Die Geschichte der Fußballfans

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10.11.2008

FCN im freien Fall

Schlechtester Club aller Zeiten

Text: Alexander Endl  Bild: Imago

Unser Club-Experte vor Ort kennt keine Gnade mehr: In dieser Saison sieht er die schlechtesten Nürnberger aller Zeiten. Kein System, kein Kampf, kein Glück. Es ist zum Heulen! Die Abrechnung mit einer verlorenen Truppe.

FCN im freien Fall - Schlechtester Club aller Zeiten


Hören wir also auf herumzureden: Diese Mannschaft hat auf dem Platz am Freitag Abend, dem 7. November 2008, ab 18:00 Uhr in 90 Minuten plus Nachspielzeit ihren eigenen Bankrott erklärt. Spieler und Trainer - und damit auch die Verantwortlichen, die diese Konstellation in diesem Verein zum heutigen Tage ermöglichte.

Es ist uns, den Fans, nicht mehr zuzumuten das ansehen und anhören zu müssen. Es ist nicht mehr zumutbar die Zeitungen aufzumachen und »unterirdisch«, »peinlich« und »Blamage« lesen zu müssen. Wir Fans unterstützen seit nun 1 1/2 Jahren einen Prozeß, der offenbar mit zunehmender Sicherheit nicht nur in Liga 2, sondern in der Abstiegszone von Liga 2 enden wird. Ein Prozeß, eine Entwicklung, die uns heute konstatieren lässt, dass die Fußball-Mannschaft des 1. FC Nürnberg nicht in der Lage ist, selbst limitierte Mannschaften wie Koblenz, Wehen-Wiesbaden oder Frankfurt zu besiegen - weder mit spielerischen Mitteln, noch mit individueller Klasse, noch mit taktischen Finessen und erst Recht nicht - und das ist das, was die Fans am bittersten feststellen - mit Kampfgeist. Damit muss heute Schluß sein!

Resistent gegen Trainer

Drei Trainer in einem Jahr haben ganz offenbar nicht den Einfluß auf die Mannschaft erreicht, der zu einem Wechsel der Richtung erforderlich ist. Hier ist ganz klar auch das Management heranzuziehen, das dafür die Verantwortung zu tragen hat, warum entweder die falschen Übungsleiter geholt oder die falschen Spieler abgegeben oder zugekauft wurden, um den
notwendigen Schnitt zu vollziehen. Es ist ja ganz offensichtlich kein verlängerter Betriebsunfall, den man uns zu Saisonende hat einreden wollen, es ein ein kompletter Betriebsausfall.

Taktische Formationen wie Unterhosen

Die vielen Trainerwechsel mögen ihre Spuren hinterlassen haben, es mag auch notwendig gewesen sein, mal etwas auszuprobieren. Doch derart konzeptlos, wie sich die Mannschaft mindestens 2008 durchgängig präsentiert, ist haarstreubend. Taktische Formationen, mag man von ihnen halten was man will, werden nahezu gewechselt wie die Unterhosen. Doch ganz offenbar kann die Mannschaft weder taktische Varianz umsetzen, geschwiege denn ein Konzept durchhalten. Das System aus Galesek-Koller-Zeiten, »Mittelstrecken-Pässe« nach vorne, wurde noch nicht einmal von individuellen Klasseleuten wie Galasek auf Koller beim Club erfolgreich umgesetzt – mit dem aktuellen Spielermaterial ist das erst Recht kein Erfolg versprechender Ansatz. Wenn man sich dazu die Positionen nach den statistischen Daten ansieht, wird einem ganz wirr im Kopf, wer da wo hinläuft und steht. Mögen diese Daten
nicht immer dem Spielverlauf wiedergeben, so zeigen sie doch genau das, was am Ende dabei rauskommt. Ein Knäuel in der Mitte aus von links und rechts herum – und nach innen irrenden Spielern. Dabei sind die Außenbahnen, das so oft zitierte Wundermittel »über Außen« verwaist. Auch heute wieder zog Masma in die Mitte (so die Statistik), statt die Außenbahn zu halten. Es muss heute egal sein zu hinterfragen, ob dies »taktische Disziplinlosigkeit« oder »taktische Auslegung« war – tatsächlich hatte man sich Masmanidis in der Mitte als Spielmacher einmal gewünscht – wäre dann sein linker Platz nicht frei gewesen.

Disziplinlos und nervenschwach

Zwei rote Karten wegen Disziplinlosigkeiten (plus ein Nachspiel für Pinola?) in den letzten beiden Spielen und diverse dunkelgelbe Karten (wie Kluge in Hamburg) zeugen von einem labilen Nervenkostüm. Die Mannschaft bricht bei jeder Kleinigkeit emotional ein: Ein Fehler, ein Gegentor – schon gehen System und Ordnung verloren. Hatte man gehofft, es fehlte nur an einem Erfolgserlebnis, so sah man selbst sichere 2:0-Führungen gegen eine Mannschaft wie – bei allem Respekt – Oberhausen noch in Gefahr. Oder auch eine »Mini-Serie« wie die vier Spiele ohne Niederlage gab keine Sicherheit.

Kein Leitwolf, der sich als Leader aufdrängt und die anderen Spieler führt und mitreißt. Mag sein, dass die Verletzung von Wolf hier »keine Hilfe« war, doch in 12 Spieltagen muss die Mannschaft einen Plan B entwickelt haben. Ja man darf sogar hinterfragen, ob denn »Plan A« mit Andreas Wolf überhaupt unbedingt Erfolg versprach. Wolf ist sicher ein Spieler mit hoher Identifikation, aber als Leader noch nicht aufgreten in einer Mannschaft in Krisenzeiten.

Kein Plan, wie es besser werden soll

Hieß es lange »Es fehle nur der Erfolg«, so kann dies als irrige Annahme entlarvt werden, denn auch kleine Serien oder deutliche Führungen brachten keine Stabilisierung. Es fehlt an einer generellen Idee, wie man sich konsequent entwickelt. Das Spiel gegen Frankfurt und auch die Spiele davor belegten eindrucksvoll, dass man nicht das Problem hat, nicht in der Liga angekommen zu sein, sondern schlicht, dass man keinen Plan hat. Keine Entwicklung ist erkennbar, keine Balance auch nur ansatzweise. Entweder man steht zu defensiv, dann geht vorne gar nichts, oder man spielt hasenwild nach vorne, wie heute mit einer Harakiri-Aufstellung – und nicht einmal die brachte einen Hauch von Verunsicherung in des Gegners Abwehrreihen. 


Mit freundlicher Genehmigung von clubfans-united.de


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