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Was plant Christian Hochstätter in Hannover?

Fohlen-Elf 2.0

Text: Dirk Gieselmann  Bild: Imago

In seiner Zeit bei Borussia Mönchengladbach hatte Christian Hochstätter keine Chance, sein Manager-Konzept zu realisieren. Nun versucht er bei Hannover 96, seine ganz eigene Version einer Fohlen-Mannschaft zu initiieren.

Was plant Christian Hochstätter in Hannover? - Fohlen-Elf 2.0


Mönchengladbach im März 2005. Die einst so glorreiche Borussia dümpelt in der Abstiegsregion. Doch jetzt möchte man das für ein paar Stunden vergessen. Torwartlegende Uwe Kamps hat zum Abschiedsspiel geladen. Wynhoff, Effe, Kastenmaier: Ein »Who is who« besserer Zeiten tummelt sich auf dem Rasen. 35 000 Fans feiern die Borussia-Familie. Aber wie das bei Familienfeiern eben so ist: Irgendwann kippt die Stimmung.

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In der zweiten Halbzeit wird Christian Hochstätter eingewechselt. 16 Spielzeiten lang hat er hier geackert. Doch in ihm sehen die Fans nicht mehr den alten Recken. Er ist nurmehr der Sportdirektor, mutmaßlich schuld an sieben mageren Jahren. Das kriegt er zurück: Als er aufs Spielfeld läuft, pfeifen sie ihn gnadenlos aus. Die Botschaft kommt an: »Deine Zeit ist abgelaufen.« 23 Jahre Familienzugehörigkeit, einseitig aufgekündigt. Wenige Wochen danach räumt er sein Büro.

»Das hat mich persönlich getroffen«, sagt Hochstätter noch heute. »Das werde ich nicht vergessen.« Seit Anfang 2007 ist er Sportdirektor bei Hannover 96. Für den leitenden Angestellten eines Konkurrenten redet er ungewöhnlich offen über seinen alten Verein. Vermeiden kann er das nicht, wenn er von sich erzählt. »Gladbach ist meine Heimat«, sagt er. Sein Haus in Korschenbroich hat er behalten, bis heute. Doch der Blick zurück ist auch professionell geprägt. Wenn Hochstätter über die Borussia spricht, dann auch über die Fehlentwicklungen, die er bei 96 vermeiden möchte.

»Der Boulevard ist nicht an Prozessen interessiert«

11 FREUNDE #81Was damals schieflief, soll heute gut gehen. Als er 1999 nach dem Gang in die 2. Liga das Amt des Sportdirektors übernahm, wusste er, dass die erfolgreiche Jugendarbeit der einzig gangbare Weg für den klammen Klub war – und auch, dass ein solches Projekt Jahre dauern würde. Doch obwohl den Fans beim Wort »Jugendarbeit« die Herzen aufgingen – ihre Geduld war begrenzt. Von vielen wurde der Abstieg als Chance zur Wiedergeburt verstanden. Eine neue »Fohlen-Elf« könne nun wie damals, 1965, aus dem Nichts kommen und alles gewinnen. Ein Gedankenspiel, das von den Journalisten hinaufmultipliziert wurde. »Der Boulevard ist nicht an Prozessen interessiert«, sagt Hochstätter. »Er will Effekte.«

Beharrlich schmiedete er an seiner Idee einer nachhaltigen Entwicklung, ließ ein Nachwuchszentrum entstehen. Ein vielversprechender Prozess, doch die Effekte ließen zu wünschen übrig. Trainer kamen, wurden Zwölfter und gingen wieder. Zugleich wuchs die Sehnsucht nach Erfolgen, geschürt von den Boulevard-Journalisten. Mag sein, dass Hochstätter dem Affen Zucker geben wollte, als er 2004 den Welttrainer Dick Advocaat holte. Der Affe aber schluckte den Zucker und guckte sofort wieder auf die Uhr. »Nach nur einem Spiel warf ein Reporter Advocaat vor, man könne seine Handschrift nicht erkennen«, erinnert sich Hochstätter. Unter Zeitdruck ließ die sportliche Leitung sich zu waghalsigen Transfers hinreißen. Das Ergebnis: eine Truppe aus Leiharbeitern, die wenig Ähnlichkeit mit Fohlen hatten. Die Quittung erhielt Hochstätter in seinem letzten Spiel für die Borussia. Seine Zeit war abgelaufen.



