Neue Dimensionen im Wettkskandal
Hoyzer geht, Lim kommt
Text: Klaus Hoeltzenbein Bild: Imago
Im Vergleich zu den Summen, die bei den neuen Manipulations-Vorwürfen genannt werden, arbeitete Robert Hoyzer im Peanuts-Bereich. Bei Lim heißt es jetzt, er habe mit seinen Wetten hoch im Millionenbereich verdient.
Am 17. Juli 2008 dachten vermutlich viele schon, dass die Sache vorbei und von den meisten bald vergessen sei. An jenem Tag öffneten sich die Tore der Justizvollzugsanstalt Berlin-Hakenfeld, heraus trat Robert Hoyzer, vorzeitig entlassen aufgrund guter Führung. Wegen Manipulation von Fußballspielen war der einstige Bundesliga-Schiedsrichter zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten verurteilt worden, nach Verbüßung der Hälfte der Zeit glückte dem 30-Jährigen der Übergang in den offenen Vollzug.
Der Name Hoyzer steht als Synonym für den größten Fußballskandal im Bereich des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), seit in den siebziger Jahren der Abstiegskampf der Bundesliga mittels Geldkoffer manipuliert worden war. Der gravierende Unterschied zwischen beiden Fällen: Im Fall Hoyzer gelang es der Bundesliga - dem merkantilen Kern dieses Sports - ihre Unschuld zu wahren und so zu tun, als sei sie nicht betroffen. Hoyzer verpfiff zwar ein Pokalspiel unter Beteiligung des Hamburger SV (2:4 beim Drittligisten Paderborn), aber er war damals noch ein Regionalliga- und Zweitliga-Schiedsrichter.
Slapstick-reifes Eigentor
Im Vergleich zu den Summen, die jetzt bei den Recherchen um den Malaysier William Bee Wah Lim genannt werden, arbeitete Hoyzer als Kleinganove im Peanuts-Bereich: Gestanden hat er, für seine tätige Hilfe 67.000 Euro plus Sachzuwendungen erhalten zu haben. Bei Lim heißt es jetzt, er habe allein mit seiner Wette von 2005 auf die Erstliga-Partie Hannover gegen Kaiserslautern (5:1) hoch im Millionenbereich verdient. Der Unterschied: Lim wettete bei Ohne-Limit-Buchmachern irgendwo in Asien, auf Hoyzer-Spiele setzte dessen Wettpate, der Kroate Ante Sapina, in Berlin.
Schon am Rande der Hoyzer-Ermittlungen gab es Hinweise auf Unregelmäßigkeiten auch in der ersten und zweiten deutschen Liga. Meist kamen sie von professionellen Wettern aus England, die auf ihren Computern plötzliche Millionenbewegungen in Asien registrierten, die sie als klare Indikatoren für Unregelmäßigkeiten werteten. Nur ein Beispiel war die Zweitliga-Partie Aue-Oberhausen (2:0) im Dezember 2004, garniert mit Slapstick-reifem Eigentor, aber bis heute nicht völlig durchleuchtet.
Die deutschen Instanzen, DFB und die Deutsche Fußball Liga (DFL), wirkten damals erleichtert, sich auf das Hoyzer-Biotop beschränken zu können. Berlin wurde - soweit bekannt - konsequent trockengelegt, Asien aber blieb unerforscht. Das könnte sich rächen. Die Wettsucht ist global, Hoyzer war in diesem Spiel nur eine lokale Größe.






