Die zweite Karriere des Francisco Copado
Er nun wieder
Text: Fabian Jonas Bild: Imago
Mit dem Aufstieg der TSG Hoffenheim feierte auch Francisco Copado ein furioses Comeback. Der Mann, der bis dato eher als Enfant terrible die Schlagzeilen beherrschte, ist zum Führungsspieler gereift.
Mit 0:2 lag die TSG Hoffenheim am 19. Spieltag der vergangenen Saison zur Pause gegen Borussia Mönchengladbach zurück. 45 Minuten lang hatte Hoffenheims Kapitän Francisco Copado auf der Bank geschmort und war dabei derart in Rage geraten, dass er sich selbst nach seinem Einsatz in der zweiten Halbzeit noch nicht beruhigt hatte. Aufgebracht diktierte er den Journalisten nach dem Spiel in die Blöcke, Trainer Ralf Rangnick habe »sich wohl nicht daran erinnert, wer die Tore bislang erzielt hat«. Am nächsten Tag war Copado seine Kapitänsbinde los.

Nicht wenige erinnerten sich in diesem Moment wieder an den exzentrischen Hitzkopf, der in seiner Laufbahn schon für so viele Schlagzeilen gesorgt hat – leider viel zu selten durch seine zweifellos vorhandenen Qualitäten als Offensiv-Allrounder. Bei TeBe Berlin tanzte er einmal vor einem Testspiel gegen Bayern München bis drei Uhr morgens auf einem Flügel im Mannschaftshotel, schlief ein anderes Mal nach durchzechter Nacht in der Pause eines Laktattests ein und prügelte sich auf dem Trainingsplatz mit Ansgar Brinkmann, was schon alleine deswegen eine lustige Vorstellung ist, weil Brinkmann 1,86 Meter misst und Copado gerade einmal 1,71 Meter groß ist.
»Die anderen mussten immer hart trainieren«
Auch bei der Spielvereinigung Unterhaching sorgte der in Kiel geborene Spanier mit regelmäßigen Ausflügen ins Münchner Nachtleben für Unruhe und wurde suspendiert, nachdem er sich bei einer Disko-Schlägerei den Arm gebrochen hatte. Dabei hatte er dort in Lorenz-Günther Köstner einen Trainer, der ihm aufgrund seines riesigen Talents sogar ein paar Freiheiten zugestanden hätte, weil er wusste, dass Copado nicht nur in seiner Freizeit, sondern auch auf dem Platz ein Mann für besondere Momente war. Sein Problem waren die Mitspieler, die in der ersten Bundesligasaison für Unterhaching einen für die dortigen Verhältnisse überragenden zehnten Platz erkämpft hatten. Der Kampfeswille der Truppe war auf dem Fundament einer großen Mannschaftskameradschaft erwachsen. In diese verschworene Gemeinschaft fand Copado nie hinein, beschwerte sich stattdessen am laufenden Band und brachte so die Mannschaft gegen sich auf. »Die anderen mussten immer hart trainieren, viele hätten normalerweise nie Bundesliga gespielt. Bei Copado war das aufgrund seiner Klasse anders«, erinnert sich Köstner. »Schließlich kamen Spieler zu mir und sagten: Trainer, Sie müssen ein Zeichen setzen. Das kotzt uns an.« Auf diese Weise verlor Copado jeglichen Rückhalt im Verein, seine Karriere schien vorbei zu sein, ehe sie richtig begonnen hatte. Beinahe zehn Monate lang blieb er suspendiert.
Als er schließlich zurückkam, war er zwar kein anderer Mensch, hatte aber begriffen, dass auch ihm, dem immer bescheinigt wurde, das Potenzial für jede Mannschaft der Welt zu haben, nichts von alleine in den Schoß fallen würde. Mit 26 Jahren fing er an, solider zu leben, nicht mehr jede Party zu feiern und, so erstaunlich es für einen Fußballprofi klingt, endlich »auch im Urlaub laufen zu gehen«, wie er im Rückblick zugibt. Gleichzeitig entwickelte er sich nach und nach auch als Sportler. Er versuchte, die Mitspieler mehr von seiner Klasse profitieren zu lassen und die Mannschaft zu führen. »Mit Sicherheit bin ich reifer geworden. Ich bin nicht mehr so ein Egoist und versuche, nicht mehr so zu polarisieren wie früher«, glaubt er selbst.
Aus Heft #81 Sonderheft 2008/09
---
News, Interviews, Blogs, Statistiken und Service zu: Eintracht Frankfurt, TSG Hoffenheim