Aus Heft #81 Sonderheft 2008/09

Das Bundesliga- Sonderheft


weiterlesen [1] [2]



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News, Interviews, Blogs, Statistiken und Service zu: Borussia Mönchengladbach, Hannover 96


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Kommentare

  • User
  • 28.07.2008 19:48:23 klingone67

    Richtig ist, daß Christian Hochstätter einen traurigen Abgang bei uns hatte. Falsch ist aber, dass "die Fans" ihn gnadenlos ausgepfiffen haben. Das waren 2, vielleicht 300. 200-300 Idioten, wie sie leider in jeder Kurve stehen. Teilweise 17-jährige Pisaopfer, die einen Hochstätter mit Worten wie "ich bin Gladbacher und Du nicht" anbrüllen. Dass der Mann fast ein Vierteljahrhundert alles für den Verein gegeben hat, interessiert nicht. Traurige Realität.



    Der Großteil der Fans weiß um Hochstätters Verdienste. Ich gehöre zum aktiven Teil der Fanszene und habe noch kein schlechtes Wort über ihn gehört. Wir wissen genau, dass er und Hans Meyer für kleines Geld eine Mannschaft zusammenzimmerten, die spielerische Defizite mit Willenskraft und mannschaftlicher Geschlossenheit kompensieren konnte und den Aufstieg schaffte, was man 1 Jahr zuvor kaum für möglich hielt.

    Seine Verdienste als Spieler brauch ich wohl nicht extra zu erwähnen, in jüngerer Geschichte kann da kaum jemand mithalten.



    Christian Hochstätter ist ein Stück Borussia, das wird er auch immer bleiben. Es ist schade, dass er jetzt bei einem belanglosen 08/15 Verein wie  Dingenskirchen 95 gelandet ist.  Ich wünsche ihm dennoch viel Erfolg und hoffe, dass er irgendwann wieder nach Hause kommt, zu seiner Borussia - in welcher Funktion auch immer.

  • User
  • 29.07.2008 09:58:30 calimero

    Schade, eigentlich ein netter Kommentar, bis auf den letzten Absatz..

    96 gehört zwar nicht zu den ganz Großen, aber wieso möchtest Du dann, dass er wieder nach Hause kommt zu seiner Borrusia, die seit 30 Jahren nichts auf die Beine kriegt? Ich war schon ein paar mal in eurem Dorf. Was soll er da?

  • User
  • 29.07.2008 12:20:52 Atatenango

    Davon abgesehen, weiß Hr. Lienen glaub ich andere Dinge über Hr. Hochstätter zu berichten. Und Hr. Lienen war ja nun auch recht lange in Eurem Club zugange.

  • User
  • 30.07.2008 03:53:16 vaidooda

    Stimmt..., eigentlich ein netter Kommentar. Tut mir leid für dich, Klingone 67, aber die paar Hundert Idioten waren gewiss nicht der einzige Grund, warum der Mann gehen musste. Und nun ist er eben bei uns, in Hannover, gelandet. So schön und bitter ist das Geschäft nun mal... Wir werden ihn pfleglich behandeln, bisher tut der Mann uns gut.

  • User
  • 30.07.2008 19:01:56 klingone67

    Nee, das war sicher nicht der einzige Grund, ich habe das ja auch nicht als Grund angeführt, sondern nur richtig stellen wollen, daß Hochstätter nicht bei "den Fans" untendurch war (und ausgepfiffen wurde), sondern nur bei einem vergleichsweise geringen Teil der Fans.

    Unstrittig ist auch, daß Hochstätter ein paar Fehlentscheidungen getroffen hat. Beispiel: Er hat seinen Kumpel Fach gegen Widerstand im Verein als Trainer durchgeboxt und sein eigenes berufliches Schicksal mit dem Fachs verbunden. Am Ende musste Fach gehen, Hochstätter blieb - aber von dem Zeitpunkt an war er natürlich in seiner Position stark geschwächt.

    Es ist aber völlig legitim, daß ein Quereinsteiger  im neuen Beruf ein paar Fehlentscheidungen trifft. Die positiven Aspekte seiner Arbeit überwiegen meiner Ansicht nach bei Weitem, und für mich ist und bleibt "Howie" in meiner ganz persönlichen Jahrhundertelf.



    Er wird Euch weiterhin gut tun - leider. :-)



    Auf Forssell bei Euch bin ich allerdings gespannt. Für mich das Paradebeispiel eines Söldners. Er ist sicher ein guter Spieler, und er wird bei Euren Fans schnell beliebt sein, weil er a) Tore schießt und sich b) clever bei den Fans einschleimt. Sobald aber ein Verein kommt, der ihm 3 Euro mehr Gehalt bietet, ist er wieder weg. 

  • User
  • 31.07.2008 11:17:40 calimero

    clever bei den fans einschleimen klappt aber nicht bei jedem belanglosen 08/15 verein.... vielleicht lässt man sich bei uns nich so schnell verarschen;-)

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