Die 11Freunde-Blogschau
»Geh’ zum Psychiater!«
Text: Max-Jacob Ost Bild: Imago
Die Schalker geben Kuranyi Ratschläge, die Bayern-Fans jammern trotz eines 4:1-Sieges, und in Frankfurt kratzt man sich verwundert am Kopf. Hat die Eintracht wirklich 4:0 gewonnen? Die Antwort gibt’s nur in der Blogschau.
Karlsruher SC – Borussia Dortmund 0:1
BlogC3 schreibt: »Das von Becker angekündigte aggressive Auftreten war nach spätestens 10 Minuten Geschichte. Wie so oft in den letzten Wochen zog sich die Mannschaft ohne Not in die eigene Hälfte zurück, wartete auf Aktionen des Gegners und bekam folgerichtig den frühen Gegentreffer. […] Es müssen jetzt sehr kurzfristig sportliche Erfolge her, sonst kann sich der Verein die gewünschten Verstärkungen in der Winterpause getrost sparen. […] Die ›leidige Systemdiskussion‹, für die Becker durch seine fehlende Flexibilität selbst verantwortlich ist, kann nur er selbst beenden. Indem er handelt. Sonst dürfte schon bald eine Trainerdiskussion ins Haus stehen.«
Schwatzgelb schreibt: »Nach 91 Minuten erlöste Herr Gagelmann dann die Schwarzgelben und stürzt Karlsruhe damit in tiefe Abstiegsdepressionen. Auf der anschließenden Pressekonferenz lagen die Nerven dann auch ein bisschen blank und einer der Pressevertreter legte sich mit Jürgen Klopp an. Der Pressemensch (aus dem Karlsruher Umfeld) betitelte den KSC bereits als Absteiger und fing sich damit eine kleine Standpauke von Jürgen Klopp ein, der zum einen die Grundeinstellung kritisierte und Ede Becker samt seiner Truppe in Schutz nahm. Eine feine Geste, für die sich Ede Becker am Ende seiner Spielanalyse bedankte.«
Anygivenweekend schreibt: »Das Spiel hätte 4:2 für den BVB oder 1:1 ausgehen können, vielleicht hätten die Gastgeber sogar noch gewonnen. Aber wahrscheinlich zeigt das Ergebnis ganz gut, wo beide Mannschaften gerade stehen. Die Schwarz-Gelben sind noch nicht kaltschnäuzig genug, so ein Spiel früher zu entscheiden, aber es gelingt ihnen doch, es über die Runden zu bringen. Und dem KSC trotz aller Mühe nicht, den Ball irgendwie reinzuhauen.«
11Freunde meint: Richtig, das Spiel hätte auch 4:2 oder 1:1 ausgehen können… oder auch 2:1 oder 0:0. Aber wie sagt man so schön: Der »hätte« steht im Stall und bringt der »vielleicht« das Heu. Oder um es mit Hermann Gerland zu halten: »Hätte, wenn und aber – alles nur blödes Gelaber.« Dortmund hat gewonnen, Karlsruhe steckt in der Krise. Punkt. Anders als todesmutige Investigativjournalisten aus Karlsruhe bezeichnen wir die Mannschaft von Ede Becker aber noch nicht als »Absteiger«. Den Konflikt mit Edes Papa Kloppo sparen wir uns lieber.
