VfB Stuttgart – Eintracht Frankfurt
Und er bewegt sich doch
Text: Thomas Becker Bild: Imago
Beim sonnenklaren 4:1 der Stuttgarter riecht es eine Weile sogar nach Champions League, später zumindest noch nach Uefa-Cup. Und bei Verlierer Eintracht Frankfurt steht nicht nur der Trainer wie angeklebt rum.
Man hätte sich Sorgen machen können um Friedhelm Funkel. Da kassiert seine Mannschaft die Gegentore nur so im Minutentakt, zeigt defensiv wie offensiv eine desaströse, an Leistungsverweigerung grenzende Darbietung - und der Trainer steht unbeweglich da wie eine etwas zu schief geratene Litfasssäule.
Seine rechte Schulter klebt fast eineinhalb Stunden am Plexiglas-Windschutz der Ersatzbank, als hätte irgendjemand einen geheimen Klebstoff dort installiert, wohl wissend, dass Funkel seine Samstagnachmittage gerne in dieser Haltung verbringt.
Nur wer ihn ständig im Auge behielt, konnte beruhigt feststellen: Und er bewegt sich doch. Fußballinteressierte wissen: Es gibt wenig auf dem Platz, was Friedhelm Funkel aus der Fassung bringt. Auch die ersten 18 Minuten im Stuttgarter Daimler-Stadion haben das nicht geschafft.
Da stand es bereits 3:0 für den VfB – und selbst das war noch schmeichelhaft für die völlig indisponierte Eintracht. Dass es am Ende nicht schlimmer als 4:1 kam, lag auch an Mario Gomez’ Fehlversuchen, machte die Sachlage für den Eintracht-Trainer aber nicht einfacher.
Eintracht Frankfurt: Auf Dauer Mittelmaß?
Er musste Stellung nehmen zur Bilanz der letzten fünf Spiele: ein Remis, vier Niederlagen, null Siege. Und natürlich analysierte Funkel die Lage wie immer nüchtern und floskelfrei: »Wir sind auf Dauer Mittelmaß. Alles andere ist Spinnerei.« Auflösungserscheinungen in Frankfurt? Iwo! Das einzige, was sich bei der Eintracht auflöst, ist die Beflockung von Funkels Trainingsanzug – aber auch nur bei zwei, drei Buchstäbchen.
Seit Funkel und Heribert Bruchhagen die Geschicke der einstigen Diva vom Main lenken, ruht die Eintracht in sich – selbst nach fünf sieglosen Spielen. Es wird aber nicht drumherum geredet, sondern lieber Klartext. Da reichen wenige Worte aus: erschreckend müde, matt, aufgebraucht, Hühnerhaufen, schlechteste Saisonleistung. sind an unsere Grenzen gestoßen, so eklatant darf das nicht ausgehen – alles O-Ton Bruchhagen.
Für die Fernsehkameras fasste Funkel das 1:4-Desaster nochmal schön nachvollziehbar zusammen: »Jede Mannschaft ereilt in einer Saison eine solche Negativserie, das geht auch Spitzenteams so. Und das ist mir jetzt lieber als zu Beginn der Saison. Die guten Kritiken der vergangenen Monate sind einigen Spielern zu Kopf gestiegen.
Sie sind noch nicht so weit wie sie glauben. Wir sind eine Mannschaft des Mittelmaß – das hat man heute gesehen.« Bruchhagen ergänzt: »Wir sitzen morgens um neun zusammen und sind hoch erstaunt, was wir über unsere Spieler lesen.« Nun, mit den Elogen hat es sich jetzt erst mal. Die Eintracht ist und bleibt im Niemandsland der Liga, der Uefa-Cup ist endgültig kein Thema mehr, auch wenn Funkel »noch fünf, sechs Punkte« holen und möglichst am Mittwoch gegen Wolfsburg damit anfangen will.
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