trainer Thomas Schaaf und fügte an: »Ich kenne die zwei Gesichter meiner Mannschaft.«

Als wäre das für Bremen noch nicht frustrierend genug gewesen, schlug Claudio Pizarro kurz vor Schluss Karlsruhes Martin Stoll ins Gesicht und sah die rote Karte. Sekunden später griff sich Pizarros Teamkollege Diego, von dem im Spiel kaum Geistesblitze zu sehen gewesen waren, den Karlsruher Christian Eichner und würgte ihn mit beiden Händen - allerdings unbeobachtet von Referee.

So kam zu den zwei Bremer Gesichtern noch eine hässliche Fratze hinzu, wovon sich die Karlsruher allerdings nicht stören ließen und den Triumph angemessen feierten. »Ich bin einfach nur glücklich«, sagte Torschütze Buck mit beseelter Miene am Premiere-Mikrofon. Auch die Gesichtszüge von Rolf Dohmen waren nun entspannt und sahen ein bisschen so aus, als würde der KSC-Manager in Gedanken zahlreiche Jubel-SMS formulieren.
 



Süddeutsche@11Freunde




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Kommentare

  • User
  • 06.12.2008 22:09:41 fux

    *HAHA* Sau geil geschrieben! :D

  • User
  • 06.12.2008 23:12:27 Wer

    Dem schließe ich mich an.
    Bin mal gespannt was Diego wohl für ne Sperre erwartet.

  • User
  • 07.12.2008 02:33:02 Baden1894

    maximal 2 spiele er ist ja ein "star"

    :D endlich gewonnen!!

  • User
  • 07.12.2008 15:20:28 Dash_HB

    Da Diego als Wiederholungstäter gelten wird (Kyriakos): mindestens drei Spiele. Wahrscheinlich will er früher mit Sarah in den Winterurlaub.

  • User
  • 08.12.2008 07:13:46 ManUD7

    Ich habe noch ein handsigniertes Trikot von Diego an der Wand hängen, das werde ich dem Baumann in die Hand drücken mit der Bitte, das für einen guten Zweck zu versteigern.
    Diego sollte schnellstmöglich für bestmögliches Geld aus Bremen verschwinden. Nicht nur das er dem schnellen, attraktiven Kurzpaßspiel immer mehr hinderlich scheint, nein seine Ausraster nehmen überhand. SC Widerlich möchte ich nicht in Bremen!!!! Da kann Allofs noch so oft schützend davorstehen und von Provokation reden gegenüber Diego, das ist eines Bremers unwürdig!
    Es wird Zeit das man in Bremen mit eisernem Besen kehrt.
    Positiv die Reaktion der Fans aus Karlsruhe, anstatt über die Mannschaft herzufallen, haben sie gezeigt wie es auch gehen kann. KSC hat sich den Sieg erarbeitet. Ein Wort, was in Bremen zur Zeit gemieden wird! Wahrscheinlich Kurzarbeit in Bremen

  • User
  • 08.12.2008 07:53:10 Dash_HB

    Da sieht man mal wieder, wie schnell das geht. Kaum läuft's bei einem Spieler nicht wird alles vergessen, was er für den Verein geleistet hat, und er soll zum Teufel geschickt werden. Unterstützung? Nöp. Ich sehe Diegos Sperre gar nicht mal so negativ für's Team. Da sind dann Hunt und Özil doppelt motiviert, und Werder wird weniger berechenbar.

  • User
  • 08.12.2008 10:28:56 Brocky

    Ich hatte am Samstag ein deja-vu, denn sowohl der Fall Diego als auch der Fall Pizarro erinnerten mich stark an zwei nahezu identische Taten von Spielern meines Lieblingsvereins. Und auch wenn ich kein Fan von Verschwörungstheorien bin würde ich stark darauf wetten, dass in beiden Fällen die Strafe milder ausfällt (beide betroffenen Spieler mussten damals fünf Spiele pausieren), weil es die braven Bremer trifft und nicht die bösen Schalker.

  • User
  • 08.12.2008 11:10:52 calimero

    das passt schon, bei schalke ist es immer die gelegnheit die jahrelang angesammelten, nicht geahndeten schwalben, umfaller und niglichkeiten mit zu ahnden.

  • User
  • 08.12.2008 11:15:19 Brocky

    ... wie zum Beispiel den Schwächeanfall von Altintop, als der stets hilfsbereite Simunic ihm eine Fussel von der Schulter streichen wollte ;)

  • User
  • 08.12.2008 11:26:46 calimero

    das war jawohl richtig frech vom zwilling.
    der kommt immernoch nich mit dem erfolg seines bruders klar. die beiden haben übrigens heute geburtstag.
    alles gute nach gelsenkirchen und nach münchen. ich find die beiden gut.

  • User
  • 08.12.2008 11:31:55 Haensgen vom Deich

    ooops... Ich wiederhole mich da, aber kann jetzt bitte mal jemand dieses Fußballjahr beenden!!!!!

  • User
  • 08.12.2008 15:07:07 einThilo

    Zunächst muss ich mal erwähnen, das ich Werder-Fan bin. Und das ist nicht so leicht, wenn man im Herzen Münchens wohnt (nein, ich bin kein Erfolgsfan; meine Familie kommt ursprünglich aus Bremen und Umgebung und wohnt teilweise auch dort).

