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25.07.2008

VfB-Boss Dieter Hundt im Porträt

Der geborene Chef

Text: Johannes Scharnbeck  Bild: Imago

Er bezeichnete Trainer Armin Veh als Übergangslösung und gab Mario Gómez während der EM den Rest. VfB-Aufsichtsratsvorsitzender Dieter Hundt ist einer der streitbarsten Typen der Bundesliga.

VfB-Boss Dieter Hundt im Porträt - Der geborene Chef


In seinem Metier kennt sich Dieter Hundt bestens aus. Deswegen sagt er auch: »Die Imponderabilien sind bei einem Fußballverein größer als bei einem Wirtschaftsunternehmen.« Weil der Arbeitgeberpräsident und Aufsichtsratsvorsitzende des schwäbischen Autozulieferers Allgaier ahnt, dass sein Gegenüber mit dem betriebswirtschaftlichen Fachbegriff für nicht messbare Einflussfaktoren zunächst nichts anfangen kann, wiederholt er ihn noch einmal: »Imponderabilien.« Wo die Berechenbarkeit groß und die Urteilsfindung an eindeutige Fakten geknüpft ist, konnte der heute 69-Jährige stets auftrumpfen. Er sitzt im Aufsichtsrat eines halben Dutzends großer deutscher Unternehmen und ist die Stimme des Arbeitgeberverbandes. Der in Esslingen bei Stuttgart geborene Schwabe hat viel Macht und viele Kritiker. Denn mit Kalkül poltert er regelmäßig gegen die Gewerkschaften, schimpft auf das Sozialsystem oder die akademische Lehrerausbildung. Dem sich ständig einmischenden Hundt hat der Musiker Peter Licht sogar ein eigenes Lied gewidmet: »Benimmunterricht (Der Arbeitgeberpräsident)«.



Dieter Hundt ist jedoch nicht nur Wirtschaftsfunktionär, sondern auch Aufsichtsratschef des VfB Stuttgart, und wenn er über Fußball redet, spielen ihm die Imponderabilien, besonders die Emotionen, oft einen Streich. Neulich, bei »Waldis EM-Club«, witztelte Hundt, nach den Leistungen von Mario Gómez im Nationaltrikot müsste der Verein bei einem Wechsel eigentlich »einen dreistelligen Millionenbetrag« bekommen. Nun ist Gómez Fußballer und kann mit Ironie ungefähr so viel anfangen wie andere mit Betriebswirtschaft. Daher schoss er umgehend zurück, sein Berater kanzelte Hundts Aussage gar als »Ungeheuerlichkeit« ab. Beste Steilvorlage für ein schwäbisches Medientheater.

11 FREUNDE #81Hundt sagt dazu mittlerweile nur: »Ich bedaure die Reaktion auf meine flapsige Bemerkung in einer satirischen Sendung.« Dabei müsste er doch wissen, dass er mit kernigen Fußballersprüchen schon einige Male daneben gelegen hat. Im Februar 2006 hatte er den neuen VfB-Coach Armin Veh an dessen erstem Arbeitstag als »Übergangslösung« bezeichnet – sein eigentlicher Wunschkandidat war Christoph Daum. Bekanntermaßen führte Veh die Stuttgarter zur Meisterschaft, und Hundt wurde sein Satz immer wieder vorgehalten. Auch vor der letzten Saison wagte er sich bei der Bewertung der VfB-Transfers weit aus dem Fenster und sagte in einem Interview: »Ewerthon wäre eine Lösung, die meinen Beifall finden würde.« Der brasilianische Stürmer enttäuschte maßlos, erzielte ein mickriges Tor und wurde schon nach der Hinrunde wieder zurück nach Spanien entlassen.



Aus Heft #81 Sonderheft 2008/09

Das Bundesliga- Sonderheft


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