11FREUNDE spielen Kiebitz (10)
5 Dinge über Werder Bremen
Text: Lucas Vogelsang Bild: Imago
Klaus Allofs sucht einen Stürmer. Er sondiert den Markt, wie das im Fachjargon so heißt. Derweil reist Diego Hals-über-Kopf nach Peking. Dabei heißt sein Traumziel doch eigentlich Usbekistan. Oder doch Kuruwtschi?
1. DIESE PROBLEMZONE DA VORNE
Pizarro, Ailton, Klose. In den vergangenen Jahren war Werder Bremen im Sturmzentrum eigentlich immer hervorrragend besetzt. Und auch der erste flüchtige Blick auf die aktuelle Kaderliste gibt zumindest schwarz auf weiß keinen Anlass für zittrige Panikattacken. Mit Markus Rosenberg und Hugo Almeida haben die Bremer immerhin zwei EM-Teilnehmer in ihren Reihen. Dazu noch einen Nationalspieler von der Elfenbeinküste und den ewig talentierten Aaron Hunt. Doch nicht nur Smint-Lutscher Torsten Frings wird das Gefühl nicht los, dass da vorne irgend etwas fehlt. Der langhaarige Häuptling hatte unlängst einen echten Kracher für die Spitze gefordert: »Um uns zu verbessern, müssen wir einen Topstürmer holen«, posaunte er via »Sportbild« in die Bremer Gemütlichkeit. Und nach einem zweiten, genaueren Blick ins Sonderheft, versteht man auch, warum: das Trio Sanogo, Almeida, Rosenberg hat in der vergangenen Saison gemeinsam 34 Tore erzielt. Das ist zwar durchaus ordentlich, doch reicht diese Quote eben auch nur zu einer gutmütigen Vizemeisterschaft. Den Bremern fehlt das Toni-Moment.
Klaus Allofs hat seine Fühler, so sagt er, längst nach allen Seiten ausgestreckt. Er sondiert den Markt. Suchmaske: Harry Decheiver oder ähnlich. Bisher hat Allofs jedoch ins Leere sondiert: Lukas Podolski bleibt wohl der dritte Mann in München und eine Rückkehr von Claudio Pizarro scheiterte an dessen gut gefüllter Londoner Brieftasche, mit der er nun bräsig auf der Tribüne döst.
Sanogo – die 1B-Lösung
Und so wirkt die jetzige Stürmersuche der Bremer auch wie ein Fehler in der Matrix. Deja-Vu. Alles schon einmal da gewesen. Vor einem Jahr, nachdem Miroslav Klose sich medienrummelig in der Allianz-Arena das T-Home-Trikot überziehen durfte, hatte Allofs ebenfalls eine Appetenzstellung eingenommen und nach einem neuen Angreifer gesucht, um das Vakuum im Sechzehner zu füllen. Am Ende holte er Boubacar Sanogo. Frei nach Klinsmann eher eine 1B-Lösung. Wenn überhaupt. Sanogo konnte nur phasenweise überzeugen. Die letzten Wochen lag er nun mit Malaria im Bett. Die Chancen, dass er in dieser Saison Torschützenkönig wird, sind also eher gering. Zudem hat mit Ivan Klasnic nun auch die verbliebene Hälfte des einstigen K&K-Sturms Bremen den Rücken gekehrt. Nach dem Abgang des Kroaten hat Thomas Schaaf wieder einen Platz im Sturm zu vergeben.
Es könnte aber gut sein, dass er unbesetzt bleibt. Denn die Vergangenheit hat auch gezeigt, dass die Bremer beim Sommerschlußverkauf nicht zu denen gehören, die sich am Transfer-Grabbeltisch rücksichtslos nach vorne drängeln. Und die Situation ist auch durchaus paradox: Die Bremer besitzen ein Quartett überdurchschnittlicher Bundesliga-Angreifer und haben doch ein diffuses Defizit im Sturmzentrum. Es ist gar nicht so sehr das eigentliche Fehlen eines Torjägers als vielmehr die Sehnsucht nach einem echten Transfer-Coup wie er Allofs und Schaaf einst mit Klose gelungen war. Die beiden Transfermagier von der Weser scheinen zumindest an dieser neuralgischen Stelle ihr Zauberpulver verschossen zu haben. Vielleicht spekulieren sie aber auch einfach darauf, dass sich das vorhandene Personal in den nächsten Monaten noch einmal entscheidend nach vorne entwickelt. Dass der neue Torjäger schon längst grün-weiß trägt und sich bis jetzt einfach nur gut verstellt hat, auch das wäre ja irgendwie typisch Bremen.
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