    Aber selbst ich als Werderaner habe weder für den "Siegeswillen" (hüstel) noch für diese Dummbatz-Aktionen am Ende ds SPiels keinerlei Verständnis. Diego und Pizarro gehört dafür ein Denkzettel verpasst, der sich gewaschen hat. Werder stand mal für attraktiven Fußball, doch das KSC-Spiel war aus Bremer Sicht ungefähr so attraktiv wie ein Verkehrsunfall.

    Ich habe letztens gelesen (habe leider vergessen, wo), das Allofs in der Winterpause radikal aussortieren will. Es sollten nicht nur Spieler auf der Streichliste stehen, die keine Leistung bringen, sondern auch jene, die dem Ruf des Clubs schaden.

  • User
  • 09.12.2008 12:34:44 Brocky

    Drei Spiele für Pizarro, vier für Diego. Da werden meine Vorurteile über die Sportgerichtsbarkeit mal wieder eindrucksvoll bestätigt. So sehr das nervt, wenigstens sind die Herren berechenbar ;)

  • User
  • 09.12.2008 14:55:00 Dash_HB

    Ist doch völlig normal. Tätlichkeit = drei Spiele. Als Vorbestrafter noch ein Spiel als Bonus drauf. Fertig.

  • User
  • 09.12.2008 23:59:10 Carta

    Jo, die Strafen sind doch Usus. Allerdings gibts mal wieder keinen Denkzettel-Charakter.

  • User
  • 10.12.2008 08:26:31 gygax

    Lincoln als Wiederholungstäter nach Tätlickeit gegen Schneider: 5 Spiele
    Carlos "Würger" Grossmüller als Ersttäter: 5 Spiele

    Es gibt keine "normale" Sperre für Tätlichkeit, kann von einem Spiel bis zu was-weiss-ich-wie-lang dauern und wird vom Sportgericht nach Ermessen festgelegt. Und da is v.a. Diego recht gut mit bedient denk ich

  • User
  • 10.12.2008 09:38:34 Brocky

    und eben deswegen bleibe ich dabei: Würgt - sagen wir mal - Lahm am nächsten Spieltag Simak bekommt er zwei Spiele Sperre, würgt Simak Lahm bekommt er fünf Spiele Sperre

  • User
  • 10.12.2008 09:41:59 saloth sar

    he, der simak spielt aber nicht auf schalke, da hat deine verschwoerungstheorie ein loch

  • User
  • 10.12.2008 09:54:52 Brocky

    die Theorie war gar nicht auf meinen Verein bezogen, sondern ganz allgemein auf Liga-Lieblinge und vermeintliche Liga-Schufte bzw. Liga-Graue-Mäuse

  • User
  • 10.12.2008 10:07:13 saloth sar

    du hattest dich bis jetzt nur ueber die urteile bei schalke beschwert und gyxi ist ja auch gleich angesprungen.
    und sed ihr nur schuft oder graue maus?

  • User
  • 10.12.2008 10:11:20 lebowski

    ...THE PHIL würde niemals jemanden würgen, das wollen wir doch mal klarstellen. Also ziehe seinen Namen hier nicht in den Schmutz!

  • User
  • 10.12.2008 10:13:41 Brocky

    Logisch, weil mir die Schalke-Urteile sofort präsent waren, es gubt siucher auch andere Beispiele aus anderen Clubs. Liebling, Schuft und Graue Maus sind spielerbezogen. Westermann würde auch milder bestraft werden als Rafinha.

  • User
  • 10.12.2008 10:19:45 saloth sar

    u.a. weil westermann kein wiederholungstaeter ist
    du verwickelst dich, meiner ansicht nach, immer mehr in widersprueche.

  • User
  • 10.12.2008 10:30:23 Brocky

    dann sag' mir mal, was Grossmüller sich vor dem Würger zu Schulden kommen lassen hat. Und Lincoln bekam als Wiederholungstäter fünf Spiele (trotz vorheriger Provokation, die i.d.R. ein Spiel weniger Sperre nach sich zieht), Diego als Wiederholungstäter drei Spiele Sperre.

  • User
  • 10.12.2008 10:52:49 gygax

    Lahm wuerde natuerlich niemals wuergen, weil er meist nicht an den Hals seines Gegenspielers kommt (entweder zu gross oder schon weg)

  • User
  • 10.12.2008 10:55:24 unionchemiker

    wieso denk ich bei lahm automatisch an dich, zwerg....

  • User
  • 10.12.2008 10:57:41 gygax

    Weil ich genau aus den selben Gruenden niemals jemand wuergen wuerde

  • User
  • 10.12.2008 10:59:07 unionchemiker

    ahja, deswegen...wäre ich aber auch selbst drauf gekommen...

  • User
  • 10.12.2008 11:07:00 gygax

    bin auch auch drauf gekommen, dass du da drauf kommst, hab das nur fuer alle anderen geschrieben

  • User
  • 10.12.2008 11:14:06 lebowski

    Grossmüller! Ich bitte Dich! Wie das schon klingt. Der MUSS würgen. Müsste man quasi schon im voraus sperren.
    Grossmüller is sicher auch uruguayisch für "DER WÜRGER".

  • User
  • 10.12.2008 18:39:43 Stinkbaer

    Lasst mir den Lahm in Ruhe. Seit der bei Helstinki spielt, blüht der richtig auf. Leonard Dietenbrock behauptet sogar, dass er gewachsen sei. Verkauft wird er dennoch bald!

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