Nach Hasebes Torwartversuch: Feldspieler im Kasten
Letzter Mann hält
Text: Max-Jacob Ost und Erik Rossel Bild: Imago
In Hoffenheim flog Wolfsburg-Keeper Marwin Hitz vom Platz. Makoto Hasebe musste ins Tor – und vier Minuten später hinter sich greifen. Es war nicht das erste Mal, dass einem Verein die Torwartreserven ausgehen. Doch Not macht erfinderisch.
Die Tanne im Kasten
Unvergessen das dramatische Bundesligaspiel zwischen Eintracht Frankfurt und dem FC Bayern München in der Saison 1999/2000. Beim Stand von 0:1 parierte Bayerntorwart Oliver Kahn einen Elfmeter. Als kurz darauf der eigene Abwehrspieler Samy Kuffour mit der Eleganz einer Felslawine auf ihn prallte, musste er das Feld verletzt verlassen. Doch auch Ersatztorwart Bernd Dreher hatte nicht das Vergnügen, den Abpfiff auf dem Rasen mitzuerleben. Ohne Fremdeinwirkung verletzte er sich schwer und musste ausgewechselt werden. Da auf der Reservebank nur noch Feldspieler saßen, streifte sich kurzerhand Michael »Tanne« Tarnat das viel zu große Torwarttrikot über und stellte sich zwischen die Pfosten. Zwar sah er aus wie ein kleiner Junge, der im XXXL-Jersey seines großen Bruders auf dem Bolzplatz steht, trotzdem machte er seine Sache sehr gut. Die Bayern drehten die Partie, und Tarnat fischte immerhin einen Ball aus dem Eck. Dass auch noch Unglücksrabe Kuffour den 2:1-Siegtreffer mit der ihm eigenen Grazie über die Linie drücken durfte, rundete den Abend für die Münchner perfekt ab.
Vom Sofa in den Ibrox-Park
Während die Münchner in Frankfurt einen Torhüter nach dem anderen verschlissen, saß ihr Amateurtorwart Stefan Wessels auf dem heimischen Sofa und schaute sich das Spiel im Fernsehen an. Da neben Kahn und Dreher auch die Nummer Drei bei den Bayern, Sven Scheuer, verletzt war, schlug seine große Stunde. Sofort nach Abpfiff erhielt er den Anruf: Anstatt mit der U20 in den Oman zu fliegen, solle er für die Bayern im kommenden Champions-League-Spiel bei den Glasgow Rangers das Tor hüten. Wessels ergriff die Chance und lieferte ein gutes Spiel im ausverkauften Ibrox-Park ab. Durch die denkwürdige Verletzungsmisere der Bayerntorhüter wurde er mit 20 Jahren zum jüngsten deutschen Torhüter, der je in der Champions-League gespielt hat. Im gleichen Spiel bewies übrigens auch Michael Tarnat erneut, wie unersetzlich er ist: In der 90.Minute erzielte er mit einem Freistoß den 1:1-Ausgleich.
Strafraum statt Ruhestand
Noch gar nicht lange her ist der Einsatz von Dirk Heinen im Tor von Arminia Bielefeld. Dem Torhüter erreichte 2008 ein Anruf von DSC-Torwarttrainer Thomas Schlieck. Die eigentliche Nummer Eins im Tor der Arminen, Matthias Hain, hatte sich zum Ende der Hinrunde verletzt, und der Reservist Rowen Fernandez musste zum Afrika-Cup nach Ghana. Heinen, der zu dem Zeitpunkt schon in Irland seine neue Heimat gefunden hatte, solle sich doch bitte schon mal fit halten. Fernandez kam verletzt aus Afrika zurück, und Heinen machte sich zum ersten Mal auf in Richtung Bielefeld. Zu einem Einsatz kam es aber noch nicht. Beide Keeper wurden rechtzeitig fit, und Heinen konnte sich wieder auf die grüne Insel verabschieden. Im April verletzte sich Matthias Hain allerdings erneut, und Dirk Heinen musste mal wieder eingeflogen werden. Nur einen Tag vor dem Auswärtsspiel gegen Hannover 96 kam Heinen zur Mannschaft. Im Spiel geschah dann, was passieren musste: Rowen Fernandez verletzte sich, Heinen kam rein und rettete der Arminia einen Punkt
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