Die 11FREUNDE-Blogschau
»Autokorso durch Köln«
Text: Max-Jacob Ost Bild: Imago
Was Fußball nicht alles bewirkt: Bayer 04 gerät in Träumereien, Stuttgart hakt bereits die Saison ab, der HSV flüchtet sich in Mystik. Und plötzlich ist da auch noch Kerner. Mitten in der 11FREUNDE-Blogschau.
Während Leverkusen-Fans wie jene im Pillendreher-Blog nach dem 2:0-Sieg gegen Wolfsburg noch davon träumen, in einem »gigantischen Autokorso« durch Köln zu fahren, herrscht bei den Fans von Karlsruhe Enttäuschung. Die 1:4-Niederlage gegen Hoffenheim war die fünfte Niederlage in Folge, Karlsruhe steckt inzwischen mitten im Abstiegskampf.
Angesichts dieser Entwicklung stellt BlogC3 die Frage nach Auswegen aus der Misere und zieht ein pessimistisches Fazit: »Was aber ändern? Soll Ede Becker, wie von den Fans gefordert, auf das in der Aufstiegssaison praktizierte 4-4-2-System umstellen? Nach der fünften Niederlage in Folge bzw. der sechzehnten in diesem Jahr ist nur eines Gewiss: so kann es nicht weitergehen, so steigen wir ab. Wenn ich davon ausgehe, in dieser Saison mit 38 Punkten sicher die Klasse halten zu können, benötigen wir in den kommenden 23 Spieltagen (bei 12 Heimspielen) noch 29 Punkte - rätselhaft, wie die Mannschaft in der derzeitigen Verfassung das schaffen will.«
Beim Gegner Hoffenheim beschäftigt man sich stattdessen vor allem mit den Spruchbändern, die von KSC-Fans beim Spiel gezeigt wurden. »›Hoffenheim hat keine Fans, nur geduldete Konsumenten.‹ - stand da plötzlich gegenüber zu lesen. Hoppla! Eine These. In Anbetracht des Spielstands und überhaupt des Spiels war Jovilität vorhanden. Sauber formuliert, die Ansicht kann man ja mal äußern, man muss sie ja nicht teilen. Und im Verhältnis zu dem, was man sonst so auf Laken zu lesen bekommt, geradezu akademisch.« Wenig überraschend, dass das beim Akademischen Fanclub Hoffenheim gut ankommt.
Wenig gut kommt derzeit Lukas Podolski bei den Bayernfans an. Das zeigt sich allein daran, dass trotz des überlegenen 3:1-Sieges gegen Arminia Bielefeld viele Blogger sich mit dieser Personalie beschäftigen. Das härteste Urteil spricht dabei Elmarinho aus: »Völlig unmotiviert, ohne Zug zum Tor oder sonstwo hin, geistige wie körperliche Abwesenheit. Ein Spieler, der meint, er könne mehr und sei bisher zu Unrecht auf der Bank gesessen, nutzt diese Chancen. Von ›sollen‹, ›müssen‹ oder sonstigen Modalitäten will ich nichts mehr hören.«
Etwas optimistischer sieht das Fernglas FCB in der Rückschau auf ein Spiel ohne Lukas Podolski in der Startelf. »Keine Frage, diese Aktion waren den letzten zwei Partien des Ex- und Wunsch-Kölners geschuldet. 45 Minuten zum Nachdenken, die Lukas Podolski dann aber auch genutzt haben muss, denn in Halbzeit Zwei kam er dann tatsächlich deutlich bemühter ins Spiel, als in vielen Spielen zuvor.« Während die Meinungen über den Stürmer auseinander gehen, ist der Grundtenor aller Blogger gleich. Stellvertretend zitieren wir Breitnigge: »Alles ist noch drin. Herbstmeister oder erneuter Abschwung. Jetzt erstmal Florenz und dann Schalke. Schwer genug.«
Wo wir gerade beim lustigen Fazitisieren sind, erfreut uns ein Blick in die Blogs der Bremen-Fans. Trotz des deutlichen 5:1-Sieges über Hertha BSC Berlin, warnt zum Beispiel Werderblog fazitös vor übertriebener Euphorie: »Was nehmen wir aus dem heutigen Spiel mit? Nichts außer 3 Punkte. Die Hertha war heute schwach im Spielaufbau und wirkte etwas lustlos gegen bisher schwache Bremer. Bei der ganzen Mannschaft merkte man zwar den Willen zum Siegen an, aber die Leichtsinnigkeiten wie beim Gegentor hätte eine stärkere Mannschaft locker ausgenutzt.«
Während man in Bremen dem Braten also noch nicht traut, war Berlinern wie dem Blogger Marxelinho von herthabsc schon vorher klar, dass es nichts mit einem Sieg gegen die Grünweißen wird. Anstatt seine Leser deshalb mit einer sezierenden Analyse der Schwächen Herthas zu quälen, erfreut er lieber mit einer sehr netten Beschreibung seines persönlichen Samstagnachmittags. »Ich nahm einen ICE via Hannover, in dem Wagen, in dem ich zu sitzen kam, waren noch sechs weitere Herthaner, die gleich nach dem Einsteigen ein deftiges Lied anstimmten (›Alle Bremer stinken, weil sie aus der Weser trinken‹), dies aber unter dem zivilisierenden Einfluss des lesenden ICE-Publikums bald bleiben ließen. Über die ganze Strecke wurde dann Fußball quer durch Deutschland kommuniziert, in Hannover trafen wir H96-Fans (3:0 gegen den HSV!), und noch spätabends in der S-Bahn am Hackeschen Markt wurden Hertha-Fans angesprochen und mussten mit dem Ergebnis rausrücken: 1:5 bei Werder Bremen. ›An uns hat's nicht jelegen.‹ Wohl wahr.«