VfL Wolfsburg – VfB Stuttgart 4:1
Hirngabel schreibt: »Nun ist es also soweit, der VfB und Armin Veh gehen ab sofort getrennte Wege, nachdem sich die Vereinsoberen heute morgen dazu entschieden haben, den Meistertrainer von 2007 zu beurlauben. Das Training werden von nun an Markus Babbel als Teamchef und der ehemalige Co-Trainer des VfB II, Rainer Widmayer, als Trainer übernehmen. […] Grundsätzlich kann ich das eigentlich nur begrüßen - schließlich habe ich die Trainerfrage schon in der vergangenen Woche nach dem Bielefeld-Spiel ausführlich besprochen und bin zu dem Schluss gekommen, dass es mit Veh eigentlich nicht weitergehen kann.«
Angedacht schreibt: »Offensichtlich hat das gestrige Spiel die Entscheidungsprozesse beim VfB deutlich beschleunigt, vielleicht auch in eine zuvor nicht ernsthaft erwogene Richtung gelenkt, nachdem man morgens noch an zahlreichen Stellen gelesen hatte, dass der Verein in der Winterpause über eine mögliche Vertragsverlängerung mit Veh entscheiden wolle.«
Abenteuer Fußball schreibt: »Veh selbst wird nach einer Verdauungsphase ein insgesamt positives Fazit seiner Tätigkeit in Stuttgart ziehen können und, sollte er wollen, nicht lange auf ein Angebot warten müssen, da er sich hier weiterentwickelt und so für höhere Weihen empfohlen hat, so dass er der Bundesliga wohl hoffentlich nicht allzu lange fern bleiben muss.«
11Freunde meint: Nach einer Verdauungsphase ein positives Fazit zu ziehen ist anscheinend eine Kunst, die VfB-Präsident Erwin Staudt und Manager Horst Heldt nicht beherrschen. Sonst hätten sie nicht in Zeiten der Finanzkrise für eine weitere Negativschlagzeile gesorgt. Vielleicht haben sie aber auch einfach nur keine Verdauungsphase mit ihrer Entscheidung gewartet, wer weiß. Doch anstatt uns an dieser Stelle mit dem Stoffwechsel der Entscheidungskräfte der Schwaben zu beschäftigen (fraglos auch ein Thema von unverzichtbarem journalistischen Wert), beteiligen wir uns gerne an der Diskussion für mögliche Nachfolger von Babbel und Widmayer. Um die Auswahl zu erleichtern, gehen wir nach dem Ausschlussverfahren vor. Folgende Trainer werden NICHT zum VfB wechseln: Arsène Wenger, Roberto Donadoni, Mario Basler und Udo Lattek. Bei Folgenden waren wir uns nicht sicher: Jürgen Klinsmann, Bernd Schuster.
FC Bayern München – Energie Cottbus 4:1
Breitnigge schreibt: »In einer Halbzeit 22 (in Worten zweiundzwanzig) Torschüsse abzugeben ist erneut ein neuer Bundesliga-Rekord - umso beschämender, dass er nur zu zwei mickrigen Toren gereicht hat. Lächerlich. […] Am Ende fehlen uns gegen Leverkusen drei Tore auf Platz 2. Drei Tore! Die hätten wir alleine in HZ1 noch locker schießen können. Oder allein Luca Toni hätte mit seinen 13(!) Torschüssen/Chancen uns hier helfen können. Allein. Er hat’s nicht. Was dafür spricht, dass er immer noch nicht der Alte ist.«
Fernglasfcb schreibt: »Natürlich kann man bei über dreißig Torschüssen nicht davon sprechen, dass die Bayern gestern zu wenig getan haben, aber die Torausbeute ist angesichts solch drückender Überlegenheit doch eher beschämend. Ärgerlich ist sie ohnehin, hätte doch der FCB gestern spielend an Bayer Leverkusen vorbeiziehen können - drei Törchen haben dazu gefehlt. Sind die Zeiten wirklich unwiderruflich vorbei in denen ein FCB 9:1 oder 8:1 gewinnen konnte? Es scheint so. Ich will ja nicht undankbar erscheinen, aber ein popliges 4:1 als Ausbeute solcher Überlegenheit, das war mir gestern einfach nicht genug.«
11Freunde meint: Zwar ist Luca Toni immer noch nicht der Alte, aber die Fans des FC Bayern anscheinend schon. Statt sich über einen sicheren Sieg und eine gute Ausgangsposition für die nächsten Spiele zu freuen, beklagen sie die geringe Torausbeute gegen die Lausitzer. Sind die Zeiten wirklich vorbei, in denen die NASA im Stadion anwesend sein musste, um verlässliche Angaben über die Höhe des Münchner Sieges geben zu können? Offensichtlich. Vorbei sind aber nicht jene Zeiten, in denen sich Fans der Roten einen steifen Nacken beim Blick nach oben holen. Immer noch stehen zwei Mannschaften vor den Torschusskanonen aus dem Süden. Selbst wenn die Bayern in einer Woche mit einem Sieg an Bayer Leverkusen vorbeiziehen – wie sehr die Fans ein Drei-Tore-Rückstand auf die Leverkusener sogar nach einem Sieg wurmt, dürfte jeden Leverkusen-Anhänger zu Tränen rühren.





